28 «Kleine» auf der großen Pokal-Bühne

28 «Kleine» auf der großen Pokal-Bühne
28 «Kleine» auf der großen Pokal-Bühne
Bayern Münchens Owen Hargreaves jubelt über einen Treffer.

Düsseldorf (dpa) – Die «Kleinen» treten auf der großen Fußball-Bühne wieder ins Rampenlicht: 28 Amateurteams setzen in der ersten Runde des DFB-Pokals auf den immer wiederkehrenden Reiz des Duells David gegen Goliath.

Speziell die Verbandsligisten FC Kutzhof und FC Bremerhaven träumen von der Sensation, doch das größte Los hat der MSV Neuruppin gezogen: Der Oberligist aus der Theodor-Fontane-Stadt in Nordbrandenburg darf Titelverteidiger und Rekord-Cupsieger FC Bayern München herausfordern.

«Das ist ein Traumlos», freut sich Neuruppins Vizepräsident Dietmar Lenz über den Gegner aus München, der 84 Tage nach seinem 2:1-Finalsieg am 28. Mai gegen den FC Schalke 04 wieder in das Berliner Olympiastadion zurückkehrt. Dorthin weicht Neuruppin, zuletzt 4:1-Gewinner gegen Anker Wismar und aktueller Tabellen-Zweiter der Oberliga Nordost/Nord, wegen des nur 5300 Besucher fassenden heimischen Volksparkstadions aus.

Neuruppins Trainer Christian Schreier, für Bochum, Leverkusen und Düsseldorf 331-maliger Bundesligaspieler, glaubt nicht an das Wunder. Der 46-Jährige wäre schon froh, «wenn es kein Debakel» gäbe. Doch wenigstens in der Stadion-Beschallung sollen die Bayern die Hölle erleben: Der Meister wird in der WM-Arena mit dem Song «Highway to Hell» der australischen Band AC/DC empfangen. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck macht den Bayern zusätzlich Angst: «Schon häufig haben vermeintliche Zwerge den Riesen das Fürchten gelehrt» – wie vor elf Jahren, als die Bayern letztmals in der ersten Runde scheiterten und gegen die Amateure des TSV Vestenbergsgreuth 0:1 ausschieden.

Der saarländische Fünftligist FC Kutzhof tritt gegen den dreimaligen Pokalsieger Borussia Mönchengladbach im Saarbrücker Ludwigspark-Stadion an. Für Kutzhof-Coach Dieter Ferner, wie Schreier ein ehemaliger Erstliga-Profi, müssten «schon Weihnachten, Ostern und Neujahr auf einen Tag fallen, sollten wir die schlagen». In Bremerhaven gibt man sich vor dem Auftritt von Schalke 04 völlig gelassen: «Mein Papa ist nervöser als ich», blickt Torjäger Ahmed Karaca der Partie gegen den viermaligen Cup-Gewinner im ausverkauften Nordseestadion (10 000 Zuschauer) entgegen.

Historisch wird es zwischen Zweitliga-Rückkehrer Kickers Offenbach und Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Köln sowie Süd-Regionalligist Stuttgarter Kickers und dem Hamburger SV. Die hessischen Kickers, bei denen der ehemalige Kölner Dieter Müller Präsident ist, gewannen am 29. Juli 1970 als Zweitligist das Cup-Finale in Hannover gegen den FC mit 2:1. Und auch die schwäbischen Kickers standen gegen den jetzigen Auftakt-Gegner Hamburger SV schon einmal im Pokal-Endspiel: Am 20. Juni 1987 verloren sie in Berlin mit 1:3. Die Neuauflage ist für Kickers-Coach Robin Dutt «ein Spiel der Einmaligkeit». Im Vorjahr schied der HSV in Runde eins mit 2:4 beim damaligen Amateurclub SC Paderborn aus – «dank» Skandal-Schiedsrichter Robert Hoyzer.

2003/2004 war die TSG Hoffenheim als Viertelfinalist eine Sensation. Jetzt will der Drittligist im baden-württembergischen Duell gegen den VfB Stuttgart «noch einmal Pokalgeschichte schreiben», wie Coach Hans-Dieter Flick vor dem Aufeinandertreffen im ausverkauften Dietmar-Hopp-Stadion (6000 Besucher) ankündigte. Brisant wird der Auftritt von Giovanni Trapattonis Schwaben durch die Tatsache, dass Ex-VfBler Karlheinz Förster jetzt die Badener berät und den Wechsel von Nationalspieler Kevin Kuranyi vom VfB nach Schalke makelte.

In den letzten acht Jahren trugen sich nur die Bayern (2005, 2003, 2000, 1998), Werder Bremen (2004, 1999) und Schalke (2002, 2001) in die Siegerliste des DFB-Pokals ein. Bremen muss jetzt bei Regionalligist Wattenscheid 09 antreten – für Wattenscheids Coach Georg Kreß «ein Sahnehäubchen». 15 Mal kommt es zum Duell Amateur- gegen Erstligist, 13 Mal treffen «Underdogs» auf Zweitligisten, zwischen Offenbach und Köln, Paderborn und dem VfL Wolfsburg sowie Eintracht Braunschweig und Borussia Dortmund gibt es jeweils Spiele von Zweit- gegen Erstligisten. Einziges Zweitliga-Duell ist die Partie SF Siegen gegen SC Freiburg.