Wieder Rassismus im Spitzenfußball

Wieder Rassismus im Spitzenfußball
Wieder Rassismus im Spitzenfußball
Schiedsrichter Weiner (Foto 2005) drohte wegen rassistischer Rufe Spielunterbrechung an.

Aachen/Rostock (dpa) – Rassistische Schmährufe werfen erneut einen dunklen Schatten auf den deutschen Spitzenfußball und haben auch DFB-Präsident Theo Zwanziger auf den Plan gerufen.

Schiedsrichter Michael Weiner drohte beim Bundesliga-Nachbarschaftsderby zwischen Alemannia Aachen und Borussia Mönchengladbach (4:2) mit einer mehrminütigen Unterbrechung, weil Gäste-Stürmer Kahe aus dem Aachener Fanblock als «Asylant» beschimpft worden war.

Eine Woche zuvor hatten Zuschauer beim DFB-Pokal-Spiel des FC Schalke 04 beim Oberligisten FC Hansa Rostock II Nationalspieler Gerald Asamoah mit Affengeräuschen beleidigt. «Die Vereine machen sich mitschuldig», sagte DFB-Chef Zwanziger dem «Tagesspiegel».

«Sie können sich nicht länger damit herausreden, dass es sich bei rechtsradikalen und rassistischen Ausfällen um die Aktionen einiger weniger Störenfriede handle. Sie tragen die Verantwortung und müssen auch mit Konsequenzen leben – bis hin zum Punktverlust», sagte Zwanziger der Zeitung. Der Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes hatte am 8. September die Grundlage für Bestrafungen nach rassistischen Vorfällen geschaffen. Entsprechend der Richtlinien des Weltverbands FIFA will der DFB künftig «diskriminierenden und menschenverachtenden Verhaltensweisen» entgegentreten. Dabei drohen Spielern oder Offiziellen Sperren und Geldstrafen. Vereine können für Fehlverhalten ihrer Fans mit Punktabzug und sogar Ausschluss aus dem Wettbewerb bestraft werden.

In Aachen ließ Referee Weiner (Giesen)  über die Stadion-Lautsprecher verkünden, dass er das Spiel kurzfristig aussetzen werde, sollte der Brasilianer Kahe weiter beleidigt werden. «Ich soll vom Schiedsrichter ausrichten, dass er das Spiel unterbrechen wird, wenn er nochmals das Wort Asylant hört», sagte der Stadionsprecher auf dem Tivoli. Weiner erklärte später, dass es während der vergangenen Woche neue Instruktionen für die Unparteiischen durch den Schiedsrichter-Ausschuss beim Umgang mit rassistischen und diskriminierenden Vorkommnissen gegeben habe. Demnach hätten sich die Unparteiischen darauf geeinigt, in solchen Fällen mit beiden Mannschaften den Platz zu verlassen, damit sich das Publikum «besinnen» könne.

«Rassismus hat im Fußballstadion nichts zu suchen. Deshalb haben wir die Schiedsrichter noch einmal darauf hingewiesen, solche Schmährufe nicht zu dulden», sagte Volker Roth, Vorsitzender des Schiedsrichter-Ausschusses des DFB, der dpa. Roth lobte das Vorgehen Weiners als richtig, wollte aber nichts zu einer möglichen Strafe gegen die Aachener sagen. «Das ist Sache des Kontrollausschusses. Herr Weiner hat einen Sonderbericht verfasst», erklärte der ehemalige Bundesliga-Referee Roth.

Zweitligist Hansa Rostock war nach verbalen Verunglimpfungen gegen Schalke-Angreifer Asamoah im Pokalspiel bei der zweiten Mannschaft der Rostocker vom DFB-Sportgericht am Freitag eine Geldstrafe von 20 000 Euro auferlegt worden. Zudem wurde Hansa Rostock II zu einem «Geisterspiel» in der Oberliga Nordost (Gruppe Nord) unter Ausschluss der Öffentlichkeit verurteilt. DFB-Präsident Zwanziger begrüßte das Urteil und sagte, es sei «eine unverschämte Frechheit, diesen Menschen allein wegen seiner Hautfarbe von den Tribünen zu verletzen». Zwanziger zufolge müsse in den Stadien ein faires und tolerantes Klima wie bei der Weltmeisterschaft «selbstverständlich sein – egal in welcher Spielklasse».

Der Fan-Beirat der Rostocker will mit einer Plakataktion am Rande des Zweitliga-Heimspiels gegen den 1. FC Kaiserslautern am 18. September ein Zeichen gegen Rassismus setzen. Zudem boten die Hansa-Anhänger Asamoah ein Treffen vor dem Länderspiel Deutschland gegen Georgien am 7. Oktober in Rostock an, um sich bei dem Nationalspieler zu entschuldigen.

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