Auch ohne Zuschauer Sieg mit Emotionen für Gladbach

Auch ohne Zuschauer Sieg mit Emotionen für Gladbach
Auch ohne Zuschauer Sieg mit Emotionen für Gladbach
Mönchengladbachs Marcus Thuram gedenkt nach seinem Tor zum 2:0 dem getöteten Afroamerikaner George Floyd. Foto: Martin Meissner/AP Pool/dpa

Mönchengladbach (dpa) – Emotional kann es in der Fußball-Bundesliga auch ohne Zuschauer werden. Dass Borussia Mönchengladbach auch in der kommenden Saison wieder im Europapokal spielt, ist durch das souveräne 4:1 (2:0) am Pfingstsonntag gegen Union Berlin so gut wie sicher.

Bei noch fünf ausstehenden Spielen hat das Team von Trainer Marco Rose bereits 14 Punkte Vorsprung auf Rang sieben. Abgesehen davon, dass sich der ehrgeizige Rose aber nicht «nur» mit der Europa League zufrieden gibt, hatten die emotionale Momente am Sonntag wenig mit dem Sieg und der besten Borussen-Saison seit 36 Jahren zu tun.

Als Marcus Thuram das erste seiner zwei Tore (41. Minute/59.) schoss, machte der Franzose einen demonstrativen Kniefall und schaute zu Boden. Eine Geste, die prompt als stiller Protest gegen Rassismus gewertet wurde. «Ich glaube, dass alle das, was er heute auf den Platz gebracht hat, mittragen, komplett mittragen, dass alle den gleichen Gedanken tragen wie er. Er hat es auf den Punkt gebracht, er hat ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt, was wir natürlich alle komplett unterstützen», sagte Rose über Thuram, der seine Saisontore neun und zehn gegen die deutlich unterlegenen Köpenicker schoss.

Thuram selbst sprach nach dem Spiel nicht. «Keine Erklärung erforderlich», twitterte die Borussia dagegen mit einem Foto der Geste. Im American Football hatte Quarterback Colin Kaepernick 2016 eine Protestwelle gegen Unterdrückung von Schwarzen und gegen Polizeigewalt in den USA gestartet. Der heute 32-Jährige war während der Nationalhymne auf ein Knie gegangen. Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd nach einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis gibt es in den USA derzeit landesweit Proteste und Gewalt. Schalkes Weston McKennie hatte am Samstag gegen Werder Bremen (0:1) mit einer Armbinde seine Unterstützung für Floyd gezeigt.

Den Torreigen hatten Florian Neuhaus in der 17. Minute eröffnet. Seine feine Einzelaktion war das 3000. Bundesligator der Borussia. Diese Marke hatten zuvor nur Bayern München, Borussia Dortmund und Werder Bremen erreicht. «Das ist natürlich eine schöne Zahl. Ich freue mich aber mehr über den Sieg im Kampf um die Champions League», sagte der 23-Jährige. Denn mit der Europa League wollen sich die Borussen nicht zufrieden geben.

«Das ist gut und schön. Aber das müssen wir dann auch auf den Platz bringen», meinte Rose im Hinblick auf die kommenden Spiele der Borussia nach den Worten von Neuhaus. Am kommenden Freitag müssen die Gladbacher nach Freiburg, anschließend geht es zum FC Bayern. «Wir müssen weiter Spiele gewinnen, um etwas Großes zu schaffen. Wir wollen unsere Runde zu Ende spielen», meinte Rose weiter, der auch noch Alassane Pleas zehntes Saisontor (81.) bejubeln konnte.

Kurz vor dem Ende verhalf Rose auch noch Mamadou Doucouré zu einem besonderen Bundesliga-Debüt. Fast vier Jahre nach seinem Wechsel zur Borussia wurde der 22 Jahre alte Franzose erstmals in der Bundesliga eingewechselt. Als der von etlichen Verletzungen gebeutelte Doucouré in den letzten Minuten das Feld betrat, applaudierte das gesamte Gladbacher Team, die Mitspieler fielen ihm um den Hals. «Ich hoffe dass ihm das einen richtigen Schub und Kraft gibt», sagte Rose.

Schon jetzt hat sein Team mit nun 56 Zählern einen Punkt mehr als bei der bislang letzten Champions-League-Qualifikation vor vier Jahren. An 22 von 29 Spieltagen stand die Elf vom Niederrhein in der aktuellen Spielzeit auf einem der ersten vier Ränge, achtmal war sie gar Spitzenreiter. Dennoch muss Gladbach als Tabellendritter nach zuvor zwei sieglosen Spielen kämpfen. Bayer Leverkusen liegt punktgleich hinter der Borussia und RB Leipzig kann am Montag mit mindestens einem Punkt beim 1. FC Köln wieder vorbeiziehen.

Ungemütlich könnte es dagegen noch einmal für Union werden. «Es reicht einfach nicht, nur 25 Minuten gut zu spielen» schimpfte Trainer Urs Fischer, der das sechste sieglose Spiel am Stück mit ansehen musste. Lediglich Sebastian Andersson (49.) traf kurz nach der Pause, als die Borussen-Abwehr nach einem Freistoß ungeordnet war. «Das war ein hartes Spiel für uns», klagte der Schwede.

Die Berliner drohen nun noch einmal in akute Abstiegsgefahr zu geraten. Erstmals seit dem zehnten Spieltag rutschte Union unter Platz 13; als Tabellen-14. haben die Berliner nur noch vier Zähler Vorsprung auf den Relegationsrang.

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