Werder nach 3:1-Triumph in München Meister

Werder nach 3:1-Triumph in München Meister
Werder nach 3:1-Triumph in München Meister
Die Bremer Ivan Klasnic (l) und Ailton jubeln über einen Treffer gegen den FC Bayern.

München (dpa) – Mit einer Demütigung für den FC Bayern München hat ein souverän aufspielender SV Werder Bremen den vierten deutschen Meistertitel perfekt gemacht.

Die Hanseaten entthronten den Titelverteidiger am drittletzten Spieltag der Fußball-Bundesliga im direkten Duell mit einem triumphalen 3:1 (3:0)-Erfolg und konnten ihren vierten Titelgewinn nach 1965, 1988 und 1993 anschließend mit rund 10 000 mitgereisten Werder-Fans ausgerechnet im Stadion des Gegners mit Champagner und Bier begießen.

Während die Mannschaft sofort in die Werder-Fankurve eilte, stand Trainer Thomas Schaaf minutenlang alleine im Stadion und ließ den Jubel fast in sich gekehrt auf sich wirken, ehe er sich auch von den Anhängern feiern ließ. Doch seine erste Reaktion verriet auch im Erfolgsfall Nüchternheit: «Ich glaube, es ist sensationell, was die Mannschaft geleistet hat.» Auch in der Pressekonferenz fand er lobende Worte für sein Team. Man sei «toll miteinander umgegangen», und es gebe «wunderbare Einzeltypen» in der Werder-Elf, befand der Coach. «Wir sind überglücklich, dass wir den Titel geholt haben, und ich glaube, dass die Mannschaft ihn verdient hat», ergänzte der 43-Jährige. Zu den ersten Gratulanten gehörte Uli Hoeneß. Anschließend verließ der Bayern-Manager allerdings kommentarlos das Stadion.

Nach dem Schlusspfiff kniete Top-Torjäger Ailton auf dem Rasen und schluchzte, dann fiel er Sportdirektor Klaus Allofs in die Arme. Später kannte die Freude des Brasilianers keine Grenzen mehr, ausgelassen feierte er mit seinen Teamkollegen in der Kabine – mit vom FC Bayern spendiertem Champagner – den Titel.

Ivan Klasnic (19.), Johan Micoud (26.) und Ailton (35.) mit seinem 27. Saisontreffer entschieden den Zweikampf um die Meisterschaft zu Gunsten der Mannschaft von Schaaf, der die Bremer als erster Cheftrainer nach Otto Rehhagel zum Titel führte. Für die Bayern, die nach der ersten Heimniederlage seit dem 12. April 2003 (0:1 gegen Bremen) die Saison ohne Titelgewinn beschließen werden, konnte Roy Makaay (56.) nur noch auf 1:3 verkürzen.

Ausgerechnet Nationaltorhüter Oliver Kahn leitete mit einem «Blackout» das Desaster für die von ihren Fans ausgepfiffenen Bayern ein. Einen harmlosen Pass von Ailton auf Klasnic, den der aus seinem Tor stürzende Bayern-Kapitän eigentlich nur aufnehmen musste, ließ er aus den Händen gleiten – Klasnic «bedankte» sich und schoss ein. Dieser Fehler – vor den Augen von DFB-Teamchef Rudi Völler – war noch unverzeihlicher als jener beim 1:1 gegen Real Madrid, der für das Ausscheiden aus der Champions League maßgeblich gewesen war.

Auch im Spiel der letzten Titelchance war der Fauxpas der Anfang vom Ende. «Das ist nicht zu erklären, das passiert ihm normalerweise nicht», kommentierte Völler den Aussetzer. Der Schock wirkte sich auf die gesamte Mannschaft aus, die bis dahin allerdings auch nur einen Warnschuss von Makaay zu Stande gebracht hatte (13.) und in der Folge förmlich auseinander brach. Die coolen Bremer, die laut Hoeneß im mit 65 000 Zuschauer ausverkauften Olympiastadion «niedergemacht» und «weggefegt» werden sollten, konnten nun schalten und walten, wie sie wollten. Spielmacher Micoud düpierte Kahn nach Zuspiel von Fabian Ernst mit einem Heber. Und Ailton machte noch vor der Halbzeitpause den Albtraum für Kahn komplett, als er den Bayern-Kapitän aus halbrechter Position mit einem Kunstschuss aus 20 Metern überwand.

Nach dem Wechsel bot sich den nicht aufgebenden Bayern urplötzlich noch einmal die Chance zur Aufholjagd: Aber Makaay (48.) und Claudio Pizarro vergaben zwei Großchancen. Als Makaay dann doch das 1:3 gelungen war, konzentrierten sich die Bremer wieder mehr. Ailton hatte sogar die Möglichkeit zu einem zweiten Treffer (67.). Bayern kämpfte – und die Werder-Fans tanzten schon auf den Rängen und besangen Trainer Schaaf als «den besten Mann». Nach dem Schlusspfiff kannte der Bremer Jubel keine Grenzen mehr, während die Bayern frustriert vom Platz gingen. Den Bayern-Verantwortlichen blieb nur, Werder zu gratulieren: «Bremen ist verdient deutscher Meister geworden. Sie haben uns in der ersten Halbzeit eine Lektion erteilt», sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Einziger Trost: Da der VfB Stuttgart 1:2 gegen den Hamburger SV verlor, ist zumindest Platz zwei nicht in Gefahr.

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