Bilardo neuer «Chef» nach Maradonas Spa-Flucht

Bilardo neuer «Chef» nach Maradonas Spa-Flucht
Bilardo neuer «Chef» nach Maradonas Spa-Flucht
Co-Trainer Carlos Bilardo (r) vertritt «Flüchtling» Maradona als Nationalcoach.

Buenos Aires (dpa) – Flucht statt Verantwortung, Chaos statt WM-Rettung: Argentiniens Fußball-Denkmal Diego Armando Maradona hat den zweifachen Weltmeister in höchster Not im Stich gelassen und sich in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in seine Wahlheimat Italien abgesetzt.

Statt die strauchelnde «Albicelestes» auf den Showdown in der südamerikanischen WM-Qualifikation einzustimmen, dachte der exzentrische Superstar an sein persönliches Wohl: In einem Spa-Hotel in Italien will Maradona knapp zwei Wochen lang seinem Übergewicht zu Leibe rücken. Der argentinische Fußball-Verband (AFA) reagierte prompt und ernannte Carlos Bilardo zum vorläufigen Chef-Coach des Weltmeisters von 1978 und 1986. «Bis Maradona zurück ist, hast du das Sagen», erklärte Verbandschef Julio Grondona laut Medien Bilardo bei einem Treffen, was der Verband bestätigte.

Der Coach, der Argentinien 1986 in Mexiko als Trainer zum zweiten WM-Titel geführt und zuletzt «Berater-Funktionen» ausgeübt hatte, meinte: «Die Menschen sind verärgert, nur Siege helfen uns weiter». AFA-Sprecher Ernesto Cherquis Bialo erklärte, Bilardos Engagement sei «ein vorübergehender Zustand», Maradona sei auf ärztliche Anordnung verreist und werde spätestens am 23. September zurückkehren. «Wir brauchen einen gesunden und kraftvollen Maradona», sagte Bialo der Deutschen Presse-Agentur dpa. Trotz seiner Kur in Meran soll Maradona weiter für die Nationalmannschaft zuständig sein und auch den Kader für die kommenden Länderspiele bestimmen. «Alles bleibt wie es ist», sagte Bilardo nach einem Treffen mit den anderen Mitgliedern des Trainerstabs.

Maradona, unter dessen Regie die stolze Fußball-Nation eine verheerende Bilanz aufweist, hatte am 13. September Argentinien heimlich verlassen. Inmitten von Rücktritts-Gerüchten und nach langem Rätselraten von Fans und Medien enthüllte der Privatarzt des 48- Jährigen inzwischen die Gründe für die überraschende Flucht nur gut drei Wochen vor der letzten und entscheidenden Qualifikations-Runde. «Maradona ist nach Italien geflogen, um sich in einem ihm gut bekannten Spa einer Diät zu unterziehen. Er will fünf Kilogramm abnehmen. Aber ihm geht es gut, viel besser, als die meisten denken», erklärte Arzt Alfredo Cahe. Ermuntert worden sei Maradona dazu von seiner Lebenspartnerin Verónica. Maradona werde zehn bis zwölf Tage im Spa in Meran bleiben, ein längerer Aufenthalt sei allerdings nicht ausgeschlossen, erklärte Cahe.    

Maradonas Spa-«Flucht» trieb unterdessen Sorgenfalten auf die Stirn der Kommentatoren, obwohl zuletzt nach den vielen Schlappen kaum jemand in Argentinien zum einstigen «Pibe de Oro» (dem «Goldjungen») gehalten hatte. Er stieg in den Flieger, ohne Grondona Bescheid zu geben. «Das Chaos hat sich endgültig in der Nationalelf eingenistet», schrieb das Massenblatt «Clarin». Man wisse nicht, wer das Sagen habe. «La Nación» meinte, Maradona habe Grondona «sehr verärgert».

Zwei Spieltage vor Ende der Qualifikation belegt Argentinien in Südamerika nur den fünften Tabellenplatz, der am Ende nur zu Relegationsspielen gegen ein Team aus Nord- und Mittelamerika berechtigt. Allerdings sind Kolumbien, Uruguay und Venezuela der Elf von Superstar Lionel Messi dicht auf den Fersen, so dass in Buenos Aires das erste WM-Aus seit der Qualifikation 1970 befürchtet wird. Siege zu Hause gegen Peru am 10. Oktober und beim Angstgegner Uruguay (14. Oktober) sind Pflicht. Davor steht am 30. September ein Testspiel gegen Ghana auf dem Programm. Wer wird dann als Coach auf der Bank sitzen? Bilardo sagte nur: «Wenn es zwei Trainer gibt, verwirrt das die Spieler.»

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