Neue Offenheit im Iran beim Fußballfest

Neue Offenheit im Iran beim Fußballfest
Neue Offenheit im Iran beim Fußballfest
Drei junge deutsche Frauen aus Deutschland winken Kopftücher tragend mit Fahnen.

Teheran (dpa) – Rockmusik, Lasershow und sogar Frauen im Stadion: Mit einer seit der islamischen Revolution nie gekannten Offenheit hat der Iran das Fußball-Fest gegen Deutschland zelebriert.

«Die Fußball-Fans im Land hatten die Möglichkeit, ein historisches Ereignis mitzuerleben, dass es in Iran noch nie gegeben hat», erklärte Trainer Branco Ivankovic, der dem 0:2 und den vergebenen Chancen seiner Spieler nicht hinterher trauerte. Der Wert der Partie gegen den Vizeweltmeister sei dennoch hoch einzuschätzen. «Die iranischen Zuschauer konnten dieses Spiel genießen», freute sich der Kroate Ivankovic.

Der erste Auftritt der deutschen Nationalmannschaft sorgte im Gottesstaat gleich für mehrere Tabu-Brüche. In der riesigen Arena, die schon am Mittag des Spieltages halb voll und schließlich mit 110 000 Fans gefüllt war, heizte die Rockband «Inan» mit Hits von Eric Clapton, den Dire Straits und den Eagles lautstark ein – im normalen Leben ist westliche Popmusik noch immer von den Mullahs total verpönt. Seit der Revolution 1978 hatte es keine Live-Konzerte gegeben.

Auch einige iranische Frauen erlebten erstmals ein Fußball-Spiel im Stadion. Rund 200 iranische Sportlerinnen, in Botschaften beschäftigte Frauen und Ausländerinnen nahmen direkt neben der VIP- Tribüne Platz. Und sie erlebten direkt unter den riesigen Standbildern von Revolutionsführer Ajatollah Ruhollah Chomeini und dessen Nachfolger Ajatollah Ali Chamenei eine Laser-Show und sogar Techno-Musik vom Feinsten.

Natürlich wollten die Regierenden im Gottesstaat damit auch den deutschen Gästen und der gesamten westlichen Welt zeigen: Wir öffnen uns für Neues. Das politische Verhältnis besonders zu den USA ist durch das Atomprogramm im eigenen Land äußerst gespannt. Die Zeitung «Iran» kritisierte am Sonntag, das staatliche Fernsehen habe einige Live-Bilder, die vom ZDF übernommen wurden, einfach weggelassen. «Besonders die Frauen im Stadion, ein Novum, wurden nicht gezeigt», kritisierte das Blatt.

Die Begeisterung über die im islamischen Land ungewöhnliche Show übertraf dann sogar noch die Anteilnahme am Spiel, die durch das schnelle Führungstor von Fabian Ernst hörbar gedämpft wurde. Noch kurz vor dem Anpfiff hatten vor den Stadion-Toren 150 000 Iraner auf Einlass gehofft, obwohl 110 000 schon auf den Traversen waren. Nur mit rigorosem Vorgehen konnten die Sicherheitskräfte eine Eskalation verhindern. Im Azadi-Stadion selbst sorgten hunderte Einsatzkräfte in blauen T-Shirts und Trainingsanzüge für Ordnung. Sogar die gefürchteten Geheimdienst-Mitarbeiter trugen statt dunkler Anzüge die Polo-Shirts der iranischen Nationalelf.