Klaus Allofs: «Das ist das wahre Wunder»

Klaus Allofs: «Das ist das wahre Wunder»
Klaus Allofs: «Das ist das wahre Wunder»
Klaus Allofs umarmt in München Bremens Torjäger Ailton.

Wie denken Sie über den Gewinn der vierten deutschen Meisterschaft für Werder Bremen?

Allofs: «Sensationell. Überwältigend. Wir haben uns das erhofft und erträumt, die Meisterschaft in München klar zu machen. Aber dass wir das auf so eine eindrucksvolle Weise schaffen würden, haben wir auch nicht gedacht. Früher hat man immer vom Wunder von der Weser nach Europapokalspielen gesprochen. Aber das ist das wahre Wunder hier.»

Was ist es für ein Gefühl, ausgerechnet beim Rekordmeister und Hauptkonkurrenten den Titel zu gewinnen?

Allofs: «Das ist ganz etwas Besonderes. Wir haben bewiesen, dass wir eine Spitzenmannschaft und verdienter Meister sind. Das haben wir auch gefeiert, wenngleich ich von der Party im Vorfeld nichts gewusst habe. Die Überraschung ist den Organisatoren gelungen.»

Wie hat Werder Bremen nach einer Schwächephase in den 90er Jahren den Neuaufbau geschafft?

Allofs: «Vor fünf Jahren wäre die Mannschaft beinahe abgestiegen, und alle hatten Angst, dass Werder Bremen nach den großen Zeiten ein bisschen in der Versenkung verschwindet. So langsam ging es bergauf in den letzten Jahren, und das ist natürlich ein Riesenschritt, den wir jetzt gemacht haben. Wir konnten in Ruhe arbeiten und unsere Vorstellungen umsetzen.»

Wie sieht die Zukunft im personellen Bereich aus?

Allofs: «Wir werden leider ein paar wichtige Spieler verlieren, wie wichtig die sind, hat man heute gesehen. Aber wir haben für guten Ersatz gesorgt – wie Miroslav Klose, Frank Fahrenhorst oder Gustavo Neri. Eigentlich dürfte die Mannschaft nicht schwächer sein.»

Werden Sie auf längere Sicht der größte Rivale des FC Bayern?

Allofs: «Das möchten wir gerne werden. Unser Ziel war es, den Abstand geringer werden zu lassen. Das haben wir jetzt geschafft. Aber es ist trotzdem noch ein weiter Weg. Sportlich ist kein Unterschied da, aber beim Finanziellen und den Rahmenbedingungen sind wir noch ein ganz schönes Stück weg.»

Was erwartet Werder Bremen in der neuen Saison?

Allofs: «Wir haben nicht nur die Qualifikation für die Champions League geschafft, sondern die deutsche Meisterschaft gewonnen und sind sogar noch im Pokalendspiel. Das ist schwer zu toppen. Man wird gejagt von Anfang an, und die Champions League kommt dazu. Wir müssen weiter wachsen.»

Wie bewerten Sie die Arbeit von Thomas Schaaf?

Allofs: «Er hat taktisch bis auf ganz wenige Ausnahmen immer goldrichtig gelegen und kann gut mit den Spielern umgehen. Er ist ein junger Trainer, heute hat er sich in der Spitzengruppe der Trainer etabliert. Er wird von Jahr zu Jahr souveräner.»

Wo liegt der Unterschied, als Manager oder Trainer Meister zu werden?

Allofs: «Das eine ist vorbei, das andere ist jetzt. Man muss bei aller Freude ein bisschen den Überblick bewahren. Ich kann ja jetzt nicht schon in der Ecke liegen. Als Spieler ist das was anderes, weil man jeden Tag trainiert. Aber meine Freude ist nicht kleiner.»

Aufgezeichnet von Christian Kunz, dpa

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