Stars in Amateurligen nicht immer willkommen

Stars in Amateurligen nicht immer willkommen
Stars in Amateurligen nicht immer willkommen
Sebastian Deisler (u.l.) bei seinem Comeback in der Regionalliga am 8. April.

München (dpa) – Sebastian Deisler und Mehmet Scholl in der Regionalliga, Jens Nowotny und der brasilianische Weltmeister Lucio in der Oberliga: In den Amateurabteilungen der Fußball-Bundesligaclubs tummeln sich immer häufiger prominente Namen.

Spieler, die verletzt waren, sollen in den Reserveteams der Bundesligisten Spielpraxis sammeln. Was sich aus Sicht der Profimannschaften als vorteilhaft erweist, ist für kleinere Vereine häufig ein Ärgernis: Sie fürchten, dass sie nicht mehr mithalten können, wenn beim Gegner die Stars auflaufen.

Viele Amateurliga-Tabellen demonstrieren die Dominanz der «Reserve»-Teams. Die Amateure des FC Bayern München führen die Regionalliga Süd an, und die Amateurteams von Hertha BSC, VfL Wolfsburg und VfL Bochum sind Spitzenreiter in den jeweiligen Oberligen. In der bayrischen Oberliga bestimmen die zweiten Garden aller vier bayerischen Zweitligisten und des TSV 1860 München das Geschehen und lassen kleineren Vereinen kaum eine Chance. «Wir haben eine Zweiklassen-Gesellschaft, keine Frage», meint Armin Klughammer vom Bayerischen Fußball-Verband (BFV).

Für die Profi-Abteilungen zählt, dass ihre verletzten Spieler so schnell wie möglich wieder fit werden. Die Amateurligen gelten als ideales Testrevier für die Rekonvaleszenten. Zum Beispiel beim FC Bayern, bei dem sich Scholl, Sebastian Deisler, Willy Sagnol und Martin Demichelis über das Regionalliga-Team an die Bundesliga heran tasteten. Oder bei Bayer in Leverkusen, wo Nowotny und Lucio sich für ihr Bundesliga-Comeback bei den Amateuren warm spielten.

«Für uns Gegner ist das ungünstig und für den Wettbewerb äußerst schwierig», sagt Markus Krapf, der Geschäftsführer des Regionalligisten FC Augsburg. Der Auftritt gestandener Profis mit internationaler Erfahrung in der 3. Liga sei an sich schon problematisch, schwieriger sei jedoch die Unberechenbarkeit: «Wir wissen doch gar nicht, was auf uns zukommt», sagt Krapf.

Grundlage für den Einsatz von Profis in den Amateurligen ist Paragraf zwölf der Spielordnung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), dem zu Folge bis zu drei «Nicht-Amateure mit Lizenz» spielberechtigt sind. Profis, die jünger als 24 Jahre alt sind, dürfen in unbegrenzter Anzahl spielen. Ausgenommen von dieser Regel sind die letzten vier Spieltage und eventuell folgende Auf- oder Abstiegsrunden.

«Die Regel bleibt. Es gibt keine Chance, dass etwas geändert wird», sagt der für die Amateure zuständige DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle, der für die Klagen der kleineren Vereine kein Verständnis hat: «Wären sie in der Lage der Profivereine, würden sie es genauso machen.»

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