Torjäger-Gipfel in Gefahr: Makaay erkrankt

Torjäger-Gipfel in Gefahr: Makaay erkrankt
Torjäger-Gipfel in Gefahr: Makaay erkrankt
Roy Makaay beantwortet bei einer Pressekonferenz 2003 Fragen von Journalisten.

München (dpa) – Es sollte das große Duell der Top-Torjäger werden, doch nun ist der mit Spannung erwartete Stürmer-Vergleich zwischen Ailton und Roy Makaay in Gefahr.

Ausgerechnet vor dem Bundesliga-Gipfel zwischen dem FC Bayern München und dem SV Werder Bremen bangt der deutsche Fußball-Rekordmeister um den ansonsten so zuverlässigen Niederländer. Und im Rennen um die Torjäger-Kanone könnte der Brasilianer dann uneinholbar enteilen. Makaay, der mit 18,75 Millionen Euro teuerste Bayern-Einkauf der Vereinsgeschichte, musste auch am Mittwoch wegen einer Grippe mit dem Training aussetzen, sein Einsatz im Schlagerspiel ist stark gefährdet. «Wir müssen die letzten Stunden abwarten, ob er überhaupt einsatzfähig ist», sagte Trainer Ottmar Hitzfeld.

Ailton führt die Torjäger-Liste derzeit mit 26 Toren vor Makaay (22) und Martin Max (19) an. So sehr er sich zum Abschied aus Bremen den Meistertitel wünscht – auf die persönliche Trophäe für den besten Torjäger legt der Brasilianer ganz besonders großen Wert. «Sie ist wichtig. So etwas wird in meiner Heimat hoch geschätzt», erklärte er. Ohnehin ist er überzeugt, dass die Kanone ihm gebührt. Seine eigene Leistung wertet Ailton selbstbewusst höher als die Makaays: «Ich bin mehr in Bewegung als er. Ich biete mich an, fordere den Ball und nehme einfach mehr am Spiel teil.» Und überhaupt: «Wenn ich Tore mache, ist das gut für Werder. Ich schieße viele Tore, dann wird Werder auch Meister.»

Makaay, der in der vergangenen Saison in Diensten von Deportivo La Coruña mit 29 Treffern Torschützenkönig in Spanien geworden war, rückt sich selbst dagegen in den Hintergrund. Die Torjäger-Trophäe ist ihm «überhaupt nicht wichtig. Wichtig ist die Meisterschaft, nichts anderes», betonte Makaay. «Bei uns ist es egal, wer die Tore schießt.» Unter einer Bedingung ist er sogar Ailton gegenüber großzügig: «Wenn wir gewinnen, kann er auch ein Tor schießen.»

Beide sind vor dem gegnerischen Tor eiskalt, doch außerhalb des Strafraums könnten die Gegensätze zwischen den zwei Stürmerstars nicht größer sein. Emotionen zeigt der coole Niederländer praktisch nie, Allüren sind ihm fremd. Der heißblütige Brasilianer hingegen überrascht immer wieder mit seinen Mätzchen. Seinen bevorstehenden Wechsel zum FC Schalke 04 hat er angeblich schon bereut. Mal will er angeblich in Bremen wohnen bleiben, mal soll er sich zu schade dafür sein, mit seinem neuen Club im UI-Cup zu spielen.

Makaay, dessen Torbilanz auch wegen seines verspäteten Saisonstarts und fehlender Vorbereitung beeindruckend ist, hat sich in München gut integriert. «Roy ist der beste Transfer, den wir gemacht haben, nicht nur, weil er fußballerisch gut, sondern weil er ein Supertyp ist», lobte Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge in der «Süddeutschen Zeitung» den 29-Jährigen: «Den interessiert dieser ganze Zirkus hier nicht, der kommt immer mit guter Laune zum Training.» Der bescheidene Makaay (Lieblingsspruch: «Is normal») stellt die Mannschaft immer über seine persönlichen Ambitionen und lässt sich durch fast nichts aus der Ruhe bringen: «Nie» sei er nervös. «Vielleicht, als ich ein Junge war, aber jetzt habe ich fast 400 Liga-Spiele.»

Bei den Prognosen für den anstehenden Titel-Endspurt sind beide aber gleich selbstbewusst. «Wir haben keine Angst. Schießen die Bayern ein Tor, müssen wir eben zwei machen. So einfach ist das», meinte Ailton. Sein Amtskollege verweist ganz cool auf die jüngere Bundesliga-Geschichte und das Endspurt-Glück der Münchner: «Bayern hat die Meisterschaft oft genug am Ende noch für sich entschieden. Frag‘ mal Schalke.»

Michael Ballack konnte wieder mit der Mannschaft trainieren, sein Einsatz bleibt aber fraglich. Der Nationalspieler leidet an einer Sehnenreizung im rechten Knie sowie an einer Prellung im Schienbein. «Ich habe noch Schmerzen und muss behandelt werden. Wir werden alles dafür tun, dass es reicht», sagte der Mittelfeldspieler. Der französische Nationalspieler Bixente Lizarazu konnte wegen Rückenbeschwerden nicht trainieren. Landsmann Willy Sagnol wird weiterhin ausfallen.

Sebastian Deislers Chancen auf ein Comeback steigen. «Er hat sehr intensiv trainiert», sagte Hitzfeld. Sollte Deisler, der von November an mehrere Wochen wegen Depressionen behandelt worden war und seit März wieder mit der Mannschaft trainiert, alle Übungseinheiten absolvieren können, will Hitzfeld entscheiden, «ob Sebastian auf der Bank sitzt». Wieder einsatzfähig sind Samuel Kuffour und Robert Kovac.

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