VfB-Präsident sauer – Magath sofort zu Bayern

VfB-Präsident sauer – Magath sofort zu Bayern
VfB-Präsident sauer - Magath sofort zu Bayern
Felix Magath gibt beim VfB-Heimspiel gegen die Bayern Autogramme.

München/Stuttgart (dpa) – Ottmar Hitzfeld will sich eine schöpferische Pause gönnen, Wunschtrainer Felix Magath beerbt ihn doch schon sofort, und beim VfB Stuttgart sind sie mächtig sauer auf den FC Bayern München.

Ein Jahr früher als ursprünglich vereinbart wird Magath schon am 1. Juli als Hitzfeld-Nachfolger beim deutschen Fußball-Rekordmeister anheuern – und das mit großen Zielen. Der 50 Jahre alte Teammanager des VfB Stuttgart will in München endlich auch als Coach Titel gewinnen. «Ich will das Maximale erreichen, deutscher Meister werden und den Europapokal gewinnen», betonte er. Dies sei entscheidend und nicht, «ob jemand mit Euro-Scheinen wedelt».

Nachdem Manager Uli Hoeneß Hitzfeld über die bereits eine Woche zuvor vom Bayern-Vorstand beschlossene Trennung zum Saisonende informiert hatte, ging mit Magath plötzlich alles noch fixer – sehr zum Ärger des VfB. «Wir hatten vereinbart, dass wir uns nach dem letzten Spieltag zusammen setzen. Wir haben Samstag ein verdammt wichtiges Spiel in Leverkusen. Es ärgert mich, dass man sich nicht auf Absprachen verlassen kann», kritisierte VfB-Präsident Erwin Staudt in scharfem Ton die Vorgehensweise der Bayern.

An den Fakten ändert das freilich nichts. Magaths bis 2005 laufender Vertrag wird in «gegenseitigem Einvernehmen», so der scheidende Teammanager, zum 30. Juni aufgelöst. Magath machte vor dem «Endspiel» um die Champions-League-Qualifikation in Leverkusen reinen Tisch, indem er die Spieler von seinem Wechsel zu den Bayern informierte. Jetzt will er unbedingt als Vizemeister seine neue Arbeitsstelle in München antreten und ausgerechnet den FC Bayern noch vom zweiten Tabellenplatz verdrängen. Außerdem geht es bei der direkten Champions-League-Qualifikation für Magath auch um einen «Sack voll Geld», wie er schmunzelnd einräumte.

Als Kompensation für den vorzeitigen Magath-Wechsel deutete Staudt «einen Spielertausch» als Möglichkeit an. Spekulationen über eine Ablösesumme von vier Millionen Euro seien dagegen «absolut unrealistisch». Mit Magath hatten die Bayern bereits vor einigen Wochen einen Vertrag vom 1. Juli 2005 bis 30. Juni 2008 geschlossen, wie Hoeneß verriet. Dieser Dreijahres-Kontrakt wird nun vorgezogen. Die VfB-Führung muss nun die Trainer- und Manager-Frage forcieren. Als heißester Kandidat gilt Guus Hiddink vom PSV Eindhoven.

Für Magath wird der FC Bayern zur größten Herausforderung in seiner Trainer-Karriere. Allerdings erwartet ihn Schwerstarbeit: Nach einem Jahr ohne Titelgewinn muss er eine leblose Star-Truppe wieder flott machen. Hoeneß ermuntert ihn, wieder zum «Quälix» früherer Tage zu werden. «Der neue Trainer muss mit ziemlich harter Hand den einen oder anderen Spieler wieder auf den Pfad der Tugend führen», betonte der Bayern-Manager. Ähnlich äußerte sich Franz Beckenbauer: «Ich kann nur hoffen, dass er die Mannschaft zum Laufen bringt. Gestorben ist bei ihm noch keiner, aber sie werden wesentlich mehr leisten müssen.»

Hitzfeld schaffte das in dieser Saison nicht mehr. Aber nach dem unwürdigen Trennungsablauf soll er neben einem goldenen Handschlag in Form einer Millionen-Abfindung zum Abschied noch die Champions- League-Direktqualifikation gegen den SC Freiburg geschenkt bekommen. «Ich erwarte von der Mannschaft eine großartige Leistung zum Abschied für diesen großartigen Menschen», sagte Hoeneß. Hitzfeld selbst geht «mit Wehmut». Seinem Nachfolger gab der Bayern-Coach indirekt noch einen Tipp mit auf den Weg: «Ohne Erfolg, ohne Titel kann man nicht überleben bei den Bayern.»

Anders als der Trainer trat Hoeneß verbal nach. Hitzfeld habe die Mannschaft an einer zu langen Leine geführt: «Es ist ihnen zu gut gegangen.» Beckenbauer wurde vom Manager ebenfalls scharf kritisiert, weil der Aufsichtsratsvorsitzende mit dem Ausplaudern von Interna den Trainer in eine «unerträgliche» Situation gebracht habe: «Franz Beckenbauer hat sich nicht gut verhalten. Er hat aus dem Aufsichtsrat Dinge erzählt, die nicht in Ordnung waren.»

Hitzfeld wirkte befreit und enttäuscht zugleich, nachdem sein Rauswurf offiziell verkündet worden war. «Es waren sechs grandiose Jahre», sagte der 55-Jährige rückblickend auf den Gewinn von Weltpokal, Champions League, vier Meisterschaften und zwei Cupsiegen unter seiner Regie. Aber: «Ich hätte auch das siebte Jahr in Angriff genommen.» Er werde auf keinen Fall im Sommer sofort einen neuen Verein übernehmen: «Ich habe vor, ein Jahr abzuschalten – ob es mir gelingt, weiß ich nicht.»

Magath war sichtlich erleichtert, dass Hoeneß seinen Wechsel öffentlich gemacht hatte: «Jetzt ist Klarheit, jetzt ist die Luft rein. Es war eine sehr belastende Phase für mich. Ich habe mich schwer getan mit diesem Herumeiern.» Hätte er Hitzfelds Job erst 2005 übernommen, hätte er sein Engagement beim VfB dennoch in diesem Sommer beendet. «Da hätte ich mich in meiner Handlungsfreiheit eingeschränkt gefühlt. Dann hätte ich eine Babypause gemacht.»

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