Klinsmann erklärt WM 2006 zur nationalen Aufgabe

Klinsmann erklärt WM 2006 zur nationalen Aufgabe
Klinsmann erklärt WM 2006 zur nationalen Aufgabe
Jürgen Klinsmann hat die WM 2006 schon seit langem im Blick .

München (dpa) – Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zur nationalen Aufgabe erklärt und alle Deutschen aufgerufen, eine positive Stimmung und Begeisterung für das Jahrhundert-Ereignis im eigenen Land zu entwickeln.

«Die WM gehört letztendlich uns allen, den Fans, der Mannschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur. Alle kommen mit rein in dieses Boot», sagte Klinsmann. Führende Bundesliga-Vertreter haben dem neuen Führungstrio der Nationalelf mit Klinsmann, Oliver Bierhoff im neuen Amt des Team-Managers sowie Co-Trainer Joachim Löw bei der Versammlung des Ligaverbandes in Berlin ihre Unterstützung zugesichert. Auch Franz Beckenbauer glaubt an das Trio: «Es kann funktionieren.» Er traut Klinsmann sogar den WM-Triumph zu.

Klinsmann, der für den Titelgewinn eine Prämie von einer Million Euro mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) ausgehandelt haben soll, will den Funken vom Volk auf das Team überspringen lassen, so wie es Gastgeber Portugal bei der Europameisterschaft gelungen war. «Was die Portugiesen für eine Stimmung um ihre Mannschaft herum aufgebaut haben, das war toll und ein Beispiel für uns. An jeder Hausecke hing dort ein Plakat, ‚Wir glauben an Euch’», sagte Klinsmann in einem ZDF-Interview: «Wenn unsere Mannschaft beginnt, an sich zu glauben und Selbstbewusstsein aufzubauen, ist viel möglich.»

Der Appell wird von namhaften Bundesliga-Machern unterstützt. Bayern-Manager Uli Hoeneß rief im DSF-«Doppelpass» zu einer «verschworenen Gemeinschaft» auf: «Der deutsche Fußball will Weltmeister werden.» Sein Bruder Dieter Hoeneß äußerte sich ähnlich: «Die WM ist ein übergeordnetes Ereignis. So etwas wird es in 30 oder 40 Jahren in Deutschland nicht mehr geben.»

Vor allem Branchenführer FC Bayern will Klinsmann «ohne Wenn und Aber» unterstützen, zumal den Vereinen eine Schlüsselrolle zukommt. «Entscheidend ist, dass die Bundesliga Spieler zuführt, die kicken können», sagte Uli Hoeneß. Allerdings forderte er einen ständigen Meinungsaustausch von Klinsmann mit den Trainern und Bierhoff mit den Managern sowie eine Rücksichtnahme des DFB auch auf die sportlichen Interessen der Vereine: «Es ist ein Geben und Nehmen.»

Auch der «Arbeitskreis Nationalmannschaft» der Liga soll in irgendeiner Form erhalten bleiben. «Klinsmann und Bierhoff haben Interesse geäußert, dass die Kontakte eng bleiben. Der Arbeitskreis wird wahrscheinlich fortgeführt», verriet Dieter Hoeneß, der neben Bayern-Chef Kalle Rummenigge, Dortmunds Manager Michael Meier und dem ehemaligen Leverkusener Manager Reiner Calmund dem Gremium angehörte. Kritik an Klinsmanns Verpflichtung nur bis zur WM 2006 äußerte dagegen Weltmeister Paul Breitner in der «Bild am Sonntag»: «Erneut hat sich dieses dumpfe Denken im Zweijahres-Rhythmus durchgesetzt!»

Rund zwei Wochen vor seinem Länderspiel-Debüt am 18. August in Wien gegen Österreich kündigte Klinsmann «einen gewissen Umbruch» im Kader an: «Den gab es nach jedem großen Turnier.» Namen nannte er noch nicht, aber einen Nationalspieler Ailton lehnt er ebenso ab wie Oliver Kahn. «Davon halte ich gar nichts», sagte der Kapitän zum Einbürgerungsangebot des brasilianischen Bundesliga-Schützenkönigs.

Klinsmann will in den kommenden Monaten genau analysieren, was in der Mannschaft und im Umfeld «greift und was nicht» und dann Konsequenzen ziehen. «Ich habe mir zusagen lassen, dass ich das letzte Wort habe in Dingen, die die A-Nationalmannschaft betreffen», betonte Klinsmann. Diesen Machtanspruch hatte er schon bei der Auswahl des Co-Trainers – Löw statt Holger Osieck – unter Beweis gestellt, was im Nachhinein auch Franz Beckenbauer als richtig wertet: «Es ist normal, dass der Chef sagt, mit wem er zusammen arbeiten will.»

Beckenbauer traut Klinsmann zu, trotz des EM-Desasters den WM- Titel zu holen: «Wann, wenn nicht bei einer WM im eigenen Land, soll man sich das Ziel setzen, Weltmeister zu werden? Wir sind nicht so schlecht, wie wir dargestellt werden. Man hat jetzt zwei Jahre Zeit, eine Mannschaft aufzubauen», bemerkte der «Kaiser».

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