Profi mit Profil: Reuter vor 500. Bundesligaspiel

Profi mit Profil: Reuter vor 500. Bundesligaspiel
Profi mit Profil: Reuter vor 500. Bundesligaspiel
Stefan Reuter mit einem Jubiläumstrikot im Westfalenstadion.

Dortmund (dpa) – Kurz vor dem Ende seiner Bilderbuchkarriere will sich Stefan Reuter einen Platz in den Fußball-Geschichtsbüchern sichern. Der 37 Jahre alte Profi von Borussia Dortmund könnte im Bundesligaspiel bei Bayer Leverkusen sein 500. Bundesligaspiel bestreiten.

Damit könnte Reuter als zehnter Spieler diese Schallmauer durchbrechen. Angeführt wird die Bestenliste von Karl-Heinz Körbel, der es für Eintracht Frankfurt auf 602 Einsätze brachte. «Eigentlich wollte ich vor dem Spiel gar nicht darüber sprechen. Man sollte sich nicht zu früh freuen. Aber die 500 Spiele machen mich schon stolz», sagte Reuter in Dortmund.

Der dienstälteste BVB-Profi hatte vor vier Wochen beiläufig und unspektakulär seinen Abschied zum Saisonende ankündigt. Er ist überzeugt, dass es der richtige Zeitpunkt ist. «Ich will nicht, dass die Leute sagen: Jetzt müssen sie ihn aus Dankbarkeit durchziehen», sagte der Franke, der seine Laufbahn 1972 beim TSV 1860 Dinkelsbühl begann und zehn Jahre später beim 1. FC Nürnberg anheuerte. Von da ging es für den Allrounder, der in seiner Jugend als Leichtathlet bayerischer Crossmeister war, steil bergauf.

Der vom ehemaligen DFB-Coach Berti Vogts als «Laufmaschine mit Turboantritt» bezeichnete Reuter sammelte Titel und Pokale wie kaum ein anderer: Mit der DFB-Elf (69 Länderspiele) wurde er Welt- (1990) und Europameister (1996), er gewann mit Bayern München und Borussia Dortmund fünf deutsche Meistertitel (1989, 1990, 1995, 1996, 2002). Das i-Tüpfelchen waren der Champions-League-Triumph und der Weltpokalsieg 1997 mit dem BVB, der ihn 1992 für 3,2 Millionen Mark von Juventus Turin nach Dortmund lotste.

Trotz der Erfolge blieb der als pflegeleicht geltende Musterprofi, der sich auch durch einen Kreuzbandriss und einen Knorpelschaden im Knie nicht aus der Bahn werfen ließ, bescheiden und bodenständig. «Ich hatte das große Glück, nach solchen Verletzungen wieder spielen zu können», so der dreifache Familienvater, der mit Attributen wie «Dauerbrenner», «Stehaufmännchen» oder «Anti-Star» gut leben kann. Für ihn sei es nie «erstrebenswert» gewesen, «durch Skandale» aufzufallen: «Ich freue mich, dass es von mir keine gibt.»

Stattdessen überzeugte der langjährige BVB-Kapitän durch konstante Leistungen und unbändigen Einsatzwillen. Für die Geniestreiche seien stets andere zuständig gewesen, gibt er zu. «Ich habe die Basis geliefert», meinte der Abwehr- und Mittelfeldspieler, der die 100 Meter einst in 10,7 Sekunden lief. Laut Trainer Matthias Sammer hat «Turbo» Reuter auch in den vergangenen Jahren kaum etwas von seiner Spritzigkeit eingebüßt. «Das ist genetisch bedingt», verriet Reuter schmunzelnd. «Mein Vater ist Mitte 60 und immer noch topfit.»

Reuter soll im Sommer beim BVB ein Abschiedsspiel erhalten. Er sei «nicht nur sportlich, sondern auch menschlich ein Vorbild», lobte Sammer den «Profi mit Profil». Reuter wird den Borussen wohl auch nach dem Karriereende erhalten bleiben. Obwohl er auch die Lizenz als Fußballlehrer hat, sieht er seine Zukunft eher im Management: «Es laufen sehr interessante Gespräche. Aber noch ist nichts perfekt.» , Zunächst konzentriert er sich in den ausstehenden fünf Ligaspielen auf seine sportlichen Ziele. «Ich will mit dem BVB den UEFA-Cup erreichen.» Einen besonderen Wunsch hat Reuter, der seit sieben Jahren kein Tor mehr erzielte, auch noch. «Ich habe in der Mannschaft eine Prämie ausgelobt, wenn mir einer ein Tor auflegt.»

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