Verwirrung um neuen Hertha-Trainer Favre

Verwirrung um neuen Hertha-Trainer Favre
Verwirrung um neuen Hertha-Trainer Favre
Lucien Favre soll der neue Trainer von Hertha BSC Berlin werden.

Berlin (dpa) – Der Schweizer Trainer des Jahres hat dem Werben der «alten Dame» wohl nachgegeben: Offensiv-Liebhaber Lucien Favre soll Hertha BSC nach einer verkorksten Saison in der Bundesliga neuen Schwung verleihen. Allerdings scheint der Transfer noch nicht ganz klar.

Nach zwei Meisterschaften mit dem FC Zürich hatte der 49-jährige Wunschkandidat beim bisherigen Club seinen Abschied bekannt gegeben. Favre tauscht damit einen Startplatz in der Champions League gegen eine sportliche Herausforderung und ein angeblich drei Mal so hohes Gehalt ein. Hertha-Manager Dieter Hoeneß einigte sich mit Favre auf einen Dreijahresvertrag bis 2010. «Wir sind sehr froh, dass wir unseren Wunschtrainer unter Vertrag nehmen konnten», sagte Hoeneß. «Lucien Favre ist ein Trainer, dessen erfolgreiche Karriere wir schon lange mit großer Aufmerksamkeit verfolgt haben. Er passt sowohl sportlich als auch menschlich hervorragend zu Hertha BSC und nach Berlin.»

Nach Ansicht der Verantwortlichen seines bisherigen Arbeitgebers FC Zürich scheint die Verpflichtung von Favre durch die Berliner jedoch noch nicht sicher zu sein. Der Präsident des Schweizer Meisters, Ancillo Canepa, erklärte im Gespräch mit dem InfoRadio des rbb, es gebe keine Ausstiegsklausel für den 49-jährigen Favre. «Er kann nur den Vertrag auflösen, wenn wir, der FC Zürich, einverstanden sind. Diesbezügliche Gespräche haben bisher nicht stattgefunden», sagte Canepa. Nach Ansicht des FC Zürich sei deshalb noch nicht alles klar. Kurioserweise war der Abschied von Favre zuerst auf der Internetseite des Schweizer Vereins mitgeteilt worden. Offenbar dreht sich alles um die Ausstiegsklausel, nach der Lucien Favre vor Ablauf seines Vertrages in Zürich für eine Ablösesumme von rund 200 000 Euro zu einem anderen Verein wechseln kann. Favre steht noch für ein Jahr in Zürich unter Vertrag. Für den 2. Juni ist in Berlin eine Pressekonferenz mit dem neuen Coach geplant.

Karsten Heine, der den Bundesligisten als Nachfolger von Falko Götz in den letzten sechs Saisonspielen betreut hatte, soll mit der Favre-Verpflichtung ins zweite Glied zur U23-Mannschaft zurückgehen, die gerade aus der Regionalliga abgestiegen ist. Hätte Favre auf die Hertha-Frist mit einer Absage reagiert, galten der im Ostsee-Urlaub weilende Heine und der Norweger Trond Sollied als Kandidaten.

Favre wäre nach dem jetzigen Bochumer Coach Marcel Koller, Hanspeter Latour (1. FC Köln) und Martin Andermatt (SSV Ulm, Eintracht Frankfurt) der vierte Schweizer Trainer in der Bundesliga-Geschichte. Bei Hertha BSC standen in dem Ungarn Pal Csernai und dem Niederländer Huub Stevens erst zwei ausländische Cheftrainer unter Vertrag.

Als neuer Hertha-Trainer hat Favre sich hohe Ziele gesteckt. «Ich denke, dass es jetzt noch etwas verfrüht ist, von Zielen zu sprechen. Fakt ist: Ich bin sehr ehrgeizig, will natürlich Titel gewinnen», erklärte er in einem Interview der Tageszeitung «BZ». «Wenn ein solcher Verein anfragt, muss man sich ernsthaft Gedanken machen. Die Bundesliga ist sehr reizvoll. Ich hatte auch ein Angebot aus Frankreich, aber die Gespräche mit Herrn Hoeneß, Herrn Gegenbauer und Herrn Preetz haben mich überzeugt. Hertha wollte mich unbedingt, das hat mir imponiert», sagte Favre. Geld habe für seinen Wechsel keine Rolle gespielt. «Für mich ist wichtig, dass das Drumherum, wie Stadion und Trainingsbedingungen, passt. Das ist in Berlin absolut der Fall.» Der 24-malige Nationalspieler gilt als Anhänger des offensiven Fußballs, der auch einen Blick für Talente hat.

Mit Hertha BSC machte er Ende 2001 Bekanntschaft: Damals warf er die Berliner mit Servette Genf aus dem UEFA-Cup. Nach einem 0:0 in Genf siegte Servette im Rückspiel 3:0 im Olympiastadion und fügte den Hauptstädtern eine der schmerzlichsten Niederlagen in ihrer Europapokal-Geschichte zu. Für Servette war der zweifache Familienvater auch als Spieler aktiv. Weitere Stationen waren Yverdon-Sports und der FC Echallens. Als Trainer betreute er außer dem FC Zürich und Servette auch Yverdon.

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