Oddset plant Wettverbot für Fußball-Profis

Oddset plant Wettverbot für Fußball-Profis
Oddset plant Wettverbot für Fußball-Profis
Totoscheine der Oddset-Fußballwette.

Frankfurt/Main (dpa) – Als Konsequenz aus dem Manipulationsskandal im deutschen Fußball plant der staatliche Wettanbieter Oddset noch in diesem Jahr ein Wettverbot für direkt betroffene Spieler, Trainer und Schiedsrichter.

«Wir haben im Gespräch mit dem DFB und der DFL weitgehend Einigung über die künftige Zusammenarbeit erzielt. Wir müssen unsere Teilnahmebedingungen ändern», sagte Oddset-Chef Erwin Horak der dpa.

Unterdessen ist mit dem Zeugen Felix Zwayer ein weiterer Schiedsrichter wegen des dringenden Verdachts eines unsportlichen Verhaltens ins Visier der Sportjustiz geraten. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» sollen außerdem streng vertrauliche UEFA-Listen mit Schiedsrichter-Ansetzungen für Europapokalspiele in die Hände der in Berlin inhaftierten kroatischen Brüder gelangt sein.

Wettanbieter Oddset, der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) haben sich bereits darauf geeinigt, einen ständigen Ansprechpartner auf beiden Seiten einzusetzen, um die Kommunikationswege zu verkürzen. «Wir diskutieren bei Oddset viele Dinge. Manche Maßnahmen sind bereits umgesetzt.» So werden sich schon von Mitte Juni an Gewinner einer Geldsumme in Höhe von mehr als 1000 Euro persönlich identifizieren müssen.

Unklar ist noch, ob zum Kreis der mit einem Wettverbot belegten Personen auch Vereinsfunktionäre gehören sollen. Für Spieler, Trainer und Schiedsrichter soll das Wettverbot bis Jahresende umgesetzt werden – sie dürfen dann nicht mehr auf die eigenen Spiele setzen. «Es gibt eine Vielzahl von angedachten Möglichkeiten.» Als Konsequenz aus dem Betrugsskandal müsste das «Höchstmögliche umgesetzt werden», forderte der Oddset-Chef.

Unterdessen ist ausgerechnet Zwayer, der mit zwei weiteren Kollegen die Machenschaften von Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer gemeldet und damit die Ermittlungen im Wettskandal ins Rollen gebracht hatte, beim DFB-Kontrollausschuss ins Zwielicht geraten. «Ich bin mir nicht sicher, ob nicht auch in Richtung Zwayer Gelder geflossen sind», sagte der Kontrollausschussvorsitzende Horst Hilpert bei der Verhandlung des Einspruchs gegen die Wertung des Zweitligaspiels Karlsruhe Duisburg (0:3/3. Dezember 2004). Zwayer war dort als Zeuge aufgetreten, da er bei der Partie dem inhaftierten Schiedsrichter Dominik Marks an der Linie assistiert hatte.

Der 23-jährige Zwayer wird verdächtigt, Informationen zurückzuhalten. Der Sportgerichtsvorsitzende Rainer Koch hatte es als «schwer verständlich» bezeichnet, dass Zwayer einen möglichen Anwerbeversuch von Marks, der für die Partie laut Hoyzer 30 000 Euro bekommen haben soll, nicht als solchen erkannt haben will. Zwayer betonte, dass er Marks‘ Frage nicht als Anwerbeversuch für eine Manipulation verstanden habe, sondern dachte, dass dieser ihn aushorchen wolle. «Hätte ich aus dem Gespräch vermutet, dass es in ähnlicher Weise wie mit Hoyzer ist, hätte ich es dem Kontrollausschuss gemeldet», betonte Zwayer.

Laut «Spiegel» sollen vor UEFA-Cup-, Champions-League und Länderspielen streng vertrauliche Listen mit den Namen der nominierten Schieds- und Linienrichter, UEFA-Delegierten und Schiedsrichter-Beobachter in die Hände der kroatischen Wettmafia gelangt sein. Hoyzer habe in zwei neuen Vernehmungen detailliert geschildert, wie er im Herbst 2004 eine entsprechende UEFA-Liste auf dem Rücksitz eines Firmenwagens des Berliner Café King gesehen habe. Dieses soll der Wettmafia als Treffpunkt gedient haben. Die Berliner Staatsanwaltschaft gab dazu am Donnerstag «keinen Kommentar».

In die Kritik gerät die vom geschäftsführenden DFB-Präsident Theo Zwanziger ins Gespräch gebrachte DFB-Sportwette. «Genau durch diese DFB-Wette wäre der Manipulation Tür und Tor geöffnet», urteilte der baden-württembergische Finanz-Staatssekretär Wolfgang Reinhart (CDU). «Der DFB organisiert unter seinem Dach die Fußballspiele, er teilt die Schiedsrichter zu diesen Spielen ein und er möchte nun noch Wetten auf diese Spiele annehmen. Das wäre eine Interessenkollision hoch drei.»

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