Titel, Abstieg und Millionen: Zündstoff im Münchner Duell

Titel, Abstieg und Millionen: Zündstoff im Münchner Duell
Titel, Abstieg und Millionen: Zündstoff im Münchner Duell
Bayerns Torhüter Oliver Kahn bei einer Pressekonferenz.

München (dpa) – Emotionen, Platzverweise und ein volles Stadion sind beim Münchner Derby Alltag, doch selten zuvor stand für den FC Bayern und den TSV 1860 so viel auf dem Spiel wie bei der 199. Auflage.

Für die «Roten» geht es im Olympiastadion um Meisterschaft und Champions League, die «Blauen» hoffen im ersten Spiel nach dem Trainerwechsel sehnsüchtig auf einen Befreiungsschlag im Abstiegskampf. Neben Punkten und Prestige geht es für beide Clubs zudem um Millionen-Einnahmen in der kommenden Saison.

«Für uns geht es um alles – und für die Löwen auch. Wir kämpfen um die Meisterschaft und 1860 um die Existenz. Da wird einiges geboten sein. Selten war es so extrem», sagte Bayern-Kapitän Oliver Kahn zu den tief greifenden Konsequenzen des Lokalkampfes – vor allem für den Verlierer. Denn im Fernduell um den Titel könnten sich die Bayern plötzlich noch hinter dem VfB Stuttgart auf Platz drei wiederfinden. Allerdings glaubt Kahn daran, dass der Rekordmeister die Bremer trotz des Acht-Punkte-Rückstands noch abfangen kann. «Ich bin voll überzeugt, jetzt geht es los, wo man Nerven zeigen kann. Auf der Zielgerade kann es passieren, dass man die Nerven verliert.»

Zusätzlich anstacheln dürfte Kahn & Co. der Spott, mit dem Franz Beckenbauer die seiner Meinung nach «leblose» Bayern-Elf übergoss. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge erinnerte die hochbezahlten Stars erneut an die finanzielle Bedeutung einer Champions-League-Teilnahme: «Die Mannschaft muss zumindest den zweiten Platz verteidigen. Hier geht es um viel Geld. Daher sind drei Punkte im Derby Pflicht.»

Die «Löwen» könnten im Falle einer Schlappe erstmals in dieser Saison auf einen Abstiegsrang stürzen. Fernseh- und Werbe-Gelder in Millionenhöhe würden bei einem Sturz in die 2. Liga verloren gehen. Nationalspieler Benjamin Lauth wäre dann wohl nicht zu halten, und der gemeinsame Stadionbau mit den Bayern würde zu einem noch größeren Klotz am Bein. Diese Schreckens-Visionen verhindern soll der neue Trainer Gerald Vanenburg, der die 1860-Profis seit dieser Woche auf das «erste von fünf Endspielen» vorbereitet.

Der anfängliche Optimismus des Götz-Nachfolgers ist rasch in Skepsis umgeschlagen. Der Niederländer zeigte sich nach den ersten Übungseinheiten «ein bisschen entsetzt». Ein neues System mit einer Spitze und zwei Halbstürmern hat er offenbar wieder verworfen. Dafür hält er an Torhüter Michael Hofmann fest. Bei den Spielern vermisst Vanenburg die nötige Lockerheit: «Es sind einige dabei, die Angst haben, Fehler zu machen.»

Die größte Chance der «Löwen» könnte die mögliche Überheblichkeit des Gegners sein, der als haushoher Favorit ins Spiel geht. Kahn weiß um die Gefahr: «Die Löwen werden um ihr Leben rennen. Die können in einem Spiel die ganze Richtung ändern.» Ottmar Hitzfeld warnte vor seinem 200. Bundesliga-Spiel als Bayern-Coach (Bilanz: 126 Siege, 40 Unentschieden, 33 Niederlagen) zudem vor dem Effekt des Trainer-Wechsels: «Zumindest kurzfristig können sie etwas bewirken.» Torjäger Roy Makaay wünschte seinem Landsmann Vanenburg durchaus «Glück» als 1860-Trainer, allerdings erst «ab Montag».

Die Bayern müssen nach Samuel Kuffours Windpocken-Erkrankung auf insgesamt sieben Spieler verzichten. Im Mittelfeld fehlt Michael Ballack (gesperrt). Dafür soll Sebastian Deisler erstmals nach über fünf Monaten als «Joker» auf der Bank sitzen. Entscheidend könnte aber sein, wer die Nerven behält – in den 19. Derbys seit dem Wiederaufstieg der «Löwen» 1994 gab es immerhin 12 Platzverweise.

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