Premier League will mehr einheimische Spieler

London (dpa) – Englands Premier League will stärker auf die Ausbildung «einheimischer» Fußballspieler drängen, ihre Vereine schärfer finanziell kontrollieren und gegebenenfalls Transfersperren verhängen.

Die Clubs stimmten den Vorschlägen von Liga-Chef Richard Scudamore zur Nachwuchsförderung, die von der kommenden Saison an gelten sollen, zu. Die neuen Finanzrichtlinien entsprechen denen der Europäischen Fußball-Union UEFA.

Zur Nachwuchsförderung müssen englische Clubs in Zukunft nach jeder Transferphase einen 25-köpfigen Kader benennen, dem mindestens acht «selbst ausgebildete» Spieler angehören. Zu ihnen zählt, wer im Alter zwischen 16 und 21 Jahren mindestens drei Jahre lang bei einem englischen oder walisischen Verein registriert war. «Das wird die Nachwuchsarbeit und die Entwicklung junger Spieler fördern», sagte Scudamore dem Sender BBC. «Die Absicht ist: lieber ausbilden als zukaufen.» Es gehe darum, «die Lebens- und Zukunftsfähigkeit der Liga zu sichern».

Der britische Sportminister Gerry Sutcliffe begrüßte die Schritte. «Sie werden die Vereine ermutigen, mehr für den eigenen Nachwuchs zu tun und die finanzielle Stabilität der Clubs sichern», hieß es in einer Erklärung. Nach Schätzungen des englischen Fußballverbands FA von 2008 drückt Englands Spitzenliga ein Schuldenberg von über drei Milliarden Pfund (3,4 Milliarden Euro). Ein Drittel davon schulden allein die Spitzenclubs Manchester United, FC Liverpool, der FC Chelsea von Michael Ballack und der FC Arsenal. Laut Erhebungen des vom Weltverband FIFA getragenen «Professional Football Players Observatory» beschäftigten die Premier-League-Vereine zudem im Schnitt knapp 60 Prozent Ausländer. Vizemeister Liverpool weist mit 90 Prozent die höchste Quote auf.

Die Nachwuchsarbeit englischer Vereine war zuletzt in den Blickpunkt geraten, als Chelsea von der FIFA wegen «Ermunterung zum Vertragsbruch» bei der Verpflichtung des französischen Teenagers Gael Kakuta 2007 mit einer Neuverpflichtungssperre bis Januar 2011 belegt wurde. Der Londoner Club hat angekündigt, dagegen Einspruch einzulegen. Zu den Neuerungen bei der Finanzkontrolle gehört, dass alle Vereine zum 1. März ihre Bücher vorlegen und nachweisen müssen, dass sie keine Schulden gegenüber den britischen Steuerbehörden oder anderen Vereinen haben.

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