BVB-Fans nach HSV-Pleite auf den Barrikaden

BVB-Fans nach HSV-Pleite auf den Barrikaden
BVB-Fans nach HSV-Pleite auf den Barrikaden
Sebastian Kehl diskutiert mit verärgerten Fans, die das Stadiontor blockieren.

Dortmund (dpa) – Finanziell am Abgrund, sportlich in höchster Not – der tiefe Fall des einstigen Erfolgsclubs Borussia Dortmund treibt selbst seine treuesten Fans auf die Barrikaden.

Nach der Besorgnis erregenden Vorstellung beim 0:2 (0:1) gegen den Hamburger SV schritten sie zur «Selbstjustiz». Mit einer Blockade aller Ausfahrten versperrten sie ihren einstigen Lieblingen den Weg aus dem Westfalenstadion. Wie sehr das Vertrauen in die Clubführung und die Mannschaft mittlerweile gesunken ist, bekam auch der als vermeintlicher Retter vorgestellte Reinhard Rauball zu spüren. Dessen Versuch, die Wogen zu glätten, ging im wütenden Geschrei der Meute unter.

Spätestens in diesem Moment muss dem designierten Nachfolger von Präsident Gerd Niebaum klar geworden sein, auf was für ein Himmelfahrts-Kommando er sich eingelassen hat. Das durch die Tore von Emile Mpenza (8.) und David Jarolim (70.) besiegelte erfolgreiche Debüt von Thomas Doll auf der HSV-Trainerbank versetzte der Borussia vor 78 000 Zuschauern auch sportlich einen schweren Schlag. Der Offenbarungseid seiner Mannschaft raubte Trainer Bert van Marwijk alle Illusionen: «Wir sollten jetzt ganz realistisch sein: Seit heute spielen wir gegen den Abstieg.»

Als Konsequenz nach einer 35-minütigen Krisensitzung am Tag nach der Pleite will der Club nach dem bevorstehenden Auswärtsspiel in Berlin ein dreitägiges Trainingslager im Westerwald beziehen. «Das Selbstvertrauen der Spieler ist zugeschüttet. Wir müssen sie wieder wachrütteln», begründete Rauball die Maßnahme.

Weder der vor einer Woche angekündigte Wechsel in der Führungsspitze noch die personellen Maßnahmen des Trainers, der die einstigen Bankdrücker Dede und Roman Weidenfeller in die Anfangself beordert hatte, konnten dem taumelnden Branchenriesen zu einer Trendwende verhelfen. Auch im fünften Heimspiel blieb der europäische Zuschauerkrösus ohne Sieg. Zum Verdruss von Rauball ist aus dem einstmals als Fußball-Tempel gepriesenen Westfalenstadion in den vergangenen Monaten eine Arena der Albträume geworden.

Angesichts der sportlichen Talfahrt droht der Borussia zu allem Überfluss nun auch noch eine Trainerdiskussion. Doch die versuchte der künftige Präsident im Keim zu ersticken: «Das Vertrauen in van Marwijk ist da. Wir müssen mit den Mitteln, die wir haben, da durchkommen. Nur müssen sie optimiert werden.» Wie Rauball ließ auch Christian Wörns keine Kritik an der Arbeit des Niederländers zu: «Er ist mit der beste Trainer, den ich in meiner Karriere hatte.»

Erst die Beschwichtigungsversuche einiger BVB-Profis wie Sebastian Kehl und Christoph Metzelder, die sich mit Megafonen den wütenden Anhängern stellten, trugen zum Ende der Revolte bei. Derweil warteten die HSV-Spieler im Bus auf Grünes Licht zur Ausfahrt aus dem Stadion. Die durch die Fan-Blockade verursachte unplanmäßige Verzögerung konnte ihrer guten Laune jedoch nichts anhaben. Mit dem ersten Auswärtssieg seit über sechs Monaten stellte das einstige Schlusslicht Kontakt zum Mittelfeld der Tabelle her. Vor allem der neue Chefcoach Doll war überglücklich: «Es war ein Neuanfang für den Verein, die Spieler und natürlich auch für mich. Dennoch sollten wir mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben.»

Mit einem Sieg im kommenden Heimspiel gegen den SC Freiburg könnte der Tabellenkeller vorerst verlassen werden. Bei aller Freude über das Traum-Debüt von Doll klang zumindest bei Sergej Barbarez jedoch auch Nachdenklichkeit durch. «Es ärgert mich maßlos, dass wir solch eine Leistung nicht schon früher gezeigt haben. Leider muss erst ein Trainerwechsel her, bevor so ein Sieg gelingt», sagte er mit Blick auf die Entlassung von Doll-Vorgänger Klaus Toppmöller.

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