Wolfsburg verblüfft die Fachwelt – Bayern schöpfen Mut

Wolfsburg verblüfft die Fachwelt – Bayern schöpfen Mut
Wolfsburg verblüfft die Fachwelt - Bayern schöpfen Mut
Bayerns Lucio (3) jubelt nach dem 2:2-Ausgleichstor mit Trainer Felix Magath.

Düsseldorf (dpa) – Zwei Last-Minute-Treffer haben den zuletzt schwächelnden Bayern-Profis neues Leben eingehaucht und sie vor weiterem Ärger bewahrt.

Mit einem durch Tore von Lucio (88.) und Roy Makaay (90./+1) gekrönten Kraftakt riss die Mannschaft von Trainer Felix Magath beim 2:2 gegen den Erzrivalen Borussia Dortmund ein schon verloren geglaubtes Spiel noch aus dem Feuer. Ungeachtet des schlechtesten Saisonstarts seit 25 Jahren wurde die mit dem altbekannten Bayer-Dusel erzwungene Punkteteilung gefeiert wie ein Sieg. Bei Karl-Heinz Rummenigge verflog der Ärger über 75 mäßige Anfangsminuten im Rekordtempo: «Vielleicht hat die Mannschaft so ein Schlüsselspiel gebraucht», sagte der Vorstandsvorsitzende voller Hoffnung auf ein Startsignal.

Als die zweite Saisonschlappe nach den Gegentreffern von Ewerthon (44./69., Foulelfmeter) schon ausgemachte Sache schien, riss der Titelfavorit den BVB aus allen Träumen. «Unser Selbstvertrauen war angeknackst, jetzt ist es wieder zurück», meinte Manager Uli Hoeneß. Wie dicht Freud und Leid im Fußball mitunter zusammenliegen, bekam der Gastgeber deutlich zu spüren. Erneut wurde der erste Heimsieg in den letzten Minuten verspielt. Damit etablierte sich der finanziell schwer angeschlagene Revierclub zum Leidwesen von Christian Wörns im Mittelmaß: «Das ist wie ein schlechter Traum. Wir alle saßen in der Kabine und konnten nicht fassen, wie das passieren konnte.»

Wie den Bayern gelang auch Leverkusen das Kunststück, einen Zwei- Tore-Rückstand aufzuholen. Doch die Freude über die Tore von Torhüter Jörg Butt (76./Handelfmeter) und Dimitar Berbatow (80.) zum 2:2 im Heimspiel gegen den FC Nürnberg hielt sich in Grenzen. Nur drei Tage nach dem famosen Sieg in der Champions League über die «Galaktischen» aus Madrid machte sich wieder Ernüchterung breit. Die zurückliegende Achterbahn-Fahrt mit Erfolgen über die Bayern (4:1) und Madrid (3:0) sowie Rückschlägen gegen Mainz (0:2) und Nürnberg stimmte Coach Klaus Augenthaler nachdenklich: «Wir müssen noch viel lernen und cleverer werden.»

Die Mannschaft der Stunde kommt nicht aus dem Kreis der vermeintlichen Titelanwärter, sondern aus Wolfsburg. Heimlich, still und leise hat sich das Team von Erik Gerets erstmals in der Vereinsgeschichte an die Bundesliga-Spitze geschossen. Mit zwölf Zählern, drei Siegen in Serie und einer bisher makellosen Auswärtsbilanz verblüfft sie die Fachwelt. «Den Druck, ganz oben zu stehen, finde ich herrlich», kommentierte Trainer Gerets nach dem 2:1-Erfolg in Rostock.

Von solch einer Erfolgsstory kann sein Hamburger Kollege Klaus Toppmöller derzeit nur träumen. Die 1:2-Niederlage beim 1. FC Kaiserslautern wird die Trainerdiskussion beim HSV weiter verschärfen. Nach der vierten Schlappe im fünften Punktspiel steht der Fußball-Lehrer schwer unter Druck: Gelingt auch im kommenden Heimspiel gegen Hertha BSC kein Sieg, dürfte Toppmöller nach Jupp Heynckes der Zweite sein, der seinen Trainerstuhl in der laufenden Bundesliga-Saison räumen muss.

Zumindest beim FC Schalke 04 hat sich eine solche Maßnahme bisher bezahlt gemacht. Binnen 48 Stunden unter der Regie von Interims-Coach Eddy Achterberg vollzogen die Profis des Revierclubs eine erstaunliche Wandlung. Dem 5:1 im UEFA-Cup gegen Liepajas Metalurgs am Tag nach der Heynckes-Entlassung folgte ein mit viel Leidenschaft erkämpfter 3:2-Heimerfolg über Borussia Mönchengladbach. «Schöner kann man gewinnen», frohlockte Torschütze Ebbe Sand, «diese zwei Siege sind unglaublich wichtig für uns und den Verein».

Wie «auf» Schalke war auch in Bremen die Erleichterung groß. Durch das 3:0 über Hannover 96 rückte Titelverteidiger Werder auf den dritten Tabellenrang vor, die befürchtete Krise konnte abgewendet werden. «Es hätte sonst eine komische Tendenz gegeben», gestand Manager Klaus Allofs nach dem Erfolg über die bisher sieglosen Gäste. Ähnlich bescheiden wie bei «96» sieht die bisherige Saisonbilanz in Bielefeld aus: Auch im Aufsteiger-Duell mit Mainz 05 (1:1) glückte Arminia kein Erfolg.

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