«Mythos» Schalke 04 feiert 100. Geburtstag

«Mythos» Schalke 04 feiert 100. Geburtstag
«Mythos» Schalke 04 feiert 100. Geburtstag
Höhenretter der Feuerwehr enthüllen am Rathausturm in Gelsenkirchen ein Plakat.

Gelsenkirchen (dpa) – Am 4. Mai 1904 brachten acht Jugendliche aus der Arbeiterschaft im Gelsenkirchener Vorort Schalke den Ball ins Rollen.

Mit der Gründung des Fußballvereins «Westfalia Schalke» im Schatten der Zeche Consolidation nahm eine große Fußball-Geschichte ihren bescheidenen Anfang. Nun feiert der Kultclub FC Schalke 04 seinen 100. Geburtstag und bringt sich mit zahlreichen Aktionen, Attraktionen und Festivitäten nachhaltig in Erinnerung. Ex-Profi Olaf Thon stellte das 528 Seiten starke Jubiläumsbuch «100 Schalker Jahre, 100 Schalker Geschichten» vor. Die Medien räumen dem Traditionsclub aus dem Revier mit Sonderseiten breiten Raum ein, und der Westdeutsche Rundfunk (WDR) präsentiert eine TV-Dokumentation mit dem Titel «Mythos, Meineid, Meisterschaften».

Seit Montag schmücken vier Riesentransparente mit den Konterfeis der Schalke-Legenden Ernst Kuzorra, Berni Klodt, Reinhard «Stan» Libuda und Thon den Rathausturm in Gelsenkirchen-Buer. 5000 Schaulustige erlebten die spektakuläre «Verhüllung». «Es ist eine große Ehre für mich, auf diese Weise geehrt zu werden», sagte Thon.

Am 4. Mai gehen die Feierlichkeiten weiter. Tausende Fans tummelten sich auf dem Vereinsgelände zwischen altem Parkstadion und der modernen Arena. Torwand, «Human Table Soccer», Torschussmessung, Hüpfburg, Gesprächsrunden mit den Spielern der Meistermannschaft von 1958, den UEFA-Cup-Gewinnern von 1997 sowie den Pokalsiegern von 1972, 2001 und 2002. Auch die aktuellen Profis und Trainer Jupp Heynckes mischen sich unters Volk, zapfen Bier und grillen Bratwurst zum Jubiläumsangebot von 100 Cent.

Der feierliche Abschluss erfolgt um 19.04 Uhr, wenn für eine halbe Stunde in ganz Gelsenkirchen die Kirchenglocken läuteten. Danach bittet der Vorsitzende des Schalker Ehrenrats, Pfarrer Hans-Joachim Dohm, zum ökumenischen Gottesdienst. Weitere Höhepunkte der «königsblauen Festwochen» sind am 8. mai die große Jubiläums-Party in der Arena, wo unter anderen Pur und die Uwe Ochsenknecht Band für Stimmung sorgen sollen, und die Uraufführung des Musicals «nullvier – Keiner kommt an Gott vorbei» am Sonntag im Musiktheater im Revier (MiR).

«Darauf freuen wir uns. Schalke ist ein außergewöhnlicher Club. Da müssen wir auch außergewöhnlich feiern. Aber im Vordergrund stehen immer unsere Fans», lautet das Motto von Manager Rudi Assauer, der als mächtiger Macher des modernen Schalke gilt. Nach seiner ersten Amtszeit (1981-1986) übernahm Assauer 1993 erneut das Ruder und rettete 1994 dem vor dem Ruin stehenden Club gemeinsam mit den Vorstandskollegen die Lizenz. «Das war ein wichtiger Meilenstein», meinte der 60-Jährige. Steil bergauf ging es nach dem sensationellen UEFA-Cup-Triumph in Mailand. Im Eiltempo hat sich der einst kleine Bergarbeiterverein zu einem modernen Wirtschaftsunternehmen mit zahlreichen Tochterfirmen, einem Jahres-Umsatz von mehr als 130 Millionen Euro und einem der schönsten Stadien Europas entwickelt.

Die bewegte Geschichte, die Mischung aus Skandalen und Triumphen und Legenden, Jubel und Tränen, Hingabe und Frust macht wohl die Faszination des Vereins aus, der streng genommen erst im Januar 1924 entstand. Nach den Wirren des 1. Weltkriegs fusionierte «Westfalia» mit dem Turnverein 1877, bevor sich Fußballer und Turner Ende 1923 wieder trennten. Der langjährige Vorsitzende der Turner, Fritz «Papa» Unkel, Magazin-Verwalter auf Zeche Consol, lief zu den Fußballern über und hob den FC Schalke 04 in einer Eckkneipe aus der Taufe. Die Vereinsfarben waren fortan Blau und Weiß. Unter Unkels Führung wurde der Begriff der «Knappen» geprägt und die große Zeit des «Schalker Kreisels» in der Glückauf-Kampfbahn eingeläutet.

Die sportliche Blütezeit erlebte Schalke zwischen 1934 und 1942, als die Mannschaft um den legendären Ernst Kuzorra und dessen kongenialen Partner Fritz Szepan sechs deutsche Meisterschaften und einen Pokalsieg (1937) einfuhr. Für viele ist Schalke gar eine «Religion», vielleicht weil Papst Johannes Paul II bei seinem Deutschland-Besuch 1987 Ehrenmitglied wurde.

Weitere Momentaufnahmen sind der siebte und bislang letzte Meistertitel 1958, die höchste Bundesliga-Niederlage beim 0:11 auf dem Bökelberg 1967, der Bundesliga-Skandal in den 70er Jahren, an dem ein hoffnungsvolles Team zerbrach und der dem Club den Beinamen «FC Meineid» einbrachte, sowie das legendäre 6:6-Pokalspiel gegen Bayern München 1984 oder die «Vier-Minuten-Meisterschaft 2001». Thon, einer der letzten Straßenfußballer des Reviers ist sicher, dass Schalke auch künftig in aller Munde ist: «Personen sind austauschbar, aber der Mythos bleibt.»

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