Müller macht «Randale»: Bayern-Kadertiefe als Trumpfkarte

Müller macht «Randale»: Bayern-Kadertiefe als Trumpfkarte
Bildhinweis: Gegen Mainz nur Reservist: Thomas Müller. Foto: Lino Mirgeler

München (dpa) – Der Ur-Bayer Thomas Müller und sein Offensiv-Rivale Philippe Coutinho prosteten sich Arm in Arm in Lederhosen mit einem Weißbier zu.

Bei den Werbeaufnahmen des FC Bayern München für das Oktoberfest herrschte am Sonntag eine beschwingte Stimmung, wozu neben dem eigenen Tore-Sixpack beim 6:1 (2:1) gegen den FSV Mainz wohl auch der erste Bundesliga Ausrutscher von Borussia Dortmund beim Aufsteiger Union Berlin am Abend zuvor beigetragen hatte.

Coutinho gefiel sich selber in bayerischer Tracht. «Ich habe so etwas noch nie angehabt. Es ist super. Ich glaube, ich sehe gut aus darin», sagte der Brasilianer. Müller dagegen ist in Lederhosen aufgewachsen. Und er ist schon viel zu lange im Fußball-Geschäft, um gleich nach dem ersten Tag als Bankangestellter grantig aufzutreten. «Es wird im Laufe der Saison ganz, ganz viele verschiedene Aufstellungen geben. Dementsprechend gilt es da für einen Spieler, nicht so sehr viel da hinein zu interpretieren», sagte Müller zum Bankplatz am 3. Spieltag.

Auch sein neuer Zehner-Konkurrent Coutinho ließ nicht auf das nahe liegende Konflikt-Spielchen Müller kontra Coutinho ein. «Nein, nein», wiegelte der Brasilianer nach seinem Startelfdebüt ab, einen Wettkampf mit Publikumsliebling Müller sehe er nicht. Im Gegenteil: «Er ist großartig, er ist ein großer Spieler und ich bin sehr glücklich, dass ich mit ihm in einem Team spielen und von ihm viel lernen kann», sagte Coutinho. «Man hat es gesehen: Er kam rein und hat den Unterschied gemacht», lobte Coutinho Kollege Müller.

Müller erfüllte seinen Joker-Job gegen Mainz voller Elan, als er Mitte der zweiten Hälfte den bis dahin weniger wirkungsvollen Coutinho abslösen durfte. «So ist Thomas: Er kommt rein, macht Randale und bereitet zwei Tore vor», lobte Trainer Niko Kovac.

Er sei ja schon «länger dabei» bei Bayern, meinte Müller: «Und es gab ganz wenige Perioden in den letzten zehn Jahren, in denen wirklich Spiele am Stück mit ein und derselben Mannschaft bestritten wurden.»

Der Promi-Wettstreit um die zentrale offensive Mittelfeldposition offenbart am markantesten die neue Trumpfkarte, die Kovac nach der späten Münchner Transferoffensive in Händen hält. Im dritten Spiel gab es sechs verschiedene Torschützen, angefangen bei den Neuzugängen Ivan Perisic und Benjamin Pavard über Freistoßschütze David Alaba, Kingsley Coman und Alphonso Davies bis zu Robert Lewandowski, der schon sein sechstes Saisontor erzielte.

Die breite Qualität wurde erstmals ausgeschöpft. «Man sieht einfach, was für einen Esprit wir auf den Platz bringen, was für eine Geilheit wir auf Fußball haben. Das merkt man, wie der Kader jetzt da steht, dass der Konkurrenzkampf noch mal angehoben wurde», schwärmte Außenverteidiger Alaba. «Wir haben jetzt Breite und Tiefe», sagte Kovac zum Kader. Der entspricht in seinem zweiten Bayern-Jahr seinen Vorstellungen und sollte auch international wettbewersfähig sein.

Das gilt, selbst wenn Jérôme Boateng noch auf den letzten Drücker wechseln sollte. Der Weltmeister von 2014 fehlte überraschend beim Foto-Shooting – und am Montag endet die Transferzeit.

«Wir waren selten so breit aufgestellt», urteilte Präsident Uli Hoeneß, der am Ende seiner Abschiedsankündigungswoche auf der Tribüne strahlte. Aber ihr Sixpack gönnten sich die Bayern erst nach einer Trinkpause Mitte der ersten Hälfte. «Davor haben wir nicht stattgefunden, wir waren zu lethargisch», kritisierte Kovac.

Mainz führte sogar durch Jean-Paul Boetius. Das veranlasste Kapitän Manuel Neuer auch schon mit Blick auf das nach der Länderspielpause anstehende Topspiel beim Neun-Punkte-Spitzenreiter RB Leibzig zu einer internen Ermahnung: «Wenn man sechs Tore schießt, ist es sehr deutlich. Aber es gibt andere Mannschaften, wenn man da so beginnt, hat man nicht mehr die Möglichkeit, zurückzukommen.»

Die Mainzer waren kein Maßstab. Und die Bayern werden sich steigern, wenn der spät komplettierte Kader richtig harmoniert. «Wir brauchen noch die Abstimmung, die Abläufe, dass man sich einspielt», meinte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Perisic, ein Tor, eine Vorlage, funktionierte als Vertreter des unter der Woche angeschlagenen Nationalspielers Serge Gnabry auf der Außenbahn schon gut.

Und der neue Spielgestalter Coutinho wird auch bald fitter und wirkungsvoller sein. «Er hatte gute Momente, gerade mit dem Ball. Er hat ein, zwei Tiefenpässe gespielt, die klasse waren», sagte Kovac zum vom FC Barcelona ausgeliehenen Topstar. Kovac hat nach der Länderspielpause, wenn die Saison richtig Fahrt aufnimmt, die freie Auswahl beim Personal – und auch schon einen klaren Plan für die dann notwendigen Aufstellungen: «Wir würfeln ja nicht da draußen.»

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