Brasilianer gut gelaunt vor «Treffen unter Freunden»

Brasilianer gut gelaunt vor «Treffen unter Freunden»
Brasilianer gut gelaunt vor «Treffen unter Freunden»
Ronaldo beim Aufwärmen vor dem ersten Training in Berlin.

Berlin (dpa) – «Gegen Deutschland geht es immer um Alles – so wie beim Finale 2002 in Japan.» Torjäger Ronaldo konnte sich im Berliner Olympiastadion ein verschmitztes Lächeln nicht verkneifen.

Vor dem Fußball-Freundschaftsspiel gegen Deutschland gab sich der Superstar vor rund 100 Journalisten kämpferisch. Nur kurz konnte sich der Ausnahme-Kicker von Real Madrid nach dem WM-Qualifikationsspiel in Sao Paulo gegen Bolivien (3:1) ausruhen – erst in in den Morgenstunden war er als Nachzügler in Berlin gelandet. Daheim in Rio de Janeiro hatte er zuvor noch schnell Verlobung gefeiert. Doch von Müdigkeit war beim Top-Angreifer der Selecao nichts zu spüren.

Auch Trainer Carlos Alberto Parreira konnte sich vor dem ersten Training der Brasilianer im rundum renovierten Stadion eine Stichelei in Richtung Kahn & Co. nicht verkneifen. «Bei einer solchen Begegnung steht immer das Prestige auf dem Spiel – wie zuletzt vor zwei Jahren», erinnerte er sich an das 2:0 durch zwei Ronaldo-Tore. Doch dann stimmte der Coach versöhnliche Töne an; er will das ausverkaufte Duell nur als «Treffen unter Freunden» verstanden wissen.

Roberto Carlos hat die jüngste Entwicklung im deutschen Team nach dem Rücktritt von Rudi Völler aufmerksam verfolgt. «Deutschland hat sein Spielsystem geändert unter dem neuen Trainer Klinsmann. Darauf müssen wir uns konzentrieren», meinte der 111-malige Nationalspieler, der von rund 500 Landsleuten beim Training lautstark gefeiert wurde.

Die Brasilianer sind mit mächtigem Rückwind nach Berlin geflogen. Zuvor hatte der fünfmalige Weltmeister im WM-Ausscheidungsspiel gegen Bolivien die Spieler aus den Anden souverän bezwungen und sich damit wieder an die Spitze der Südamerika-Gruppe gesetzt – noch vor den olympischen «Golden Boys» aus Argentinien.

Besonders beflügelt dürfte Ronaldo ins Olympiastadion laufen. Der Stürmer durfte seine Reise wegen einer Herzensangelgenheit um 24 Stunden verschieben und verlobte sich mit der TV-Moderatorin Daniela Cicarelli. Das Top-Modell soll nach brasilianischen Medienberichten auch maßgeblich für den Gewichtsverlust des früheren «Dickerchens» von Real Madrid verantwortlich sein. «Ich war noch nervöser, als vor der WM 2004», gab Ronaldo nach der Familienfeier zu. Das Paar will sich am 2. Januar 2005 das Ja-Wort geben. «Ich schwebe auf Wolke sieben», gestand Ronaldo und gab seinen Gefühlen freien Lauf.

In der Heimat werden die «pentacampeoes» zur Zeit von einer Welle der Sympathie getragen. Dazu hat nicht nur der Sieg über den Erzrivalen Argentinien auf dem Weg zur WM 2006 verholfen. Auch das «Friedensspiel», das die Nationalelf im Regierungsauftrag im karibischen Krisenstaat Haiti absolvierte, wurde von den Landsleuten begeistert verfolgt. «Es ist unser Dream Team», schrieb die Zeitung «Jornal do Brasil» stolz.

Brasiliens Stützen wollen auch bei ihren europäischen Clubs einen «golden Herbst» erleben. Um Ronaldinho (FC Barcelona), Adriano (Inter Mailand) oder Juninho (Olympique Lyon) dürfte sich Trainer Parreira kaum sorgen. Und auch Julio César (Flamengo Rio de Janeiro) im Tor hat den glücklosen Dida (AC Mailand) beerbt. Ein Torwartkrieg zwischen den Rivalen blieb den Brasilianern somit also erspart.

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