7:0 gutes Omen – mehr nicht: Völler weiter mit Sorgen

7:0 gutes Omen – mehr nicht: Völler weiter mit Sorgen
7:0 gutes Omen - mehr nicht: Völler weiter mit Sorgen
Die deutschen Spieler beglückwünschen sich nach den 7:0 gegen Malta.

Winden im Elztal (dpa) – Der vierfache Torschütze Michael Ballack durfte sich mit seinen Kollegen nur wenige Stunden über das Schützenfest gegen Malta freuen, denn am Tag danach hatten die Sorgen das DFB-Team bereits wieder eingeholt.

Nach Christian Rahn droht auch Paul Freier bereits vor Turnierbeginn das EM-Aus. Eine Kernspin- Untersuchung soll das ganze Ausmaß der Innenbandverletzung klären, die sich der Bochumer am Vorabend beim 7:0 im Freiburger Dreisamstadion zugezogen hatte. «Wenn es nicht geht, werde ich spätestens am Samstag nachnominieren», erstellte Rudi Völler bereits den nächsten Notplan.

Möglicherweise wird Völler zudem den ebenfalls verletzten U 21-Spieler Lukas Podolski, der als Favorit auf den offenen 23. Platz im EM-Kader gilt, ins Mannschafts-Quartier nach Winden im Elztal beordern. Der 18-jährige Kölner leidet an einer Leistenzerrung und verpasste das Auftaktspiel der Junioren-EM gegen die Schweiz. Podolski soll bei DFB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt untersucht werden. Wenigstens konnte der Teamchef in den Fällen Christian Wörns und Thomas Brdaric, die gegen Malta verletzt pausieren mussten, Entspannung vermelden. Beide sollen zu Pfingsten wieder ins Mannschaftstraining einsteigen und für den nächsten Test am 2. Juni gegen die Schweiz zur Verfügung stehen.

Wir werden noch einige Dinge trainieren müssen», erklärte Rudi Völler ungeachtet des stimmungsvollen Kantersieges gegen die drittklassigen Malteser. Dies sei nur ein kleiner, erster Schritt auf dem Weg, die Pleite von Rumänien zu verarbeiten und die nötige Verfassung für die Europameisterschaft aufzubauen, hieß es aus dem DFB-Lager unisono. Das gleiche Resultat wie 2002 vor der WM gegen Kuwait sei nicht mehr als ein gutes Omen, meinte Torsten Frings. «So eine Niederlage kann man nicht mit einem Spiel wieder gut machen – erst recht nicht gegen Malta», erklärte der Dortmunder Allrounder, der neben Ballack, Dietmar Hamann, Bernd Schneider und Arne Friedrich die stärksten Akzente setzte.

Zwar zeigte sich das EM-Mittelfeld mit einem wie verwandelt spielenden Antreiber Ballack bereits in ansprechender Verfassung. «Doch wir brauchen drei Mannschaftsteile, die zusammen arbeiten. Wichtig ist, dass man hinten und vorn eine Formation findet», betonte Hamann. Vor allem Andreas Hinkel im Abwehrverbund und Miroslav Klose im Angriff offenbarten noch große Defizite, auch Kevin Kuranyi und Philipp Lahm sind noch nicht in Bestform.

Seinem Mittelfeldpartner Ballack, dem nach Gerd Müller 1972 wieder ein «Vierer-Pack» im Adler-Trikot gelang, bescheinigte Hamann dagegen bereits beste Partnerschaft: «Es ist sehr angenehm, mit ihm zusammen zu spielen, weil er auch viel nach hinten mitarbeitet und nach vorn seine Feiheiten nutzt.» Völler lobte Ballack, der sich über einen möglichen Wechsel zum FC Barcelona nicht äußern wollte, vor allem auch für seine Fitness. «Er brennt und ist körperlich gut drauf.» Die Werte des Ausdauertest würden dies bestätigten. «Im Großen und Ganzen» sei der Test auch bei allen anderen Spielern positiv verlaufen, berichtete der Teamchef, ohne weitere Namen zu nennen.

«Wir können das alles gut einschätzen. Wir heben jetzt nicht ab und denken, es ist alles perfekt. Das Spiel hat genau den Zweck erfüllt, um auch Spielern wie vor allem Michael Ballack das Selbstvertrauen wieder zu geben», sagte Völler. Zwölf Stunden nach dem höchsten Sieg seit der WM 2002 bat er seine EM-Fahrer bereits wieder zu einer lockeren Übungseinheit. Zudem stellten sich die 22 Spieler zum EM-Gruppenfoto, dass jedoch schon bald wieder inaktuell sein könnte. Unglücksrabe Freier war ohne Gegnereinwirkung im Rasen hängen geblieben und vermeldete eine alarmierende «Instabilität» im linken Knie.

«Wir dürfen das jetzt nicht überschätzen», forderte Ballack nach dem lockeren Aufgalopp eine schnelle Rückkehr in den intensiven Trainings-Alltag. «Ab Samstag geht es richtig rund, die EM hat begonnen», kündigte Völler eine harte Woche bis zum nächsten Test am Mittwoch in Basel gegen EM-Teilnehmer Schweiz an. Am Tag nach dem Malta-Spiel aber bekamen die Spieler erst einmal frei. «Einige werden das nutzen, ins Cafe gehen oder ins Kino», verriet Völler. «The Day after Tomorrow» stand auf dem Spielplan – ein «neuer Katastrophenfilm», so der Teamchef.

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