Trainer Götz bei 1860 München unter Druck

Trainer Götz bei 1860 München unter Druck
Trainer Götz bei 1860 München unter Druck
Löwen-Trainer Falko Götz gibt Anweisungen vom Spielfeldrand.

München (dpa) – Der TSV 1860 München präsentiert sich in seiner größten Krise seit der Rückkehr in die Fußball-Bundesliga nicht nur auf dem Spielfeld in einer jämmerlichen Verfassung.

Ausgerechnet vor der wegweisenden Partie gegen den Hamburger SV ist in der Clubführung der abstiegsbedrohten «Löwen» ein Machtkampf ausgebrochen. Trainer Falko Götz verkommt dabei zum Spielball der neuen Chefetage. Nach der Präsidiumssitzung kündigte Club-Vize Hans Zehetmair die Entlassung des 42-Jährigen an, sollten die Sechziger gegen den HSV nicht gewinnen. Präsident Karl Auer wollte von einem Ultimatum hingegen nichts wissen. «Das ist absoluter Blödsinn. Ich bin kein Freund von solchen Dingen», sagte er der dpa.

Offensichtlich hat die Führung der Sechziger einen Monat nach ihrer durch die Wirren des Stadionskandals verursachten Amtsübernahme keinen gemeinsamen Kurs gefunden. Auer dementiert zwar Differenzen: «Wir sind in den wichtigen Fragen einer Meinung»; Zehetmair sei in der Trainerfrage «vielleicht falsch interpretiert worden».

Das allerdings eindeutige Vorpreschen des CSU-Politikers verdeutlicht jedoch die Kluft an der Spitze des Traditionsvereins. Zehetmair, der wegen privater Termine nicht zu sprechen war, ist Wortführer einer offenbar größer werdenden Fraktion, die eine rasche Trennung von Götz befürwortet. Verlieren die «Löwen» ihr drittes Spiel in Serie, wird wohl zumindest die Frage nach dem wahren starken Mann im Zweikampf Auer gegen Zehetmair beantwortet.

Mit Friedhelm Funkel und Rudi Bommer nannte Zehetmair schon mögliche Kandidaten für eine Götz-Nachfolge. Auch Werner Lorant, der sich über die gegen Götz wetternden Boulevard-Medien als Retter ins Spiel gebracht hatte, wäre für den früheren bayerischen Minister eine Alternative. Auer lehnt eine Rückkehr des vor knapp drei Jahren geschassten und mittlerweile in Südkorea tätigen Ex-Coaches dagegen ab. Weiterhin setzt der Wurstfabrikant auf eine Politik der ruhigen Hand: «Der Druck wächst, das ist klar. Aber ich sehe keinen Grund für Festlegungen irgendeiner Art.»

Falko Götz ist derweil bemüht, nach außen einen ruhigen Eindruck zu vermitteln, will sich aber öffentlich möglichst wenig äußern. «In der jetzigen Situation gibt es nichts zu sagen.» Es dürfte dem Ex-Profi bewusst sein, dass er unter Auers Vorgänger, dem im Fußball- Geschäft versierteren und in Trainerfragen wenig zimperlichen Karl-Heinz Wildmoser, wohl längst nicht mehr im Amt wäre. Bei nur noch zwei Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz und zuletzt miserablen Leistungen gehen auch dem wortgewandten Berliner allmählich die Argumente aus. Gerade die Personalplanung ist ihm in seiner ersten kompletten Saison mit den Verpflichtungen von Janne Saarinen, Gerhard Poschner und Fernando gründlich missglückt.

Auch die Spieler tragen nicht zur Verbesserung der Stimmung bei. Stürmerstar Benjamin Lauth wirkt nach der Kritik an seiner Person und den andauernden Gerüchten über einen bevorstehenden Wechsel lustloser denn je. Seine im Flüsterton gemachten «Kampfansagen» («Wir haben das Potenzial. Es gibt Mannschaften, die schlechter sind als wir») erwecken nicht den Eindruck großer Hoffnung. Längst klammern sich die 1860-Profis an Symbolhaftes. Erst nach Sicherung des Klassenverbleibs wollen sich einige Spieler wieder rasieren – und sehen mit ihren wilden Bärten schon jetzt wie Schiffbrüchige aus.

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