Amerell: «48-Stunden-Regel nicht so positiv»

Amerell: «48-Stunden-Regel nicht so positiv»
Amerell: «48-Stunden-Regel nicht so positiv»
Ein Schiedsrichter-Gespann im Dezember 2004 in Berlin.

Frankfurt/Main (dpa) – Die wegen des Betrugsskandals im deutschen Fußball erst jüngst eingeführte 48-Stunden-Regelung zur Ansetzung der Schiedsrichter in den Profi-Klassen könnte nur von kurzer Dauer sein.

Sowohl Welt-Referee Markus Merk als auch Schiedsrichter-Sprecher Manfred Amerell würden es begrüßen, wenn die Unparteiischen wie früher zehn Tage vorher über ihren Einsatz informiert werden. «Grundsätzlich habe ich mit der neuen Regel kein Problem, aber ich wäre froh, wenn man wieder zum alten Zustand zurückkehren würde, um mehr Planungssicherheit zu haben», sagte Merk der dpa. Der Deutsche Fußball-Bund lockerte am 22. Spieltag derweil bereits die Zwei-Tage-Frist und gab die Ansetzungen für die zweite Liga bis Montag bekannt.

Amerell sieht sogar die direkte Vorbereitung auf die Spiele durch die kurze Informationszeit beeinträchtigt. «Durch die knappe Ansetzung beginnt die Einzelkonzentration erst sehr spät», sagte er in einem dpa-Gespräch. Zwar sei die vor zwei Wochen eingeführte Änderung im Augenblick erforderlich. «Diese Tombola artigen Vorgänge sind aber nicht der Weisheit letzter Schluss», betonte Amerell und bezeichnete die Regelung als «nicht so positiv».

Die verkürzte Vorbereitungszeit auf die jeweilige Partie habe bei ihm selbst keinen Einfluss auf die Spielleitung, unterstrich Merk, der das brisante Duell zwischen Rekordmeister Bayern München und Borussia Dortmund leitet. «Wenn man mir um 14.30 Uhr sagt, Du pfeifst dieses oder jenes Spiel, gehe ich dorthin und pfeife es», meinte er. Das sei eine Frage der Erfahrung und Gelassenheit. Aber: Zwei Tage vor dem Einsatz die An- und Abreise zu organisieren, «da wird es manchmal fürchterlich hektisch». Früher planen zu können, gebe indes Ruhe, Kraft und Sicherheit.

Und gerade davon brauchen die deutschen Referees nach dem Wett- und Manipulationsskandal sowie dem vergangenen Bundesliga-Spieltag mit einigen gravierenden Fehlentscheidungen eine Menge. «Der Druck ist immens groß», räumte FIFA-Referee Merk ein. Zwar habe nicht die Qualität der deutschen Referees gelitten, aber deren Selbstvertrauen, bemerkte Amerell und forderte: «Unsere Schiedsrichter müssen nun ihr Erfahrungs-Potenzial abrufen und ihre absolute Konzentrationsfähigkeit.» So habe auch der Schiedsrichterausschuss-Vorsitzende Volker Roth unter der Woche an die Unparteiischen appelliert, «sich nicht verrückt machen zu lassen».

Sorgen, dass dem Oberhaus die Schiedsrichter ausgehen, nachdem die Zahl in den vergangenen zehn Jahren von 36 über 28 auf mittlerweile 22 reduziert worden ist und davon derzeit drei (Jürgen Jansen, Thorsten Koop, Stefan Trautmann) aus dem Verkehr gezogen sind, macht sich Amerell nicht. «Weder quantitativ noch qualitativ. Wir haben unser Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Gegebenenfalls pfeifen die guten einfach jede Woche», meinte er. Welt-Schiedsrichter Merk freut sich bereits auf seinen Einsatz im Münchner Olympiastadion: «Ich bin Schiedsrichter geworden, weil ich gern Verantwortung übernehme. Und das werde ich tun.»

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