Wieder Wahltag für Mayer-Vorfelder

Wieder Wahltag für Mayer-Vorfelder
Wieder Wahltag für Mayer-Vorfelder
Gerhard Mayer-Vorfelder spricht 2002 beim DFB-Bundestag in Frankfurt/Main.

Limassol/Stuttgart (dpa) – Als «Dinosaurier» bezeichnet er sich manchmal selbst, doch an das Ende seiner Funktionärskarriere denkt Gerhard Mayer-Vorfelder nicht.

«So lange ich DFB-Präsident bin, werde ich auch im internationalen Fußball tätig sein», sagte der 71-Jährige in einem dpa-Gespräch vor dem Kongress der Europäischen Fußball-Union (UEFA) auf Zypern. «Vorausgesetzt natürlich, ich bleibe gesund.» Mayer-Vorfelder hat beste Chancen, für weitere vier Jahre ins Exekutivkomitee gewählt zu werden. Im höchsten Gremium des Weltverbandes FIFA ist der Stuttgarter bis 2006 vertreten. Als DFB-Präsident strebt er bei den Wahlen am 22./23. Oktober in Osnabrück seine zweite Amtszeit an.

«Ich möchte weiterhin die Erfahrungen und Vorstellungen eines großen Nationalverbandes einbringen», erklärte Mayer-Vorfelder, der nach Zypern reist. Er ist einer von zehn Kandidaten für sieben vakante Plätze im UEFA-Exekutivkomitee. «Die Voraussetzungen für meine Wahl sind gegeben», sagte Mayer-Vorfelder, der seit seinem Einstieg in das Gremium vor vier Jahren vielfältige Kontakte geknüpft hat. Eine Pleite wie er sie 1998 erlebt hatte, als er auf dem UEFA-Kongress in Dublin einen Sitz in der FIFA-Exekutive an den Vertreter Maltas verlor, scheint dieses Mal ausgeschlossen.

Als Mitglied der WM-Organisationskommission für 2006, Mitglied in der FIFA-Spielerstatutenkommission sowie der UEFA-Kommission für Berufsfußball ist Mayer-Vorfelder in weiteren wichtigen Gremien vertreten. Der einstige baden-württembergische Finanzminister fühlt sich seit seinem Ausstieg aus der Politik pudelwohl in seiner Rolle. Als er im April 2001 zum DFB-Präsidenten gewählt wurde, hatte man ihn noch als «König ohne Land» (Nachrichtenmagazin «Der Spiegel») bezeichnet, da sich der Profifußball in der Deutschen Fußball-Liga verselbstständigt hatte.

Doch Mayer-Vorfelder, das müssen selbst Kritiker einräumen, hat die Euphorie um die Nationalmannschaft nach dem Gewinn der Vize- Weltmeisterschaft 2002 gut genutzt und sein Feld bestellt: Mit langfristigen Fernseh- und Sponsorenverträgen (darunter die Hauptförderer Mercedes-Benz und Adidas) ist der DFB auf Jahre hinaus finanziell abgesichert. Im Gegensatz zu vielen Krisen gebeutelten Bundesligisten steht der größte Einzelsportverband der Welt (6,3 Millionen Mitglieder) glänzend da. Zudem hat der DFB-Chef um Teamchef Rudi Völler und Bundestrainer Michael Skibbe ein anerkanntes Trainerteam für die Auswahlmannschaften installiert.

So kann sich Mayer-Vorfelder ganz den Vorbereitungen auf die WM 2006 im eigenen Lande widmen. Ein Lebenstraum würde für ihn in Erfüllung gehen, wenn er auf dem Frankfurter Römer den WM-Titel mit der deutschen Nationalmannschaft feiern würde. Mit dieser Vision im Kopf fällt es schwer, an einen Ruhestand zu denken. Seine vier Kinder sind zwischen 19 und 25 Jahre alt, seine Ehefrau Margit ebenso eine Fußball-Begeisterte wie ihr Mann. «Väter, die zu wenig Zeit haben, werden gute Großväter», behauptet Mayer-Vorfelder lächelnd.

Vom Aufhören will der DFB-Präsident nicht reden, obwohl er beim VfB Stuttgart einst die Erfahrung gemacht hat, dass er den richtigen Zeitpunkt verpasst hatte. «Wir haben sicher beide als Vereinspräsident zu spät aufgehört», sagte Mayer-Vorfelder vergangene Woche auf der Beerdigung seines Freundes Axel Dünnwald-Metzler, dem langjährigen Vorsitzenden der Stuttgarter Kickers.

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