Hitzfeld bereit für Bundestrainer-Amt

Hitzfeld bereit für Bundestrainer-Amt
Hitzfeld bereit für Bundestrainer-Amt
Ottmar Hitzfeld geht im Mai nach dem Spiel des FC Bayern gegen Stuttgart vom Platz.

Almancil (dpa) – Eigentlich wollte sich Ottmar Hitzfeld in der Schweiz von den Turbulenzen seiner vorzeitigen Trennung vom FC Bayern erholen, doch am Morgen war es schlagartig mit dem Familien-Urlaub vorbei.

Das Handy klingelte unaufhörlich, nachdem Rudi Völler als Teamchef der deutschen Nationalelf in Portugal zurückgetreten war und der erfolgreichste deutsche Vereinstrainer erwartungsgemäß zum designierten Nachfolger ausgerufen wurde. «Kaiser» Franz Beckenbauer verkündete im Namen des Fußball-Volkes im ZDF: «Ohne dem DFB-Präsidenten vorgreifen zu wollen: Es kann nur einen geben, der es richten kann – Ottmar Hitzfeld.»

Auch Kapitän Oliver Kahn plädierte für seinen ehemaligen Trainer beim FC Bayern München. «Ich denke, zu Ottmar Hitzfeld gibt es keine Alternative. Er ist der Trainer mit den größten Erfolgen und einer unglaublichen Reputation. Es gibt keinen besseren», sagte der Nationaltorhüter, der von Völlers Entscheidung «total überrascht» worden war, in einem Interview der Münchner Tageszeitung «tz».

Der 55-jährige Hitzfeld signalisierte seine Bereitschaft für die schwierige, aber reizvolle Aufgabe, den Vize-Weltmeister nach dem EM- Desaster fit für das WM-Heimspiel 2006 zu machen. «Ich bin gesprächsbereit», sagte er der dpa, aber der Deutsche Fußball-Bund sei am Zug. «Der DFB muss erst einmal mit mir sprechen. Davor will ich das total offen lassen», betonte Hitzfeld. Er will Bedingungen stellen: «Die Entscheidung ist nicht gefällt.»

Nach sechs Jahren beim FC Bayern hatte sich Hitzfeld eigentlich eine Auszeit verordnet. «Das ist eine neue Situation für mich. Ich hatte mich darauf eingestellt, eigentlich ein Jahr Pause zu machen.» Am Vorabend hatte er den deutschen Vorrunden-K.o. vor dem Fernseher verfolgt und war «enttäuscht», wie Millionen deutscher Fans. «Die Mannschaft hat gute Moral gezeigt», sagte er. «Total überrascht» war er am Tag danach, weil er «nicht mit einem Rücktritt von Rudi Völler gerechnet» hatte. Über die Perspektiven der deutschen Mannschaft im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2006 mochte er sich nicht konkret äußern: «Darüber möchte ich im Moment nicht zu viel reden.»

Nach seinem unrühmlichen Ende in München hatte er allerdings bereits anklingen lassen, dass es nach Borussia Dortmund und Bayern München in Deutschland nur noch die Nationalmannschaft als reizvolle berufliche Herausforderung geben könnte. «Es wäre eine logische Folge für mich, Bundestrainer zu werden», hatte er erklärt. Schon nach dem Rücktritt von Erich Ribbeck nach dem EM-Debakel 2000 hätte Hitzfeld das Amt gern übernommen, doch der FC Bayern gab ihn nicht frei.

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder wollte zwar noch keine Fakten schaffen, rollte Hitzfeld indirekt aber bereits den roten Teppich aus: «Dass Hitzfeld ein Name ist, der in allen Überlegungen eine Rolle spielen wird, ist ganz klar», sagte der für die Verpflichtung des Völler-Nachfolgers verantwortliche Verbandschef. Einen anderen Namen nannte er in Almancil nicht.

Hitzfeld hat als Vereins-Trainer 16 große Titel gewonnen. Mit Dortmund und Bayern triumphierte er in der Champions League, mit dem Rekordmeister holte er den Weltpokal und zwei Mal das «Double». Zudem hat er mit Leitfiguren der aktuellen DFB-Auswahl wie Oliver Kahn oder Michael Ballack zusammengearbeitet. Jetzt könnte er schon am 20. August in Wien beim nächsten Länderspiel gegen Österreich wieder ihr Trainer sein, auch wenn Hitzfeld so weit voraus noch nicht denken wollte: «Ich bin immer noch im Urlaub und will den Tag genießen.»

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