Bayern bremsen Euphorie um Deisler

Bayern bremsen Euphorie um Deisler
Bayern bremsen Euphorie um Deisler
Sebastian Deisler feiert mit seinen Mitspieler das erste Tor.

Mainz (dpa) – Sebastian Deisler zauberte wie zu besten Zeiten, doch die Verantwortlichen des FC Bayern München bemühten sich auf unterschiedlichem Wege, die neu entfachte Euphorie um den sensiblen Star-Kicker in Grenzen zu halten.

Manager Uli Hoeneß bezeichnete den Auftritt des 24-Jährigen, der die ersten beiden Tore beim 3:2-Erfolg im Liga-Pokalfinale über den deutschen Meister und Pokalsieger Werder Bremen selbst erzielt und das dritte vorbereitet hatte, gerade mal als «nicht schlecht». Denn es bringe nichts, von einem Extrem ins andere zu verfallen. Trainer Felix Magath erhöhte sogar den Druck auf den Nationalspieler und forderte von Deisler: «Er hat so viel Gefühl im Fuß, dass man noch mehr verlangen muss als Torschüsse. Er muss das Spiel mehr an sich ziehen, es mitbestimmen.»

Beeindruckt von der Leistung des Hoffnungsträgers auch für die WM 2006 zeigte sich der neue Co-Trainer der Nationalmannschaft, Joachim Löw: «Das, was der hier gezeigt hat, war imponierend.» Bayern- Präsident Franz Beckenbauer schloss sogar eine rasche Rückkehr in die Nationalmannschaft nicht aus. «Wenn Sebastian sich das zutraut, sehe ich keinen Grund, warum Jürgen Klinsmann ihn nicht nominieren sollte», sagte der Fußball-«Kaiser» in Neu-Isenburg.

Begeistert hatte Deisler zuvor auch die 13 200 Zuschauer im Mainzer Stadion Am Bruchweg. Als er nach einem Zusammenprall mit Valérien Ismael mit einer Platzwunde am Knie den Platz vorzeitig verlassen musste, spendeten sie dem begnadeten Fußballer lang anhaltenden Applaus. Es sei aber nicht der Rede wert, nur eine Wunde, die genäht worden sei, gab Deisler Entwarnung. «Ich habe sofort geschaut, welches Knie es war. Gott sei Dank war es das linke», schilderte Hoeneß seine Gedanken nach der Schrecksekunde. Mehrfach war Deisler bereits am rechten Knie operiert worden.

Auf dem Feld glänzte der vor Tatendrang sprühende und selbstbewusst auftretende Deisler, der noch im November vergangenen Jahres psychisch am Boden war und wegen Depressionen ein halbes Jahr kein Pflichtspiel bestreiten konnte, als Nahtstelle zwischen Abwehr und Sturm der Bayern. Die meisten Angriffe liefen über seine rechte Seite. «Wenn die Mannschaft nicht gut spielt, kann der einzelne auch nichts machen», gab er sich allerdings bescheiden. Woher die starke Frühform rühre, wisse er auch nicht. «Es ist hervorragend für ihn, zwei Tore gemacht und eines vorbereitet zu haben. Man muss ihm aber Zeit geben. Wichtig ist, dass er Vertrauen zu seinem Körper kriegt», meinte Michael Ballack, dessen Tor zum 3:0 Deisler vorbereitet hatte.

Neu-Trainer Magath und die Bayern konnten ihr erstes Ziel mit dem Gewinn des ersten Titels abhaken. Doch die schwachen Schlussminuten ohne Deisler trübten das Bild, das die Bayern vor ihrem Bundesliga- Saisonauftakt am Samstag beim Hamburger SV hinterließen. «Den Vorsprung fast noch einmal aus der Hand zu geben, war alles andere als professionell», monierte Magath: «Das können wir uns in der Bundesliga, geschweige denn in der Champions League, nicht erlauben.»

Dennoch reichte eine Halbzeit, um die Schwächen der in der vorigen Saison noch bärenstarken Bremer vier Tage vor dem Eröffnungsspiel des Meisters daheim gegen Schalke 04 offen zu legen. Nationalspieler Miroslav Klose – mit fünf Millionen Euro teuerster Einkauf der Club- Geschichte – konnte im Sturm keine Akzente setzen. Bisweilen wirkte er gar wie ein Fremdkörper an der Seite des sehr agilen Ivan Klasnic.

Der Kroate sorgte auch für das 1:3, ehe Ismael noch mit einem von Weltmeister Lucio in dessen erstem Pflichtspiel für die Bayern verursachten Foulelfmeter Hoffnungen auf den dritten Titel binnen vier Monaten weckte. «In der ersten Hälfte haben wir alles gezeigt, was man nicht sehen will», räumte Werders Erfolgstrainer Thomas Schaaf ein, «es ist aber gut, vor dem Auftakt noch mal klar gemacht zu bekommen, dass wir alles mobilisieren müssen, um wieder gewinnen».

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