Klinsmann kündigt «viel Arbeit» bis zur WM an

Klinsmann kündigt «viel Arbeit» bis zur WM an
Klinsmann kündigt «viel Arbeit» bis zur WM an
Markus Babbel wird Jürgen Klinsmann (r) Joachim Löw beobachtet.

Frankfurt/Main (dpa) – Jürgen Klinsmann hat seinen 36 heißesten Weltmeisterschafts-Kandidaten totale Unterstützung versprochen, aber auch einen knallharten Verdrängungswettbewerb um die 23 WM-Plätze angekündigt.

«Der Anfang ist gemacht, aber es gibt noch viel zu tun. Wir werden viel arbeiten in den kommenden 15 Monaten», erklärte der Bundestrainer in Frankfurt am Main, nachdem er mit einer beispiellosen WM-Präsentation und dem größten Leistungstest in der Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft bereits 15 Monate vor dem Turnierbeginn den Countdown für den angestrebten vierten Titelgewinn 2006 eröffnet hat. «Jeder, der hier dabei ist, hat die Möglichkeit, sich in die Mannschaft zu bringen», sagte Klinsmann.

In einer knappen Stunde hatte das Führungsteam mit Klinsmann, Assistent Joachim Löw, Torwarttrainer Andreas Köpke und Teammanager Oliver Bierhoff allen eingeladenen Akteuren und dem Betreuer-Stab in der 21. Etage des Frankfurter Mannschaftshotels mit Vorträgen und Videos seine Zielvorgabe und Philosophie vermittelt. Die lautet: Jede Unterstützung für die Spieler, aber sie müssen ebenfalls alles dafür tun, um 2006 Weltmeister werden zu können.

«Die Grundbotschaft war: Wir haben euch die Türe aufgemacht, aber ihr müsst selbst hindurchgehen», wiederholte Klinsmann öffentlich seinen Appell an Kapitän Michael Ballack und Co. «Wir sind Helfer der Spieler. Die Initialzündung aber muss von den Spielern selbst kommen.»

Der Vortrag kam im Spielerkreis offenbar gut an, wie Nationalmannschafts-Rückkehrer Markus Babbel berichtete: «Mich hat es sehr motiviert und angespornt. Man kann nicht früh genug damit beginnen, das große Ziel 2006 in den Köpfen zu verankern.»

Die harte Arbeit dafür begann mit dem unbeliebten Fitness-Test. «Das ist immer wieder eine Qual, so ein Laktattest. Aber das werden wir überstehen. Dann haben die ihre Werte – und dann ist es gut», meinte der Berliner Arne Friedrich. Schon vor dem Frühstück mussten die 31 teilnehmenden Spieler zur Blutabnahme. Es folgten Sprint-Tests am Vor- sowie Ausdauerläufe am Nachmittag. Am zweiten Tag stehen Gewandtheits- und Koordinationsübungen im Mittelpunkt. «Im Sprintbereich war ich positiv angetan», berichtete DFB-Internist Tim Meyer, der die zweite Testreihe nach der Premiere im vergangenen September zusammen mit den Spezialisten aus den USA leitet und ihr hohe Bedeutung beimisst. «Auf Fitness wird sehr viel Wert gelegt.»

Der Arzt verteidigte auch den Ablauf der Übungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, weil das im Interesse der Spieler sei und darüber hinaus vertrauliche Daten gewonnen würden. «Das geht in den Bereich der medizinischen Schweigepflicht», kommentierte Meyer. Nachdem bereits der Liverpooler Dietmar Hamann (Innenbandanriss im Knie) und der Schalker Gerald Asamoah (Muskelverletzung) komplett für die Tests ausgefallen waren, konnte auch der angeschlagene Bremer Fabian Ernst auf dem ehemaligen Trainingsgelände von Eintracht Frankfurt am Riederwald nur eingeschränkt die Übungen absolvieren.

Für das Länderspiel in Celje gegen Slowenien spielen die muskulären Probleme des Mittelfeldspielers jedoch keine Rolle, da der künftiger Schalker nicht zum 19-köpfigen Aufgebot gehört, mit dem Klinsmann im 9. Länderspiel unter seiner Regie die Mannschaft sportlich weiter entwickeln will. Das hochgelobte 2:2 gegen Argentinien dient als neuer Maßstab: «Es ist der Wunschgedanke, die ersten 70 Minuten gegen Argentinien bis auf 120 Minuten auszudehnen, wenn es bei der WM mal zu einer Verlängerung kommen sollte.»

Seine volle Unterstützung der Spieler dokumentiert Klinsmann auch im WM-Prämienpoker, den DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder mit dem von Ballack angeführten Mannschaftsrat zu Ende führen will. Die Forderung von 300 000 Euro für den WM-Titel 2006, was mehr als einer Verdreifachung gegenüber den für einen Turniersieg 2002 ausgehandelten 92 000 Euro entspricht, hält der Bundestrainer für keineswegs überzogen. «Die Nationalmannschaft ist der größte Geldgeber des DFB. Da soll die Mannschaft ihren Teil abhaben. Das ist gerechtfertigt», begründete Klinsmann.

Auch der Bundestrainer wird beim Treffen mit der DFB-Spitze seine Forderungen für die WM und darüber hinaus erneut deutlich machen. Dabei geht es auch wieder um Berti Vogts, der nach Klinsmanns Willen Technischer Direktor werden soll. «Berti würde diese Position optimal besetzen», erklärte Klinsmann, der davon ausgeht, dass man nach dem Confederations Cup im kommenden Juni eine Lösung finden wird.

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