BVB droht das Aus – Meier: «In Hand der Gläubiger»

BVB droht das Aus – Meier: «In Hand der Gläubiger»
BVB droht das Aus - Meier: «In Hand der Gläubiger»
Geschäftsführer Watzke und Manager Meier (vo) bei der Pressekonferenz des BVB.

Dortmund (dpa) – Dem einzigen börsennotierten Fußball-Bundesligaclub Borussia Dortmund droht das Aus. Nach monatelanger Verschleierungstaktik mit diversen Dementis hat der einstige Branchenriese erstmals einen tiefen Einblick in seine desaströsen Bilanzen gewährt.

Demnach hat sich die Krise des Traditionsclubs dramatisch zugespitzt. Nur eine Zustimmung der Gläubiger zu dem vorgestellten Sanierungskonzept kann den sechsmaligen deutschen Meister noch vor der Pleite bewahren. «Das Schicksal des Traditionsclubs liegt in der Hand der Gläubiger», bekannte BVB-Geschäftsführer Michael Meier.

Eine Pflichtmitteilung des Unternehmens am frühen Morgen des 17. Februars versetzte den durch den Wettskandal erschütterten deutschen Profi-Fußball erneut in helle Aufregung. «Für die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA ist eine existenzbedrohende Ertrags- und Finanzsituation eingetreten», räumte der BVB ein. Keine acht Jahre nach dem umjubelten Triumph in der Champions League haben die Sünden der Vergangenheit den Club endgültig eingeholt. Die verschwenderische Ausgabenpolitik der Geschäftsführung hat den Club an den Abgrund geführt. Allein für das erste Halbjahr des Geschäftsjahres 2004/2005 ist mit einem operativen Verlust von 27,2 Millionen Euro zu rechnen. Bleiben Sanierungseffekte aus, droht der Gesellschaft im Planungszeitraum bis zum 30. Juni 2006 ein Schuldenstand in Höhe von 134,7 Millionen Euro.

Besonders die Liquiditätsprobleme stimmen bedenklich. «Ich mache ich mir große Sorgen aufgrund der Ad-hoc-Mitteilung des Vereins», sagte der Vorsitzende der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Werner Hackmann, dem «Tagesspiegel» in Berlin. Zugleich stellte er dem BVB schnelle finanzielle Hilfe in Aussicht. «Wir haben für solche Fälle einen Solidaritätsfonds eingerichtet, um sicherzustellen, dass alle Bundesligisten die Saison zuende spielen können.» Er gehe deshalb davon aus, «dass Dortmund nach wie vor die Saison 2004/2005 zu enden spielen kann». Die Lizenzunterlagen für die neue Spielzeit müssen bis zum 15. März eingereicht werden, und ohne den schnellen Nachweis der Zahlungsfähigkeit droht dem Verein der Lizenzentzug.

Mit Leichenbittermiene warb Michael Meier auf einer Pressekonferenz um die Gunst der Gläubiger. «Die zentrale Botschaft ist, dass wir alle Verbindlichkeiten zurückführen werden. Das Unternehmen Borussia Dortmund ist sanierungs- und lizenzfähig», meinte der Geschäftsführer. Bei der Suche nach Wegen aus der Schuldenfalle kann der BVB jedoch nicht auf weitere finanzielle Hilfe der Politik hoffen. «Der BVB darf nicht aus der Bundesliga verschwinden. Aber wir dürfen keine öffentlichen Gelder einsetzen, um die Millionengehälter von Profis abzusichern», sagte NRW-Sportminister Michael Vesper (Grüne).

Das von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft RölfsPartner vorgelegte Sanierungskonzept setzt allerdings das Wohlwollen aller Gläubiger voraus. «Deren überwiegende Mehrheit hat die Zustimmung bereits zugesagt», versicherte Meier, «mit lediglich drei Finanzgläubigern werden gegenwärtig noch weiterführende Verhandlungen geführt.» Das Konzept sieht laut Meier unter anderem «eine Stundung der landesverbürgten Darlehen» und eine «Teilrückabwicklung des Verkaufs der Anteile an der Westfalenstadion GmbH & Co KG» vor.

Das noch vor wenigen Monaten vom Verein mit viel Optimismus vorgestellte Restrukturierungsprogramm allein kann dem Verein nicht aus der Bredouille helfen. Für das gesamte Geschäftsjahr 2004/2005 muss ohne Sanierungsmaßnahmen mit einem Fehlbetrag von insgesamt 68,8 Millionen Euro gerechnet werden. Unter Berücksichtigung kumulierter Verluste aus Vorjahren seien rund 79 Prozent des eingezahlten Kapitals der Aktionäre in Höhe von 179,5 Millionen Euro «durch Verluste aufgezehrt».

Wie das Unternehmen einräumte, steht derzeit kein Geld für Zahlungsverpflichtungen in Höhe von 29,7 Millionen Euro bis Ende Juni 2005 zur Verfügung. Die gegenwärtigen Engpässe sollen durch «Überbrückungsdarlehen einzelner Gläubiger aufgefangen werden, entsprechende Absichtserklärungen liegen der Gesellschaft bereits vor». Die leere Vereinskasse bringt selbst den WM-Standort Dortmund in Gefahr. Schließlich muss der Verein nach Einschätzung von Meier knapp fünf Millionen Euro aufbringen, um das Westfalenstadion für die vorgesehenen sechs WM-Spiele im kommenden Jahr zu modernisieren.

Auf die Existenzkrise des Vereins reagierte die Börse mit einem neuerlichen Kurseinbruch. Gleich zu Handelsbeginn sackte der Kurs der Aktie um bis zu 26 Prozent auf zeitweise 1,94 Euro ab. Die Wertpapiere waren Ende 2000 zum Kurs von 11 Euro ausgegeben worden. Selbst eine im September 2004 durchgeführte Kapitalerhöhung, die dem Unternehmen einen Mittelzufluss von etwa 25 Millionen Euro bescherte, konnte der Borussia nicht aus der Schuldenfalle helfen. Großaktionär Florian Homm, der 26 Prozent der Anteile hält, will helfen. «Im Falle einer möglichen Illiquidität ist Geld vorhanden – aber nur unter härtesten Bedingungen», sagte er dem Wirtschaftsmagazin «Capital».

Auch der Londoner Finanzinvestor Stephen Schechter, der zunächst alle Kontakte zur Borussia abgebrochen hatte, brachte sich wieder ins Spiel. «Wir können die Restrukturierung schaffen», sagte er dem Handelsblatt.

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