Die Börse ist für Fußballclubs kein Paradies

Die Börse ist für Fußballclubs kein Paradies
Die Börse ist für Fußballclubs kein Paradies
Die BVB-Internetseite zeigt den Kurseinbruch der BVB-Aktie am 17. Februar.

Frankfurt/Main (dpa) – Die Euphorie war groß, als sich Borussia Dortmund vor viereinhalb Jahren als erster und bislang einziger deutscher Fußballverein auf das Börsenparkett wagte.

Noch größer ist nun, da dem Verein die Pleite droht, die Enttäuschung. «Der sportliche Abstieg des BVB hat desillusioniert und schreckt andere Fußballvereine ab», sagt der Börsenexperte Wolfgang Gerke. «Die Börse ist kein Paradies für Fußballclubs.»

Schon immer gelten die Aktien der Kick-Unternehmen als «Zocker-Papiere» oder «Liebhaberaktien», mit denen einfach kein Geld zu verdienen ist. Wertverluste von 50 Prozent sind bei europäischen Fußball-Aktien keine Seltenheit. Bei der Borussia ging es nach dem Börsengang im Oktober 2000 vom Ausgabepreis 11 Euro kontinuierlich in den Keller bis auf 1,87 Euro im Januar dieses Jahres. Das vollmundig vom Management versprochene Kursfeuerwerk blieb aus.

«Fußball-Aktien sind ein emotionales Produkt, das kurzfristig auf einzelne Spielergebnisse reagiert», schreibt der Analyst der WGZ- Bank, Paul Suciu-Sibianu, in der Fachzeitschrift für Sport und Wirtschaft «Horizont Sport Business». Die Geschäftsentwicklung eines Fußballvereins könne man aber kaum vorwegnehmen, weil sportlicher Erfolg nur begrenzt zu planen sei. «Das Vermögen sitzt in den Beinen und im Kopf, und diese Faktoren sind unwägbar», sagt Börsenkenner Gerke.

Viele Fußballclubs versuchten, mit dem Geld aus dem Börsengang sportliche und wirtschaftliche Erfolge zu erzwingen, indem sie das Geld in teure Spieler stecken. Beim BVB, der rund 130 Millionen Euro beim Börsenstart einnahm, war dieser Weg eine Sackgasse. «Den Brasilianer Marcio Amoroso hat der BVB teuer bezahlt – aber er war ein launischer Spieler, der bald wieder rausgeschmissen wurde», kritisiert der Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK), Stefan ten Doornkaat. Mit dem Spielerkauf habe der einstige Vorzeigeverein Geld in Massen verbrannt. «Erfolg kann man sich nicht kaufen. Wer es dennoch versucht, gerät in eine Spirale finanzieller Probleme.»

Die Borussia gilt den Experten als klassisches Beispiel für Missmanagement und Unprofessionalität. «Der Verein hing Blütenträumen nach und tat so, als ob er Real Madrid wäre und jedes Jahr Meister wird», kritisiert der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Jürgen Kurz. «Die Kommunikation war völlig unzureichend.». Der Club hätte den Informationsbedarf der Aktionäre ebenso wie Transparenzansprüche komplett ignoriert. An der Börse hat die Informationspolitik der Fußballvereine übrigens den Spitznamen «FC No Comment».

Neben den hausgemachten Problemen hat die Borussia aber auch die klassischen Fehler der Fußballvereine begangen. «Die Mehrzahl der Unternehmen verfügt über kein funktionierendes Geschäftsmodell und ist nicht börsenreif», urteilt Fußball-Analyst Suciu-Sibianu. Die meisten Clubs versäumten es, professionelle Strukturen aufzubauen. Als gutes Vorbild gilt dagegen der englische Musterclub Manchester United (ManU), der bereits 1991 an die Börse ging und dessen Aktie zwischenzeitlich rund 2000 Prozent über dem Ausgabekurs notierte. Mit intelligentem Management, Investitionen in neue, fußballnahe Geschäftsfelder und Controlling schaffte der Verein sportliche und wirtschaftliche Höchstleistungen.

«Ein Börsengang macht letztlich nur bei solchen Teams Sinn, die regelmäßig in der Champions League mitspielen», sagt Börsenexperte Gerke. «Dort wird das große Geld verdient, dort gibt es Einnahmen aus Werbung und Fernseh-Übertragungsrechten.» In Deutschland gilt nur der FC Bayern als aussichtsreicher Kandidat, weil nur für die Münchner eine regelmäßige Teilnahme im Club der Besten garantiert scheint. Die Bayern bekunden derzeit aber kein Interesse.

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