Roger Schmidt: «China hat mich positiv überrascht»

Roger Schmidt: «China hat mich positiv überrascht»
Bildhinweis: Ist mittlerweile in China tätig: Roger Schmidt. Foto: Federico Gambarini

Peking (dpa) – Mit Roger Schmidt läuft es so gut wie schon lange nicht mehr beim chinesischen Erstligisten Peking Guoan. Der Fußballclub wurde Pokalsieger, qualifizierte sich für die asiatische Champions League, spielt heute wieder ganz oben in der Liga mit und kann sich sogar Hoffnungen auf den Meistertitel machen.

Kein Wunder also, dass der Verein gerne den Ende des Jahres auslaufenden Vertrag des deutschen Trainers verlängern möchte. Mitte oder Ende August wollen sich beide Seiten darüber austauschen, ob das für Schmidt dann auch infrage kommt, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur.

Über seine Zukunft wird viel spekuliert. Aber wer dem 52-Jährigen zuhört, erfährt schnell, dass der Sauerländer ein Familienmensch ist. Dass seine Frau Heike und die beiden Kinder weit weg in Deutschland leben. Und dass der Job in China «der Familie sehr viel abverlangt», wie er immer wieder betont. So lebt Schmidt allein im Hotel Intercontinental im angesagten Pekinger Einkaufsviertel Sanlitun, ganz nah am Arbeiterstadion, wo der Verein beheimatet ist. «Es ist ein völlig anderes Leben, wenn man so weit weg von Zuhause ist.»

Er kann sich noch gut erinnern, wie es war, als er vor zwei Jahren am Pekinger Flughafen ankam. Es war total diesig. Er dachte an Smog, aber es war ein Sandsturm. «Am nächsten Tag war alles klar.» Er hatte sich schnell für China entscheiden müssen und wusste nicht so recht, worauf er sich einlässt. «Aber jetzt bin ich froh, dass ich den Schritt gemacht habe», zog Schmidt jüngst auch bei einem Besuch der Deutschen Schule in Peking (DSP) auf Fragen von Schülern eine positive Bilanz. Er habe «große Erfahrungen als Mensch und Trainer» gemacht. «Ich war in jeder Hinsicht sehr positiv überrascht.»

Mit acht Leuten kam Schmidt, darunter Co-Trainer, Ernährungsberater, Koch, Torwarttrainer und zwei Physiotherapeuten nach Peking. Mit allen hatte der einstige Leverkusen-Coach schon vorher zusammengearbeitet. «Ein richtig gutes Team.» Der frühere Ingenieur hatte selbst erst mit etwa 40 Jahren zum Profitrainer-Beruf gefunden und den SC Paderborn und Red Bull Salzburg trainiert. Er spricht viel von Kreativität, Spontanität und Spaß, fordert seinen Spielern aber schon im Training viel ab – «so dass sich das Spiel am Sonntag eigentlich fast leicht anfühlt.»

Natürlich sei die Kultur in China anders. Zusätzlich sei die Kommunikation schwieriger, weil er immer mit Übersetzer arbeiten muss. Das habe aber auch Vorteile: «Wenn er übersetzt, kann ich noch mal nachdenken.» Aber auch in europäischen Vereinen bräuchten Trainer jeweils Übersetzer für einige Spieler. «Mit Gestik und Mimik kann man auch viel erreichen», weiß Schmidt. «Das sollte man nicht unterschätzen.» Am Anfang habe er versucht, ein bisschen Chinesisch zu lernen. Er habe ein paar Sätze gesagt, aber niemand habe ihn verstanden. «Da habe ich das abgebrochen.»

Die Luftverschmutzung in Peking sei allerdings «wirklich so schlimm, wie alle geschrieben haben», sagte Schmidt. «Das schockt schon». Die schlechte Luft, die extreme Hitze im Sommer, die langen Flugreisen zu den Auswärtsspielen und die unterschiedlichen Klimazonen in China machen auch den Spielern zu schaffen. Gerade Smog und Hitze: «Es ist schon eine extreme Belastung.» Da lasse die Intensität im Training und Spiel nach. «Das sieht man an den Laufwerten.»

Im Vergleich zu Europas Topliga sei China schon schlechter, «aber so schlecht auch wieder nicht», nimmt Schmidt den chinesischen Fußball in Schutz. Chinas Nationalelf hat 2002 in Südkorea und Japan zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft teilgenommen – und ist torlos ausgeschieden. Jetzt geht es um die Teilnahme 2022 in Katar. Staats- und Parteichef Xi Jinping, selbst ein großer Fußballfan, hat China ein großes Fußballförderungsprogramm verordnet. «Ambitionierte Ziele», sagte Schmidt, der die Pläne für gut hält. Aber es sei «ein ganz, ganz weiter Weg». China habe viel aufzuholen.

Ob er nicht Chinas Nationaltrainer werden wolle, fragten ihn Schüler spontan. Doch Schmidt antwortete ausweichend. Er wisse schon nicht, wie lange er überhaupt noch Trainer sein möchte. Wieder erwähnt er die Familie, auf deren Kosten es gehe. Es mache ihm schon viel Spaß. «Aber es auch nicht so, als wenn ich das bis an mein Lebensende machen möchte.» Er konzentriere sich aber immer darauf, was er gerade mache, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was als nächstes komme.

Zwischendurch gab es durchaus Angebote aus Deutschland. Doch habe er seine Aufgabe in Peking «zu Ende bringen» wollen. Er stecke viel Arbeit und Herzblut in dem Team. Zudem laufe es gut. «Deswegen möchte ich nicht mitten in der Saison die Mannschaft verlassen», sagte Schmidt. «Wenn ich irgendwann bei Peking Guoan aufhöre, werde ich erstmal Pause machen, weil es auch eine anstrengende Zeit war die letzten Jahre.» Wer ihn dann anheuern wolle, werde sich schon melden. «Wenn ich ein gutes Gefühl dabei habe, werde ich mich darauf einlassen.»

Bet3000 » Beste Quoten und 150 EUR Bonus



Verwandte Themen: