Bayer blamiert, Bayern langweilig, Werder gestolpert

Bayer blamiert, Bayern langweilig, Werder gestolpert
Bayer blamiert, Bayern langweilig, Werder gestolpert
Boubacar Diarra (l) kämpft mit dem Hannoveraner Roman Wallner um den Ball.

Düsseldorf (dpa) – Der Funke des Brasilien-Länderspiels ist nicht auf die Spitzenclubs der Fußball-Bundesliga übergesprungen.

Vielmehr müssen sich Bayern München, Bayer Leverkusen und Werder Bremen nach peinlichen Vorstellungen am 4. Spieltag einige Sorgen vor dem Start der Champions League machen. «Es gibt Probleme, aber die sind ja dazu da, um gelöst zu werden», gab «Kaiser» Franz Beckenbauer nach der 1:0-Blamage des FC Bayern gegen Arminia Bielefeld die Parole für das «Königsklassen»-Trio aus.

Enttäuschung hier, Erleichterung dort: Der 1. FC Kaiserslautern kann nach dem ersten Saisonsieg erst einmal durchatmen. Den Pfälzern gelang beim 3:2-Auswärtserfolg bei Hansa Rostock der ersehnte Befreiungsschlag. Thomas Drescher, Thomas Riedl und Halil Altintop schossen die «Roten Teufel» vom letzten auf den 14. Platz, obwohl Hansas Debütant Marcus Allbäck es mit einem Doppelschlag noch einmal sehr spannend machte. Auch die Niedersachsen hatten im Heimspiel gegen den SC Freiburg dank des zweimaligen Torschützen Jiri Stajner (2./8.) den Sieg schon vor Augen, doch Regis Dorn (59.) und Ellery Cairo (72.) verhinderten die erste SC-Niederlage dieser Spielzeit und stellten das 2:2 sicher.

Neues Spiel, neues Glück heißt die Devise bei den Münchnern seit einiger Zeit. Doch auch mit Trainer-Magier Felix Magath gelang noch kein Ballzauber. Für die Vorstellung gegen den Aufsteiger gab es keinen Applaus, sondern nur Pfiffe. «Die einzigen positiven Dinge waren mein Tor und die Punkte», bekannte Roy Makaay. Doch statt auf den Tisch zu hauen, macht Magath vor der Partie gegen Maccabi Tel Aviv auf heile Welt: «Bei uns herrscht beste Stimmung. Es ist alles in Ordnung.»

Auch Trainer Thomas Schaaf von Meister Bremen verzichtete nach dem 1:3 bei Borussia Mönchengladbach, der zweiten Niederlage hintereinander, auf öffentliche Kritik an seinem Team. «Alle müssen einen Tick mehr tun», forderte er nur. Ob dies gegen Inter Mailand reicht? Selbst Sportdirektor Klaus Allofs ist skeptisch: «Wenn wir in dieser Art und Weise weiter spielen, werden wir nicht mehr viele Spiele gewinnen.»

Ein Donnerwetter von Chefcoach Klaus Augenthaler gab es dagegen nach dem 0:2 von Leverkusen beim Liga-Frischling Mainz 05, bei dem nach dem zweiten Saisonsieg schon Karnevalsstimmung herrschte. «Wir haben viel kaputt gemacht, was wir gegen die Bayern aufgebaut haben», wetterte Augenthaler. Seine Elf schlug zwei Wochen nach dem 4:1 gegen die Bayern alle Warnungen vor einer Schlappe nach zuvor 14 Spielen ohen Niederlage in den Wind. Dass es so einen Schlendrian gegen Real Madrid geben könnte, hält er aber für ausgeschlossen: «Ich kenne doch meine Pappenheimer. Gegen Madrid geben sie wieder Gas.»

Lieber auf die Bremse treten möchte Matthias Sammer, dessen VfB Stuttgart mit einem 2:0 gegen den Hamburger SV wieder die Tabellenspitze übernahm. «Ganz ehrlich, Platz zwei wäre mir viel, viel lieber», meinte der Trainer nach dem gelungenen Härtetest vor dem UEFA-Cup-Spiel bei Ujpest Budapest. Während die Schwaben im Aufwärtstrend sind, stürzt der HSV immer tiefer in den Keller. Noch scheint der Arbeitsplatz von Klaus Toppmöller sicher. «Ich sehe keinen Anlass, über den Trainer zu sprechen», versicherte Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer.

Nach dem schlechtesten Saisonstart seit elf Jahren steht auch Schalke-Coach Jupp Heynckes auf dem Prüfstand. «Wir müssen Geduld haben. Das muss erst zusammenwachsen», verteidigte er sich und seine Spieler nach dem 0:3 beim VfL Wolfsburg, der nach drei Erfolgen überraschend auf den zweiten Platz kletterte. Die Stimmung auf Schalke ist dagegen auf dem Nullpunkt. «Wir sind Freiwild, zum Abschuss freigegeben, wenn es nicht läuft», schimpfte Keeper Frank Rost nach der dritten Saisonschlappe.

Schiedlich-friedlich 2:2 trennten sich zwar der VfL Bochum und Borussia Dortmund im 51. Revierderby, doch danach gerieten die beiden Trainer heftig aneinander. Grund war das Foul von David Odonkor am Bochumer Peter Madsen, der mit Verdacht auf Syndesmoseband-Riss mindestes sechs Wochen ausfällt. «Wenn das ein normaler Zweikampf war, sollten wir besser aufhören mit dem Fußball», ereiferte sich VfL-Coach Peter Neururer. Noch mehr in Rage geriet er, als BVB- Trainer Bert van Marwijk diese Attacke als verteidigte. Die Borussen müssen ihrerseits bis zu drei Wochen auf Spielmacher Tomas Rosicky verzichten. Der Tscheche fällt wegen eines Einrisses der Bauch- und Beckenmuskulatur aus.

Auf der Stelle tritt der Fast-Absteiger des Vorjahres, Hertha BSC. Mit der trostlosen Nullnummer beim 1. FC Nürnberg sprang lediglich das vierte Remis im vierten Spiel heraus. Dass nun das große Zittern in Berlin wieder beginnen könnte, glaubt Manager Dieter Hoeneß nicht. Vielmehr wähnt er sein Team «auf dem richtigen Weg», wenn es so weiterspielen würde: «Was uns gefehlt hat, waren die Tore. Alles andere war in Ordnung.»

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