Pyro-Ärger trübt HSV-Freude über Pokalerfolg

Pyro-Ärger trübt HSV-Freude über Pokalerfolg
Bildhinweis: Die Hamburger Mannschaft versucht in Wiesbaden die Fans vom Abrennen der Pyrotechnik abzubringen. Foto: Thomas Frey

Wiesbaden (dpa) – Matchwinner Pierre-Michel Lasogga konnte der verbotenen Pyro-Show einiger unverbesserlicher HSV-Chaoten ebenso wenig abgewinnen wie Trainer Hannes Wolf und Sportvorstand Ralf Becker.

Das permanente Zündeln der Fans vor den Augen von DFB-Boss Reinhard Grindel beim 3:0 (1:0)-Auswärtssieg gegen den SV Wehen Wiesbaden trübte beim Hamburger SV die Freude über den Einzug ins Pokal-Achtelfinale und wird den finanziell klammen Bundesliga-Absteiger teuer zu stehen kommen. «Ich weiß nicht, ob den sogenannten Fans klar ist, was sie dem HSV damit antun. Unabhängig davon, dass das Spiel hätte abgebrochen werden können, kostet das auch wahnsinnig viel Geld. Und es ist natürlich auch gefährlich», schimpfte Becker.

Von den 637.000 Euro, die es vom Deutschen Fußball-Bund im Achtelfinale gibt, wird der HSV als Wiederholungstäter wohl einen erklecklichen Teil an den Verband zurück überweisen müssen. Der DFB kündigte am Mittwoch die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens durch den Kontrollausschuss an. Der Zweitligist aus Hamburg, der in dieser Saison ein Rekord-Minus von rund 20 Millionen Euro erwartet, hatte erst im Sommer 115.000 Euro wegen des Fehlverhaltens seiner Fans in der Bundesliga-Rückrunde zahlen müssen und war in der abgelaufenen Saison mit insgesamt 225.000 Euro an Geldstrafen der am härtesten bestrafte Club.

In Wiesbaden setzte sich die Reihe unrühmlicher Vorfälle in der Bundesliga fort, wo Dortmunder Fans in Hoffenheim mit üblen Beleidigungen gegen TSG-Mäzen Dietmar Hopp aus der Rolle fielen und sich Anhänger von Hertha BSC während des Spiels beim BVB eine wüste Schlägerei mit der Polizei lieferten.

«Der DFB wird jetzt auf die Liga zugehen und über geeignete Maßnahmen sprechen, um für mehr Sicherheit zu sorgen», kündigte DFB-Präsident Grindel im «Hamburger Abendblatt» an. «Ich sehe das nicht allein als ein HSV-Problem, sondern wir beobachten allgemein diese Fälle, in denen Gewalttäter die Plattform des Fußballs für ihre Zwecke missbrauchen.» Deshalb sind harte Sanktionen durch den Verband zu erwarten.

Entsprechend sauer waren die HSV-Verantwortlichen über die Vorfälle beim Pokalspiel in Wiesbaden, das nach einer fünfminütigen Unterbrechung in der zweiten Halbzeit sogar vor dem Abbruch stand. «Ich bin grundsätzlich sehr genervt davon», sagte Becker. «Das ist kein Ausdruck von Freude, sondern schlecht für den Verein. Damit tut man uns keinen Gefallen. Unterstützung ist super, aber so macht es keinen Sinn», kritisierte der 48-Jährige.

Lasogga, der mit einem Doppelpack in der 21. und 51. Minute für die sportlichen Highlights gesorgt hatte, räumte ein: «Ich habe ein bisschen gezittert in der letzten halben Stunde und gedacht: Kommt, lasst die Dinger einfach aus. Wenn die Partie abgebrochen wird, sind wir die Doofen.» Und Neu-Trainer Wolf, unter dem es im zweiten Spiel den zweiten Pflichtspielsieg gab, stellte fest: «Ein Abbruch wäre dramatisch gewesen. Das Feuer muss aus bleiben.»

Es waren am Ende die Spieler, die die Fans während der Unterbrechung unmittelbar nach dem zweiten Treffer zur Vernunft brachten. «Ich habe den Jungs gesagt: Macht ihr noch ein Ding an, wird das Spiel abgebrochen. Wollt ihr das? Wir wollen es nicht», berichtete Lewis Holtby. Der Einpeitscher der HSV-Ultras habe daraufhin das Signal gegeben, das Abbrennen der Pyrotechnik bis zum Spielende zu unterlassen. So durften die Gäste-Fans in der Nachspielzeit sogar noch das 3:0 durch Douglas Santos bejubeln.

Der HSV kann sich nun in Ruhe auf den Zweitliga-Showdown gegen Mitabsteiger 1. FC Köln am kommenden Montag konzentrieren. Dann erwartet Sportvorstand Becker ein anderes Auftreten der Fans. Denn bei einem fortgesetzten Fehlverhalten könnte es irgendwann einmal nicht nur finanzielle, sondern auch sportliche Konsequenzen für den Verein geben. «Das wäre der Worst Case», sagte Becker und fügte hinzu: «Vielleicht war das heute die letzte Warnung.»

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