Hitzfeld bestätigt Abschied vom FC Bayern 2005

Hitzfeld bestätigt Abschied vom FC Bayern 2005
Hitzfeld bestätigt Abschied vom FC Bayern 2005
Ottmar Hitzfeld nach dem Gewinn der Champions League im Mai 2001 in Mailand.

München (dpa) – Das Ende der Erfolgs-Ära ist in Sicht – und Ottmar Hitzfeld verkündete es selbst, mit fester Stimme, ohne Umschweife. Der mit 16 Titeln trophäenreichste deutsche Trainer hört nach der kommenden Saison beim FC Bayern München auf.

Hitzfeld schließt sogar einen früheren Abschied nicht aus. «Es ist richtig, dass 2005 die Arbeit hier bei Bayern München beendet ist. Es war eine herrliche Zeit», erklärte er bei einer Pressekonferenz vor der Abreise zum Bundesliga-Auswärtsspiel beim 1. FC Köln.

Der bis 30. Juni 2005 vertraglich gebundene Hitzfeld zog ein Resümee seines Engagements seit 1998 und ließ durchblicken, dass er auch jederzeit mit einer vorzeitigen Trennung rechnet. «Wenn ich das wirklich schaffe bis 2005 – es ist noch ein sehr langer Weg bis dahin – dann war es eine hervorragende, angenehme Zeit mit nötigem Stress, mit nötigem Druck, aber auch mit herrlichen Erlebnissen, mit großartigen Erfolgen.» Dies werde ihm immer in Erinnerung bleiben.

Ganz überraschend ist der nun terminierte Abschied nicht. Zumal seit Wochen mit Felix Magath als Hitzfeld-Nachfolger spekuliert wird, und die Bayern-Verantwortlichen erst in dieser Woche offiziell bestätigten, bis zum Vertragsende 2005 mit Hitzfeld zu planen. «Wir haben einige Gespräche geführt und kamen überein, dass es sinnvoll ist, wenn man 2005 einen klaren Schnitt macht und jetzt nicht von Jahr zu Jahr immer wieder diese Spekulationen hat», berichtete Hitzfeld. «So hat man Ruhe und so kann man sich gezielt auf die nächste Saison vorbereiten.» Magaths Vertrag im Stuttgart endet 2005. Für VfB-Präsident Erwin Staudt ändert Hitzfelds Ankündigung an der Stuttgarter Situation «gar nichts».

Laut Karl-Heinz Rummenigge hat der FC Bayern München bei der anstehenden Suche nach einem neuen Trainer keine große Auswahl.

«Es muss einer sein, der die deutsche Sprache beherrscht. Der Kreis für die Nachfolge von Ottmar Hitzfeld – egal zu welchen Zeitpunkt das nun sein wird – ist also wahnsinnig klein», sagte der Vorstandsvorsitzende des deutschen Fußball-Rekordmeisters in einem Interview der «Süddeutschen Zeitung». Das «Thema» Felix Magath wolle er zur Zeit aber «nicht beleben», so Rummenigge.

Auch der Trainer des VfB Stuttgart gab sich zum vermeintlichen Werben des FC Bayern bedeckt. «Ich äußere mich dazu nicht mehr», sagte Magath auf dpa-Anfrage.

Für die kommende Saison plant der FC Bayern allerdings noch mit Hitzfeld und erwägt die Verpflichtung einiger Spieler. «Wir machen uns viele Gedanken mit dem Trainer, wie die Mannschaft nächstes Jahr aussehen könnte. Es können zwei oder drei kommen oder auch fünf. Ein guter Mittelfeldspieler würde uns gut zu Gesicht stehen, und in der Abwehr machen wir vielleicht auch was», sagte Rummenigge.

Schon gibt es neue Mutmaßungen, wo Hitzfeld nach seinem Bayern-Engagement arbeiten könnte. Laut «Stuttgarter Zeitung» ist der Coach bei Real Madrid als Nachfolger von Carlos Queiroz im Gespräch. «Ich werde mich nicht in aller Öffentlichkeit über Spekulationen äußern. Das bringt ja nichts», sagte Hitzfeld. Was nach 2005 kommt, möchte er sich «offen lassen». Er habe jedes Jahr verschiedene Angebote. «Vielleicht mache ich auch mal ein Jahr gar nichts. Vielleicht werde ich mal Konkurrenz von Ihnen und kommentiere vielleicht was für’s Fernsehen», sagte er den Reportern.

Nachdem die Bayern-Chefs auf Grund der großen Verdienste Hitzfelds an einem würdevollen Abschied interessiert waren, droht durch die frühe Bekanntmachung der weiteren Planungen eine andere Gefahr: Je nachdem, wie erfolgreich der Rest der aktuellen sowie der Beginn der neuen Saison verläuft, können Kritiker einen Autoritätsverlust des Trainers vermuten. Hitzfeld selbst hat derartige Befürchtungen nicht. «Ich sehe da überhaupt keine Probleme auf mich zukommen. Denn für mich ist die Arbeit immer gleich. Die Autorität ist auch nach sechs Jahren noch da. Warum soll sie nach sieben Jahren plötzlich weg sein?» Er habe ein sehr gutes, aber auch ein distanziertes Verhältnis zur Mannschaft, so Hitzfeld.

Vier deutsche Meistertitel, zwei DFB-Pokalsiege, die Champions League und den Weltpokal feierte der gebürtige Lörracher mit den Bayern. Erst im Vorjahr holte er als erster deutscher Trainer zum zweiten Mal das «Double» aus Meisterschaft und Pokalsieg. Damit hat er Udo Lattek (14 Titel) als erfolgreichsten deutschen Trainer überflügelt. Dennoch wünscht sich der Perfektionist noch einige Titel mehr: «Wir müssen wirklich alles aus uns rausholen, um diese Sensation zu schaffen, in diesem Jahr noch deutscher Meister werden.»

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