«Manager-Prüfung» beim Derby Leverkusen – Köln

«Manager-Prüfung» beim Derby Leverkusen – Köln
«Manager-Prüfung» beim Derby Leverkusen - Köln
Rettig (l), Präsident Caspers (r) und Trainer Koller stecken die Köpfe zusammen.

Düsseldorf (dpa) – Zur Begegnung der besonderen Manager-Art kommt es beim Bundesliga-Derby zwischen Bayer Leverkusen und dem 1. FC Köln. Andreas Rettig und Ilja Kaenzig treffen auf ihren Lehrmeister Reiner Calmund.

Beide stehen nach Spielzeitende vor neuen «Gesellenprüfungen». Der Kölner Rettig muss nach dem besiegelten Abstieg der «Geißböcke» aus der Fußball-Eliteliga zum zweiten Mal die erhoffte Rückkehr in die Erstklassigkeit vorbereiten. Und Leverkusens Kaenzig überlegt, ob er bei Bayer bleibt und Nachfolger von Manager-«Übervater» Calmund werden oder lieber ein Angebot von Liga-Konkurrent Hannover 96 annehmen soll.

Während 96-Präsident Martin Kind seinen Wechsel in die Geschäftsführung schon mehr oder weniger direkt als beschlossene Sache verkündete, hält sich Kaenzig noch bedeckt: «Mir ist das alles relativ unangenehm. Von mir hört man dazu bis zum Saisonfinale nichts.» Der erst 31 Jahre alte gebürtige Schweizer steckt dabei in einem Dilemma. In Hannover wäre er zwar als Geschäftsführer allein verantwortlich, hätte aber beim abstiegsbedrohten Club mit seinem machtbewussten Chef auch keinen einfachen Job. Bliebe er in Leverkusen, würde er bis 2006/2007 im Schatten Calmunds stehen. Und ob dieser seine Ankündigung tatsächlich wahr machen wird, sich dann zurückzuziehen, ist keineswegs gewiss.

Rettig, der die Aufmerksamkeit beim 1. FC Köln seit ein paar Monaten mit Wolfgang Overath teilen muss, hat es seinem zehn Jahre jüngeren Kollegen vorgemacht. Der gebürtige Leverkusener verließ Bayer und managte zunächst den SC Freiburg, bevor er im März 2002 zum Nachbarn an den Rhein zurückkehrte. Im Gegensatz zu Mentor Calmund gehören seine einstigen Lehrlinge zu einem neuen Typus von Manager. «Die Zeit der One-Man-Show ist vorbei. Denn die Spezialisierung, das Tempo und das wirtschaftliche Risiko sind viel höher geworden», meint Kaenzig. Ähnlich sieht es Rettig, der Kaenzig Mitte der 90er Jahre kennen lernte und ihn Calmund bei seinem Weggang 1998 empfahl: «Manager wie Calli, Rudi Assauer oder Uli Hoeneß sind anders, sie standen lange allein für ihre Clubs ein. Wir sind eine neue Generation, wir sind Teamplayer.»

Einig sind sich beide auch über die Zukunft des 1. FC Köln. «Ich bin überzeugt, dass die Kölner sofort die Wiederkehr in die erste Liga schaffen. Ein Erdbeben wird der Abstieg nicht auslösen», sagte Kaenzig. Für Rettig ist dies natürlich überhaupt keine Frage («Wir können und werden wieder aufsteigen»). Keinen Zweifel lässt er auch daran aufkommen, dass seine Mannschaft sich trotz des feststehenden Abstiegs im Derby voll reinknien wird. «Für Leverkusen geht es zwar um etwas mehr, aber wir haben immerhin die Reputation zu verlieren», sagte Rettig im Rückblick auf die 0:6-Blamage des Hamburger SV in Bremen. Darauf will Bayer keine Rücksicht nehmen. «Mit einem Sieg können wir die UEFA-Cup-Qualifikation endgültig schaffen und uns die Option auf Platz drei offen halten», so Kaenzig.

Schreibe einen Kommentar