Beckenbauer-Enkel Luca: «Traum ist die Bundesliga»

Beckenbauer-Enkel Luca: «Traum ist die Bundesliga»
Bildhinweis: «Es ist der Traum von jedem Fußballer, irgendwann in der Bundesliga zu spielen», sagt Luca Beckenbauer. Foto: Matthias Balk/dpa

Heimstetten (dpa) – Den großen Namen seines berühmten Opas empfindet Luca Beckenbauer nicht als Bürde.

«Der Name bedeutet für mich keinen Druck. Wenn, dann ist der Name eher Ansporn», sagt der 19-Jährige. «Aber ich bin auch ohne den Namen immer motiviert. Der Name ist nur der Name.» Doch dahinter steht nicht nur wegen des berühmten «Kaisers» in der Familie die bemerkenswerte Geschichte eines jungen Mannes, der vor den Toren Münchens beim SV Heimstetten den Weg in die noch weit entfernte und einst auch vom Großvater geprägte Fußball-Bundesliga vorantreiben will.

«Es ist der Traum von jedem Fußballer, irgendwann in der Bundesliga zu spielen. Ob das klappt, ist die andere Sache. Aber versuchen werde ich es», sagt der Abwehrspieler. FC Bayern, FC Schalke und Hannover 96 lauteten die Stationen, ehe der Jung-Beckenbauer aus familiären und sportlichen Gründen im Sommer zurück nach Bayern kehrte.

«Ich war drei Jahre woanders, das hat auf jeden Fall gut getan», beschreibt er es bei einem Treffen mit der Deutschen Presse-Agentur. «Einen Rückschritt habe ich nicht gemacht. Ich spiele mit 19 Jahren in der Regionalliga, das ist absolut okay.»

Aktuell ist auch er wegen der Corona-Krise zur Zwangspause verdammt. Traurig lugt der Innenverteidiger über das verschlossene Eisentor des Sportparks in Heimstetten. Im Hintergrund ist das Knattern eines Rasenmähers zu hören. Wann wieder auf dem saftigen Grün hinter dem Gitterzaun gespielt werden kann, weiß keiner.

«Die Zwangspause ist für den Club besonders bitter, weil wir gerade gegen Schweinfurt gewonnen hatten und gut in Form waren», sagt er über die Perspektiven des Tabellen-14. im Viertliga-Abstiegskampf.

Der Enkel des berühmten «Kaisers» Franz, der als Fußballspieler und Trainer Weltmeister wurde, geht sehr reif mit den Fragen zur großen Familiengeschichte um. «Für mich ist der Name Beckenbauer natürlich nichts Ungewöhnliches, weil ich es ja von klein auf gewohnt bin», sagt Luca Beckenbauer. «Natürlich kann es sein, dass einem der Name auch mal Türen öffnet. Aber man wird auch immer verglichen und muss vielleicht noch ein Stück besser sein als andere.»

Über die Sache mit dem Namen kann sicher auch Heimstettens Teamkollege Stefan Reuter, Sohn des gleichnamigen Augsburger Managers, etwas sagen. Oder Mannschaftskapitän Lukas Riglewski, Sohn des früheren Tennisprofis Udo. Oder Lucas Scholl von Gegner VfR Garching. Vielleicht auch seine Freundin Caprice Peschel, Tochter des früheren Profis Peter Peschel und der einstigen Sportgymnastik-Serienmeisterin Magdalena Brzeska. Aber die Dimension bei Luca Beckenbauer, dem Enkel der Lichtgestalt, ist eine andere.

In der Jugend, diese Anekdote bestätigt Luca Beckenbauer, lief er sogar mal unter anderem Namen auf. «Das war in der U8 oder U9», erzählt er. «Mein damaliger Trainer hat das gemacht, wahrscheinlich, um mich zu schützen. Damals stand dort Luca Huber.» «Kaiser» riefen sie ihn Jahre später manchmal auf Schalke oder in Hannover. Parodien als Scherze gibt es auch. «Unser Co-Trainer macht das hin und wieder mal, das ist schon witzig», sagt der Defensivspieler und schmunzelt.

Großartige Tipps habe er vom Großvater nicht bekommen. «Ich erinnere mich aber noch daran, als ich ins Jugendinternat des FC Schalke eingezogen bin, hat er mir gesagt, dass er an dem Datum Europameister geworden ist», sagt Luca Beckenbauer. «Ansonsten haben wir null über den Fußball von früher oder irgendwelche Geschichten von damals geredet.» Regelmäßig telefonierten sie aber miteinander. Anstatt des Opas, Vorbild für Fußball-Generationen, schaut Luca lieber auf das Spiel eines aktuellen Topstars wie Sergio Ramos von Real Madrid.

Fußballerisch geprägt wurde Luca Beckenbauer von Vater Stephan, der selbst ein Dutzend Mal in der Bundesliga für den 1. FC Saarbrücken auflief. 2015 starb dieser im Alter von 46 Jahren. «Ich denke schon täglich an meinen Vater. Das wird auch für immer so sein. Am Anfang war es schwieriger als heute, aber es wird mit der Zeit besser. Der gute Zusammenhalt in unserer Familie hilft einem sehr.» Auf der Wade hat er sich ein Tattoo mit dem Geburtstag des Vaters stechen lassen.

Vater Stephan war auch mal sein Jugendtrainer beim FC Bayern II, wo Luca die ersten fußballerischen Schritte ging. «Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, mit Luca zu arbeiten, weil er extrem fleißig war und eine sehr gute Einstellung hatte. Er war immer der Erste auf dem Trainingsplatz und der Letzte, der ihn wieder verlassen hat», erinnert sich Peter Wenninger, sportlicher Leiter U9 bis U15 am Bayern-Campus.

Gute Mentalität, Fleiß und starken Willen bescheinigt er dem früheren Schützling, der selbst als nächste Stufe die 3. Liga anpeilt. Auch Österreich oder die Schweiz reizen ihn. Der frühere Bayern-Profi Michael Tarnat, sportlicher Leiter der 96-Akademie, traut dem Jung-Beckenbauer im Seniorenfußball den nächsten Schritt zu. Der Name sei für Luca dabei kein Problem, meint Tarnat. «Er kennt das ja von klein auf und bereits von den Jugendturnieren, die er mit den Bayern bestritten hatte. Ich glaube, das ist etwas, was ihn nullkommanull belastet.»

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