Bayern-Schelte und Tumulte zum Merk-Jubiläum

Bayern-Schelte und Tumulte zum Merk-Jubiläum
Bayern-Schelte und Tumulte zum Merk-Jubiläum
Schiedsrichter Markus Merk (r) zeigt Michael Ballack (2.v.l.) die Gelb-Rote Karte.

Dortmund/Frankfurt (dpa) – Erst gab es Tumulte und böse Worte auf dem Spielfeld, dann heftige Schelte im Kabinengang und Kritik vom «Kaiser».

Sein Rekordspiel als Bundesliga-Schiedsrichter beim 2:0 von Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München wird Markus Merk angesichts des verbalen Nachspiels noch lange in Erinnerung bleiben. Mit 241 Einsätzen hält der Zahnarzt aus Kaiserslautern die Bestmarke im Fußball-Oberhaus, doch Gratulationen zum Jubiläum bekam er keine.

«Wir Bayern haben in dieser Saison die Meisterschaft nicht verdient. Das ist allein unsere Schuld und nicht die der Schiedsrichter. Aber: In Dortmund hat uns Herr Merk die Punkte gekostet», greift Franz Beckenbauer den Unparteiischen in seiner Kolumne in der «BILD»-Zeitung scharf an. Zwei Schlüsselszenen entfachten die Wut der Bayern auf Deutschlands besten Unparteiischen.

Zunächst ließ Merk weiterlaufen, als Roque Sante Cruz den Ball im Strafraum an die Hand von BVB-Manndecker Christian Wörns köpfte, dann entschied er auf der Gegenseite nach einem Zweikampf zwischen Hasan Salihamidzic und Salvatore Gambino auf Elfmeter für die Borussia. «Merk hätte das Handspiel von Wörns pfeifen müssen. Wörns Arm kam heraus, nahm uns eine Chance. Das muss ein Schiedsrichter vom Format eines Markus Merk, der ja unser Bester sein will, einfach sehen», giftete Bayern-Präsident Beckenbauer. «Das muss man pfeifen», kritisierte auch Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld.

Noch härter gingen die Bayern mit Merk wegen des Elfmeters ins Gericht. «Das war absoluter Schwachsinn», ereiferte sich Salihamidzic. «Es war auf Grund der Einzelentscheidungen kein leichtes Spiel. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass die Sache eskaliert», sagte Merk nach dem Abpfiff. Mit den Anwürfen ging er gelassen um. «Es entsteht bei mir keine Unruhe, wenn ich kritisiert werde», konterte Merk mit seiner in 16 Jahren Bundesliga erworbenen Routine.

«Beide Entscheidungen waren unstrittig. Ich habe mir nochmals die Fernsehbilder angeschaut und bleibe bei meiner Meinung. Wenn die TV-Bilder etwas anderes beweisen, bin ich der letzte, der sich hinstellt und rumeiert. Dann stelle ich mich hin und sage, das war eine Schwalbe, ich habe mich geirrt», erklärte Merk, der gegen Michael Ballack seinen 66. Platzverweis aussprach – auch das ist Rekord.

Der Partie im ausverkauften Westfalenstadion maß der Rekordmann trotz der turbulenten Begleitumstände daher keinen höheren Stellenwert bei. «Mein Fußball-Herz hat beim Spiel Arsenal gegen Chelsea einen Doppelsalto gemacht. Heute war ein ganz normaler Arbeitstag», sagte Merk. In seiner persönlichen Statistik war es ohnehin schon das 242. Bundesligaspiel, denn im November 1989 wurde ihm eine Partie «gestohlen». Damals musste die Begegnung zwischen dem Karlsruher SC und Borussia Mönchengladbach abgebrochen werden, für Merk zählt das Spiel trotzdem. «Schließlich habe ich meine Spesen bekommen», meinte der Rekordhalter.

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