Nur drei Wochen Zeit: Dortmund hofft

Nur drei Wochen Zeit: Dortmund hofft
Nur drei Wochen Zeit: Dortmund hofft
Ein Exemplar der Aktie des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund.

Dortmund (dpa) – Im Kampf um die Existenz setzt Borussia Dortmund auf die Einsicht der Gläubiger. Angesichts der leeren Vereinskasse bleibt dem börsennotierten Unternehmen nur wenig Zeit, um die drohende Insolvenz noch abzuwenden.

Ohne die schnelle Zustimmung aller 67 Gläubiger könnte es weder die Spielergehälter zahlen noch den anderen Verpflichtungen nachkommen. Unmissverständlich brachte Jochen Rölfs zum Ausdruck, wie dramatisch die Lage wirklich ist. «Wir müssen jeden Zweifel ausräumen, dass dies die letzte Chance ist. Zur Zeit haben wir noch Geld. Aber in den nächsten drei Wochen muss alles über die Bühne gegangen sein», sagte der Wirtschaftsprüfer, der den Verein beim Entwurf der Sanierungspläne maßgeblich unterstützte.

Die Abkehr von der Geheimniskrämerei vergangener Tage zeigt offenbar die vom Verein erwünschte Wirkung. Nur wenige Stunden nachdem der Verein sein Notsignal abgesetzt hatte, stimmte ein weiterer Gläubiger den Sanierungsplänen zu. Demnach müssen nur noch zwei Gläubiger von den vorgestellten Sanierungsplänen überzeugt werden. Grund zur Entwarnung gibt es nach Einschätzung von Rölfs jedoch noch lange nicht: «Wenn das nicht gelingt, war’s das. Dann ist Schluss. Das Unternehmen hat nichts in der Hinterhand.» Wie aus Vereinskreisen verlautete, wurden bereits Gespräche mit den beiden unbekannten Gläubigern geführt.

Von zentraler Bedeutung sind zudem die Verhandlungen mit dem Commerzbank-Fonds Molsiris. Die Borussia hatte das Westfalenstadion vor rund zwei Jahren an den Fonds verkauft und dann für 15 Millionen Euro jährlich zurückgeleast. Nur wenn 75 Prozent der insgesamt 5800 Fonds-Zeichner zustimmen, kann der BVB wie geplant Teile des Stadions im Tausch gegen ein verpfändetes Bardepot in Höhe von knapp über 50 Millionen Euro zurückkaufen. Bei dieser Transaktion würden zusätzlich neun Millionen Euro frei für das Tagesgeschäft.

«Wir befinden uns in konstruktiven Gesprächen», sagte die Sprecherin der CommerzbankLeasing Immobilien AG, Karolina Müller. Die Anteilseigner seien schriftlich darüber informiert worden, dass kurzfristig eine außerordentliche Gesellschafterversammlung einberufen werden soll. In dem Brief an die Fonds-Zeichner wies das Unternehmen darauf hin, dass der BVB die für 2005 fällige Stadionmiete bisher noch nicht gezahlt hat.

Weiteres Ungemach droht von anderer Seite. Schließlich ist der Revierclub ins Visier der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn geraten. Wie eine BaFin-Sprecherin der dpa bestätigte, wird geprüft, ob der Verein als börsennotierte AG seine gesetzliche Verpflichtung zur unverzüglichen Mitteilung wichtiger Geschäftsdaten verletzt habe. Falls dies zuträfe, wäre dies eine Ordnungswidrigkeit. Ob möglicherweise Betrug vorliegt, müsste die Staatsanwaltschaft klären.

Die Hiobsbotschaften aus Dortmund schockten selbst die schärfsten Rivalen. «Für die Bundesliga wäre es eine Katastrophe, wenn Dortmund den Spielbetrieb nicht aufrechterhalten könnte», sagte Karl-Heinz Rummenigge der «Berliner Morgenpost». Der Vorstandsvorsitzender des Branchenführers Bayern München hofft, dass die Insolvenz noch abgewendet werden kann. «Der Verein ist nach Bayern München in den letzten 10 Jahren die wertvollste Marke gewesen. Wenn Borussia Dortmund aus der Bundesliga verschwinden würde, hätte das negative Folgen – und zwar für alle.»

Ähnlich nervös reagierte die Deutsche Fußball Liga (DFL) auf die Zahlen aus Dortmund. Sollte der Club schon in den kommenden Wochen zahlungsunfähig werden, könnte ein Solidaritätsfonds helfen. Laut DFL-Sprecher Tom Bender «wäre eine Inanspruchnahme allerdings mit Punktabzügen verknüpft».

Schreibe einen Kommentar