Fieber vor Gipfelduell – Angst im Tabellen-Keller

Fieber vor Gipfelduell – Angst im Tabellen-Keller
Fieber vor Gipfelduell - Angst im Tabellen-Keller
Fans von 1860 München halten bei einem Spiel gegen Freiburg ein Transparent.

Düsseldorf (dpa) – Die Anspannung, der Druck und die Nervosität ist vor dem 32. Spieltag der Bundesliga an Intensität kaum zu steigern.

Während der Titel-Showdown zwischen Verfolger FC Bayern München und Spitzenreiter Werder Bremen das Fußball-Fieber steigen lässt, geht im Tabellen-Keller die Angst um. Noch sechs Vereine kämpfen um die Erstliga-Existenz. Dass der Abstand zwischen dem Tabellen-Zwölften Mönchengladbach und dem Vorletzten Eintracht Frankfurt nur vier Punkte beträgt, dokumentiert die Dramatik.

Beim Gipfeltreffen in München ist die Zeit des Sprüche-Klopfens endlich vorbei. Der seit 22 Spielen ungeschlagene Tabellenführer hat seinen ersten «Matchball», und die Bayern wollen vor allem den Albtraum vermeiden, dass die Bremer ausgerechnet im ausverkauften Münchner Olympiastadion mit einem Sieg den vierten Meistertitel perfekt machen. Sechs Punkte und zwölf Tore beträgt der komfortable Vorsprung der Bremer auf den Tabellenzweiten, für den schon ein Unentschieden zu wenig wäre. «Nur durch einen Sieg können wir die theoretische Chance auf die Titelverteidigung offen halten», erklärte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Die Norddeutschen blieben auch kurz vor der möglichen Meisterschafts-Entscheidung «cool». Kapitän Frank Baumann: «Wir haben das Ziel vor Augen und wollen es so schnell wie möglich erreichen.»

Im Tabellen-Keller wird es besonders eng für die Frankfurter, die zum Abstiegsduell bei Hannover 96 antreten müssen. Als gutes Omen werten es die Hessen, dass sie seit 1975 kein Spiel bei den Niedersachsen verloren haben. Für 96-Chefcoach Ewald Lienen ist der Zweikampf um den Klassenverbleib ein Endspiel. «Wir wissen, dass es eine Partie ist, in der es um alles geht», sagte er und nannte seine Erfolgsstrategie: «Wir müssen zu den Wurzeln unseres erfolgreichen Spiels zurück. Nämlich kollektiv aggressiv sein.»

Pikant ist die Rückkehr von Wolfsburgs Trainer Erik Gerets an den Betzenberg, wo er am 31. Januar entlassen wurde. Dass sein Nachfolger Kurt Jara ihm vorwirft, die Pfälzer konditionell nicht richtig in Schuss gebracht zu haben, nimmt Gerets gelassen: «Wenn jetzt alles schlecht war und sie einen Sündenbock suchen – okay.»

In einem Dilemma steckt Martin Max vor der Begegnung von Hansa Rostock gegen seinen Ex-Club 1860 München. Der 35 Jahre alte Torjäger möchte zwar mit einem Treffer Rostock zum Sieg schießen, würde damit aber vielleicht auch das Bundesliga-Schicksal des Tabellen-16. besiegeln. «Ich hoffe, dass sie die beiden letzten Spiele gewinnen und nicht absteigen», sagte Max, der im Hinspiel zwei Tore erzielt hatte, diplomatisch. Für «Löwen»-Stürmer Paul Agostino ist dies sowieso keine Frage: «Wir bleiben sicher in der Liga.»

Davon ist auch Hertha-Manager Dieter Hoeneß – trotz des Fehlens der Rotsünder Marko Rehmer und Malik Fathi – vor dem Heimspiel gegen Borussia Dortmund überzeugt. «Wir sind in dieser Saison schon oft aufgestanden. Und wir werden auch diesmal aufstehen», hofft er. Ob es gelingt oder nicht: In der kommenden Saison wird der neue Trainer Falko Götz so oder so für einen Umbruch sorgen müssen.

Dass er damit in der 2. Liga anfangen muss, wäre bei einer Berliner Niederlage wohl schon fast Gewissheit. Der BVB wird auf Hertha jedoch keine Rücksicht nehmen, da für die finanziell angeschlagenen Gäste der Sprung in den UEFA-Cup von großer Bedeutung ist. «Den fünften Tabellenplatz können wir aus eigener Kraft verteidigen. Ich denke, meine Mannschaft ist gefestigt genug, um dieses Ziel zu erreichen», sagte BVB-Coach Matthias Sammer.

Der VfL Bochum lauert als Sechster mit nur einem Punkt Rückstand auf einen Fehltritt der Dortmunder und will mit einem Erfolg gegen den SC Freiburg die Chance auf das internationale Geschäft wahren. Sollten der BVB oder Bochum verlieren, hätte Leverkusen einen UEFA- Cup-Platz so gut wie in der Tasche, wenn der Bayer-Elf gleichzeitig ein Sieg gegen Absteiger 1. FC Köln gelingt.

Ums Ganze geht es für den Tabellen-12. Borussia Mönchengladbach gegen Schalke 04. «Jeder sieht, dass sich diese Mannschaft wehrt bis zum Umfallen. Wir sind auf einem guten Weg, die Klasse zu erhalten», meinte Borussia-Trainer Holger Fach und steckte er seine Spieler in ein Trainingslager. «Wir wollen einfach Ruhe haben», sagte er. Mit Abstiegsangst habe das nichts zu tun: «Das ist Quatsch.»

Schreibe einen Kommentar