Der Bundesliga-Skandal vor 34 Jahren

Der Bundesliga-Skandal vor 34 Jahren
Der Bundesliga-Skandal vor 34 Jahren
Horst-Gregorio Canellas (m) bei einer Pressekonferenz am 6. Juni 1971.

Berlin (dpa) – Mit der Affäre um manipulierte Spiele durch Schiedsrichter Robert Hoyzer gerät ein Fußball-Skandal, der vor mehr als 34 Jahren begann und das schwärzeste Kapitel in der Geschichte der Bundesliga darstellte, wieder in den Fokus der Öffentlichkeit.

Es war ein Schlag, der den deutschen Fußball in seinen Grundfesten erschütterte: Als Horst-Gregorio Canellas, der Präsident der Offenbacher Kickers, am 6. Juni 1971 bei seiner Gartenparty zum 50. Geburtstag ein Tonband abspielte, mit dem er die groß angelegte Bestechung in der Bundesliga dokumentierte, kam eine Lawine ins Rollen.

In der als «Fall Schalke» in die Historie eingegangenen Korruptionsaffäre kamen Anfang der 70er Jahre nur häppchenweise die Hintergründe der Manipulationen ans Tageslicht. Zunächst bekannten die Schalker Spieler unter Meineid, kein Geld genommen zu haben. Als erster Profi legte S04-Torwart Dieter Burdenski dann am 18. Mai 1972 ein Geständnis ab. Erst nach insgesamt 1728 Tagen machte das Landgericht Essen dem schier unüberschaubaren Lückendickicht ein Ende: Insgesamt waren 18 Bundesliga-Spiele der Saison 1970/71 in Manipulationen verwickelt gewesen.

Die Schalker allerdings waren nicht die Hauptsünder in dem auch weit über die Grenzen der Bundesrepublik aufmerksam verfolgten Skandal. 40 000 Mark hatten die «Knappen» kassiert, damit sie gegen Arminia Bielefeld mit 0:1 verlieren. Eine lächerliche Summe im Vergleich zu jenen 260 000 Mark, die Hertha BSC allein für das 0:1 gegen Bielefeld am letzten Spieltag kassierte. 15 000 Mark pro Spieler zahlten die Arminen für den Sieg, der sie vor dem Abstieg retten sollte. Zuvor hatten die Herthaner zwei Jahre lang kein Heimspiel verloren. Wie in diesem Jahr mit Referee Robert Hoyzer so waren es vor 34 Jahren mit Bernd Patzke und Tasso Wild zwei Berliner Akteure, die als Drahtzieher des Skandals galten. Für ihre Manipulationen wurden sie später für vier Jahre gesperrt, jedoch nach zwei Jahren wieder begnadigt.

Insgesamt waren mit Hertha, Bielefeld, Frankfurt, Offenbach, Oberhausen, Duisburg, Stuttgart, Schalke, Braunschweig und Köln zehn der 18 Bundesliga-Vereine irgendwie in den Skandal verwickelt. 50 Spieler wurden nach der mühevollen Kleinarbeit der Gerichte und des DFB-Chefanklägers Hans Kindermann mit teilweise harten Strafen belegt, sechs Funktionäre und zwei Trainer gesperrt. Armina Bielefeld wurde am 14. April 1972 die Lizenz entzogen und in die Regionalliga zurückgesetzt, den Offenbacher Kickers die Lizenz für zwei Jahre entzogen.

Die Fans reagierten mit Entsetzen und Missachtung auf den Skandal, mit dem der deutsche Fußball seine Glaubwürdigkeit eingebüßt hatte. Kamen in der Saison noch rund durchschnittlich 20 600 Zuschauer (6,3 Millionen) zu den Bundesliga-Spielen, so waren es ein Jahr später nur noch 17 900 pro Spiel (insgesamt 5,4 Millionen) und 1972/73 sogar nur noch 16 300 (5,0 Millionen) – der Tiefpunkt in der über 40-jährigen Geschichte der Eliteliga. Erst mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1974 im eigenen Lande konnten die Profis das verloren gegangene Vertrauen ihre Fans wieder zurück erkämpfen.

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