Moderation für Blinde in Bundesliga-Stadien

Moderation für Blinde in Bundesliga-Stadien
Moderation für Blinde in Bundesliga-Stadien
Ein Fußballer dribbelt mit dem Ball über den Rasen.

Düsseldorf (dpa) – Sie machen die Bundesliga für blinde Fußballfans im Stadion «sichtbar»: In immer mehr Arenen schildern bei Bundesliga- und auch Länderspielen spezielle Kommentatoren für sehbehinderte und blinde Fans die Partien.

Per Kopfhörer erhalten sie alle wichtigen Informationen: Wer den Ball hat, wer ausgewechselt wird oder welche Anzeigen auf der Tafel stehen. Bayer Leverkusen bot 1999 als erster Verein diesen Service in der BayArena an. Auf die Idee sei Kurt Vossen, der damalige Leiter der Fußballabteilung, durch eine Anregung des Clubs für sehbehinderte und blinde Fans «Die Sehhunde» gekommen, sagt Maja Fritz. Sie ist bei Bayer Leverkusen für den Verkauf der ermäßigten Blindenkarten zuständig. Insgesamt zwölf Plätze sind seitdem im Stadion für blinde oder sehbehinderte Menschen reserviert.

Mittlerweile können Blinde in acht Arenen professionellen Moderatoren lauschen, die häufig auch die Jugendarbeit des Vereins machen. Beim Regionalligisten FC St. Pauli greifen sehende Fans zum Mikrofon, um das Spiel ihrer Mannschaft für die blinden Fans im Stadion zu veranschaulichen. «Das ist für uns aber nicht ganz so gut, weil die häufig nur St. Pauli sehen», betont die Vorsitzende der in Hamburg ansässigen «Sehhunde», Nina Schweppe. Schließlich sollte die Kommentierung fachlich und sachlich sein und «keine Beweihräucherung des Heimvereins», damit sich auch die Gäste im Stadion wohlfühlten.

Der Trend zur professionellen Stadionberichterstattung für Blinde geht weiter. So sollen in der neuen Münchner AllianzArena 15 Plätze für Sehbehinderte entstehen. Seit einem guten Jahr sind die «Sehhunde» in die Planung der Behindertenplätze eingebunden. Und auch in anderen Stadien kämpfen Behindertenvertreter für eigene Plätze und Kommentatoren für blinde Besucher. Denn mit einer Fernseh- oder Radioübertragung lässt sich diese Kommentierung laut Schweppe nicht vergleichen. Sie ist viel detaillierter, und zugleich erleben die blinden Anhänger die Atmosphäre im Stadion.

«Jetzt kommen immer mehr vom Sessel hoch», sagt Nina Schweppe. Trotzdem seien die Karten für Blinde bei kaum einem Spiel ausverkauft: «Es ist einfach noch zu unbekannt, dass immer mehr Stadien diesen Service anbieten.» Nur die BayArena verkaufe in der Regel das gesamte Kontingent. Dies liege aber auch daran, dass die Leverkusener Vorreiter und daher am bekanntesten sind.

Der bundesweite Fanclub kämpft daher nicht nur für mehr Plätze, sondern auch um mehr Öffentlichkeit. Denn nur so erführen blinde Fußballfreunde überhaupt von dem Angebot. Und auch die Vereine selbst bräuchten einen Anstoß, um diesen Service zu bieten. «Viele kommen alleine gar nicht auf die Idee, das hier etwas fehlt», meint Schweppe. Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland haben die «Sehhunde» eine Vision: «Wir würden das gerne in jedem WM- Stadion anbieten. Und wir haben die Hoffnung, dass das klappt.»

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