Die Investoren der Fußballszene

Die Investoren der Fußballszene
Die Investoren der Fußballszene
Fans des FC Schalke 04 im Mai 2004.

Frankfurt/Main (dpa) – Wenn Fußballclubs wie Borussia Dortmund knapp bei Kasse sind, ist die Suche nach einem Investor schwierig. Zu riskant ist das Geschäft, zu wenig planbar der sportliche und damit auch der wirtschaftliche Erfolg.

«Fußballclubs sind keine Rendite- Objekte», sagt Arnd Hovemann von der Unternehmensberatung Ernst & Young. «Das Risiko für einen Investor ist hoch, weil er die Einnahmen nicht planen kann». In der Finanzszene ist man sich einig: Rettung für den BVB kann nur ein Mäzen, ein kühl kalkulierender Kopf oder ein fußballnahes Unternehmen bringen.

«Das große Geschäft macht man mit einem Fußball-Club selten», sagt Börsenexperte Wolfgang Gerke über potenzielle Geldgeber. «Es gehört Liebe und Verrücktheit dazu, in einen Club zu investieren.» Als Vorbild für einen engagierten Mäzen gilt der Präsident des 1. FC Nürnberg, Michael A. Roth. Der Unternehmer hat schon mehrfach in seine private Geldbörse gegriffen und dem Bundesligisten unter die Arme gegriffen. Eine skurrile Ausnahmepersönlichkeit ist der Multimilliardär Roman Abramowitsch, der sich in Großbritannien unter anderem den Fußballverein Chelsea FC gekauft hat.

«In der Bundesliga kann man aber weniger von privaten Investoren sprechen», sagt Analyst Hovemann. «Das alte Mäzenatentum hat aufgehört.» Bundesligavereine sind heute Wirtschaftsunternehmen, die knallhart kalkulieren müssen. Immer häufiger interessieren sich daher kühle Investoren für einen Verein. Dazu gehört der Neckermann-Erbe Florian Homm, Großaktionär beim BVB. «Homm könnte seine Anteile nun aufstocken», sagt Analyst Dörflinger. «Er ist ein kühler Rechner, der sich jetzt billig einkaufen könnte.»

Auch der Londoner Finanzinvestor Stephen Schechter brachte sich beim BVB ins Spiel. In der Bundesliga ist der Name bekannt: Der FC Schalke hatte Schechter für 85 Millionen Euro die Zuschauereinnahmen der nächsten 23 Jahre verpfändet, um den Bau seiner Arena zu finanzieren.

Häufig ist ein Engagement in der Bundesliga für Investoren aber uninteressant. Der DFB hat 1998 beschlossen, dass Fußballclubs ihren Geschäftsbetrieb in eine Kapitalgesellschaft ausgliedern können. Der Verein muss allerdings mit 51 Prozent Mehrheitsbesitzer bleiben. «Die Investoren sind deshalb sehr zurückhaltend», sagt Stefan Ludwig von der Beratungsgesellschaft Deloitte. «Wenn ein Investor einsteigt, will er auch ein Mitspracherecht haben und unabhängig von den Vereinsgremien sein.»

Als Finanzgeber mit frischem Kapital bleiben vereinsnahe Unternehmen übrig. «Firmen, die vorher als Sponsor aktiv waren und eine Beteiligung erwerben», sagt Stefan Ludwig. So wurde der Sportartikelhersteller adidas-Salomon zum 10prozentigen Aktionär bei Bayern München. Seit Jahrzehnten ist der Chemiekonzern Bayer bei den Leverkusenern aktiv. Gleiches gilt für den Autobauer Volkswagen beim VfL Wolfsburg. «Das ist für die Firmen ein gutes Marketing», sagt Ludwig. «Fußball ist einfach ein positiver Imageträger.»

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