Südafrika erhält Zuschlag für Fußball-WM 2010

Südafrika erhält Zuschlag für Fußball-WM 2010
Südafrika erhält Zuschlag für Fußball-WM 2010
Ein strahlender Nelson Mandela hält in Zürich den Weltpokal in die Höhe.

Zürich (dpa) – Südafrika hat das Rennen um die erste Fußball-Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent gewonnen. Vier Jahre nach der Niederlage gegen Deutschland um die WM 2006 erhielt der Kap-Staat durch das FIFA-Exekutiv-Komitee den Zuschlag für die Titelkämpfe 2010.

Gleich im ersten Wahlgang kamen die Südafrikaner auf die absolute Mehrheit und setzten sich mit 14:10 Stimmen gegen Herausforderer Marokko durch. Ägypten ging leer aus. Nachdem am Vortag Tunesien bereits seine Bewerbung zurückgezogen hatte, wurde Libyen kurzfristig nicht zur Abstimmung zugelassen. Das Land verweigerte die Garantie, Israel im Falle der Qualifikation einreisen zu lassen.

Als FIFA-Präsident Joseph Blatter um 12:24 Uhr im Zürcher World Trade Center das live in alle Welt übertragene Resultat verkündete, kannte der Jubel im Saal und in Südafrika keine Grenzen mehr. Mit Trillerpfeifen, Fanfaren, Jubelgesängen und «Madiba-Rufen» feierte die etwa 150-köpfige Delegation den Triumph und ihren Leader. «Ich fühle mich wie ein 50-jähriger junger Mann», sprudelte es aus dem 85 Jahre alten früheren südafrikanischen Präsidenten Mandela heraus.

Südafrikas Freiheits-Symbolfigur war die entscheidende Trumpfkarte im knappen Rennen. Ähnlich wie Franz Beckenbauer vor vier Jahren als Zugpferd der deutschen Anstrengungen verfehlte auch Mandelas Präsenz bei den FIFA-Funktionären nicht seine Wirkung. Ähnlich wie Beckenbauer fühlte auch Mandela in der Stunde des Sieges mit den Verlierern: «Sie sollen den Mut nicht verlieren. Und Südafrika sollte das Wahlergebnis nicht arrogant, sondern mit Bescheidenheit und in Demut akzeptieren.»

Mit Südafrika erhielt das Land den Zuschlag, das aus dem Kandidaten-Kreis über die beste Infrastruktur verfügt, den offensivsten Wahlkampf führte und am offensichtlichsten die Staatsmacht auf seiner Seite hatte. «Wer eine WM organisieren will, benötigt die rückhaltlose Unterstützung der Regierung», verdeutlichte Blatter. Im Gegensatz zur Wahl-Niederlage vor vier Jahren gegen Deutschland, als man allzu sehr auf den Mitleid-Bonus nach 300 Jahren Unterdrückung gesetzt hatte, überzeugte der Kap-Staat im zweiten Anlauf zudem durch die geschaffenen Voraussetzungen. Und er hatte die einflussreicheren Förderer.

Blatter hatte aus seiner Sympathie für die Südafrikaner nie einen Hehl gemacht (und seine Stimme entsprechend abgegeben), ebensowenig DFB-Präsident Gerhard-Mayer Vorfelder. «Südafrika hat gewonnen, doch der große Sieger ist Afrika. Denn mit Ägypten, Marokko und Südafrika gab es drei exzellente Bewerbungen. Am Ende hat sich der Favorit durchgesetzt, auch weil er die totale Unterstützung der Regierung hat», sagte Mayer-Vorfelder.

Der Deutsche Fußball-Bund hatte den vor vier Jahren unglücklich unterlegenen Konkurrenten in den letzten Monaten aktiv unterstützt. Franz Beckenbauer, Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schremp und selbst Bundeskanzler Gerhard Schröder, vor vier Jahren noch Daumendrücker für Deutschland, hatten sich für Südafrika stark gemacht. Schließlich winken für die deutsche Industrie in dem 44-Millionen-Land weitaus größere Absatzchancen als in Marokko.

Zunächst allerdings sind in Südafrika millionenschwere Investitionen vonnöten, um bis zur WM auf Ballhöhe zu sein. So sind von den 13 geplanten Stadien in elf Städten derzeit lediglich drei WM-tauglich. Mit welchen Mitteln gebaut und renoviert werden soll, ist noch unklar. Das aufgestellte Budget mit einem kalkulierten Etat von rund 500 Millionen US-Dollar wird von den FIFA-Inspektoren als inakzeptabel eingestuft, ebenso die angesetzten Ticketpreise, die das zehnfache der sonst ortsüblichen Preise betragen.

Das auch im vierten Anlauf sieglose Königreich Marokko erwies sich als unglücklicher, aber fairer Verlierer. «Wir sind enttäuscht, aber keineswegs verzweifelt», meinte Bewerbungschef Saad Kettani. Noch deprimierter war Ägyptens Delegation. Obwohl die Nordafrikaner im Inspektorenbericht auf den zweiten Platz gesetzt wurden und die pfiffigste Abschlusspräsentation boten, erhielten sie nicht eine Stimme, weil die Allianzen in der FIFA-Exekutive festgezurrt waren. «Wenn es einen Trostpreis gegeben hätte, hätte ihn Ägypten verdient», meinte Blatter.

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