DFB-Trio geplatzt: Osieck sagt ab

DFB-Trio geplatzt: Osieck sagt ab
DFB-Trio geplatzt: Osieck sagt ab
DFB-Trio: Jürgen Klinsmann, Oliver Bierhoff und Holger Osieck (v.l.).

Berlin (dpa) – Das Wunschtrio ist geplatzt. Dennoch will der Deutsche Fußball-Bund (DFB) nach 35 Tagen quälender Suche am 29. Juli die neue Führungscrew für die Nationalmannschaft präsentieren.

Um 12.00 Uhr sollen der neue Teamchef Jürgen Klinsmann und dessen Team in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main vorgestellt werden. Überraschend abgesprungen ist Holger Osieck, der die Stelle des Klinsmann-Assistenten nicht antreten wird. Als Ersatz sind Ralf Rangnick und Jürgen Kohler im Gespräch.

Klinsmann und Osieck konnten sich «nicht über eine Zusammenarbeit verständigen», teilte der DFB mit. Grundvertrauen und die Grundkonzeption der Beiden seien nicht so gewesen, dass eine erfolgreiche Zusammenarbeit garantiert gewesen wäre, ergänzte DFB-Schatzmeister Theo Zwanziger.

Dafür wurde die Wahrscheinlichkeit wieder größer, dass Oliver Bierhoff beim High Noon neben Klinsmann sitzt und den neu geschaffenen Posten als Teammanager übernimmt. «Davon gehe ich aus», sagte Liga-Präsident Werner Hackmann in der ARD. Der Chef der Deutschen Fußball Liga (DFL) ist auch Mitglied der Trainerfindungskommission.

Bierhoff, der 36 Jahre alte ehemalige DFB-Kapitän, flog mit seinem Berater Peter Olsson nach Frankfurt und traf sich im DFB-Hauptquartier mit Generalsekretär Horst R. Schmidt und Schatzmeister Zwanziger zu abschließenden Verhandlungen. Bierhoff signalisierte bereits, dass er sich bei günstigen Rahmenbedingungen auch über das Jahr 2006 hinaus eine Arbeit für den Verband vorstellen könne.

Nach einem langen Gespräch mit Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder am Vortag hatte es schon positive Zeichen für eine künftige Zusammenarbeit gegeben. Wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» berichtet, soll Bierhoff seinen gerade erst bis 2010 verlängerten Vertrag mit dem Sportartikel-Hersteller Nike auflösen. Der DFB ist seit Jahren mit Konkurrent adidas verbunden. Dafür könne der neue Teammanager seine anderen Nebentätigkeiten (FIFA, Coca Cola, Toshiba, Sat.1) fortsetzen.

Dass für Osieck schon am 29. ein anderer Bundestrainer vorgestellt wird, scheint unwahrscheinlich. Osieck, der schon als Co-Trainer von Franz Beckenbauer Deutschland 1990 mit zum WM-Titel geführt hatte, will weiter beim Weltverband FIFA arbeiten, wo er die Abteilung Technische Entwicklung leitet. «Wenn die beiden nicht zusammen können, müssen sie es eben lassen. Irgendeiner wird es schon machen», kommentierte Franz Beckenbauer in Sat.1 die geplatzte Einigung von Klinsmann und Osieck. «Es ist zwar bedauerlich, aber es wirft uns nicht zu weit zurück. Wir sind zuversichtlich, dass wir bald einen adäquaten Ersatz präsentieren können», kündigte DFB-Sprecher Gerhard Meier-Röhn an.

Im Gespräch sind Klinsmanns ehemaliger Auswahl-Kollege Kohler, der im Sommer seine Zusammenarbeit mit Bayer Leverkusen beendet hatte, und Rangnick. Der hat nach kurzer gemeinsamer Stuttgarter Zeit die Verbindungen zum 108-maligen Nationalspieler Klinsmann nie abreißen lassen. Der 46-jährige ehemalige Coach von Hannover 96 steht zu Gesprächen mit dem DFB bereit, hat aber weder zu Klinsmann noch einem anderen DFB-Verantwortlichen bisher Kontakt gehabt. «Ich bin derzeit frei und werde mit jedem sprechen», erklärte Rangnick.

Bis zur Präsentation standen in Frankfurt/Main und in Stuttgart, wo Klinsmann mit seiner Familien zunächst blieb, noch eine Vielzahl von Gesprächen an. Der neue Teamchef selbst arbeitete intensiv an einer Alternative für Osieck. Klinsmann will weiter unbedingt einen erfahrenen Fußball-Lehrer an seiner Seite, möchte sich jedoch auch nicht unter zeitlichen Druck setzen lassen.

Überraschungen scheinen nicht ausgeschlossen, wie auch Matthias Sammer verdeutlichte, der zusammen mit Klinsmann in einem Schnellkurs den Trainerschein erworben hatte. «So lange nichts feststeht, rechne ich mit allem», meinte der Trainer des VfB Stuttgart. Selbst Michael Skibbe, die Rechte Hand des zurückgetretenen Rudi Völler, schließt eine neue Rolle für sich nicht mehr aus: «Ich lasse alles auf mich zukommen.»

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