Klinsmann arbeitet an Komplett-Lösung

Klinsmann arbeitet an Komplett-Lösung
Klinsmann arbeitet an Komplett-Lösung
Jürgen Klinsmann strahlt bei einer Pressekonferenz auf dem Frankfurter Flughafen

Berlin (dpa) – Der Vertrag ist noch nicht unterschrieben, aber Jürgen Klinsmann hat mit seiner Arbeit als neuer DFB-Teamchef praktisch schon begonnen. Der Ex-Nationalspieler bastelt intensiv an einer Komplett-Lösung, die Deutschland 2006 bei der WM konkurrenzfähig machen soll.

Klinsmann traf sich bereits mit seinem ehemaligen Sturmpartner Oliver Bierhoff, der im neuen Führungsteam als Manager vorgesehen ist, um die Aufgabenverteilung festzulegen. Es müsse schließlich klar abgesteckt sein, «was mich erwartet», meinte Bierhoff. Seine wichtigsten Betätigungsfelder dürfte der ehemalige DFB-Kapitän als Kontaktmann zur Bundesliga, zu Sponsoren und Medien finden.

Öffentlich wolle er sich erst wieder äußern, wenn das ganze Zukunfts-Paket in trockenen Tüchern ist, ließ Klinsmann über einen Vertrauten mitteilen. Auch Bierhoff blieb im Hintergrund. «Wir sagen im Moment nichts. Wir müssen das erst intern klären», meinte sein Manager Peter Olsson, der sich darüber wunderte, dass einige Details bereits wieder in den Medien diskutiert wurden. So soll Klinsmann nach Informationen der «Bild»-Zeitung in den Verhandlungen mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Option für eine längere Amtszeit als bis zur WM 2006 abgelehnt haben.

Der DFB wollte ein womöglich nur zweijähriges Klinsmann-Engagement nicht kommentieren. «Wir diskutieren keine Vertragsverhandlungen, sondern geben bei einem Abschluss Auskunft», sagte Sprecher Harald Stenger. Ein wichtiger Punkt, die Honorierung von Klinsmann, ist nach dpa-Informationen im Wesentlichen bereits geklärt. Seit dem 23. Juli wird zwischen Klinsmann und dem DFB nicht mehr über Geld gesprochen, sondern nur über Inhalte verhandelt.

Frühestens am Ende der Woche werde es eine Präsentation von Personen und Plänen geben, kündigte Stenger an: «Es gibt keinen Schnellschuss.» Vor allem der 39-jährige Klinsmann will sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Der 108-malige Nationalstürmer kümmert sich um viele organisatorische Sachen. Schließlich muss er seine Engagements etwa bei einem großen Kreditkartenunternehmen oder in der Jugendförderung mit seinen neuen Aufgaben abstimmen.

Klinsmann will einen großen Schnitt. «Wichtig ist, dass der DFB in einigen Bereichen offener wird», hatte er die Linie bereits deutlich abgesteckt. Unterstützung wurde ihm trotz einiger deftiger Gegenstimmen (Schalke-Manager Rudi Assauer: «Notlösung. Siebte, achte Schublade») bereits zuteil. «Das ist eine seriöse und gute Lösung. Insgesamt ist die WM 2006 nicht das Hauptproblem. Es müsste jetzt wieder viel ausgebildet werden, um den Fußball nach vorne zu bringen», erklärte Matthias Sammer, der im Juni 2000 zusammen mit Klinsmann in einem Sonderlehrgang den Trainerschein erworben hatte. «Frisches Blut bringt auch Vorteile», ergänzte Ottmar Hitzfeld, eigentlich die Nummer-eins-Lösung bei der Nachfolge von Rudi Völler.

«Im Großen und Ganzen ist es schon eine sehr, sehr neue Situation und man wird sehen, was sich bewegt», machte DFB-Kapitän Oliver Kahn deutlich, dass er mehr als einen Personaltausch Klinsmann für Völler erwartet. Bundestrainer-Kandidat Holger Osieck, mit dem «Chef» Klinsmann nach dessen Rückkehr aus Kanada ebenfalls persönlich sprechen wird, regte ein kurzfristiges Treffen mit den Bundesliga-Trainern an, um Unstimmigkeiten schon im Vorfeld auszuräumen. Erste Diskussionen gibt es um eine mögliche Nominierung von Bundesliga- Topstürmer Ailton für das DFB-Team. Während Klinsmann keine Verbindungun zwischen dem Brasilianer und der deutschen Nationalelf sieht, meinte Osieck im «kicker»: «Er macht Tore. Wenn man einen solchen Stürmer haben kann, ist es immer positiv.»

Für Mutter Martha Klinsmann, die noch heute eine Bäckerei im Stuttgarter Stadtteil Botnang betreibt, wo Jürgen auch seine Ausbildung erhielt, steht jedenfalls schon fest, dass der Sohn die WM-Mission 2006 mit dem deutschen Nationalteam erfüllen kann. «Die Fähigkeit hat er», meinte Mutter Klinsmann im SWR.

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