Lehmann kämpft gegen Windmühlen

Lehmann kämpft gegen Windmühlen
Lehmann kämpft gegen Windmühlen
Jens Lehmann will sich in London durchbeißen.

London (dpa) – Jens Lehmanns Ringen um einen Stammplatz beim FC Arsenal wird zum Kampf gegen Windmühlen. Der Ankündigung, seinen bis 2006 laufenden Vertrag beim englischen Meister zu erfüllen, folgten bittere Erkenntnisse für den 35-Jährigen.

Beim 0:1 der Londoner gegen die Bolton Wanderers musste er zum zehnten Mal auf der Bank Platz nehmen. Einen Tag später berichtete die englische Zeitung «The Guardian»: Arsenal, das nun schon zehn Punkte hinter Tabellenführer Chelsea zurückliegt, bemühe sich um die Verpflichtung des nur ein Jahr jüngeren niederländischen Nationaltorhüters Edwin van der Sar.

Van der Sar, um dessen Gunst laut «Guardian» auch Manchester United und der FC Liverpool buhlen, gehört zu den besten Keepern der Premier League. Sein Vertrag beim FC Fulham endet im Sommer, die Londoner haben mit ihm aber bereits über eine Verlängerung um zwei Jahre verhandelt.

Lehmann hat offenbar nicht damit gerechnet, dass sich ins Gerangel um den Platz zwischen den Arsenal-Pfosten ein Dritter einschalten könnte. Die erneuten Patzer seines spanischen Konkurrenten Manuel Almunia vor Augen bekräftigte Lehmann im ZDF-Sportstudio seine im «Bild am Sonntag»-Interview geäußerte Kampfansage: «Ich werde meinen Vertrag bis 2006 erfüllen, ich werde kämpfen. Einen Vertrag abzusitzen, das ist nicht mein Stil. Ich weiß – auch in meinem Innern – dass ich gute Chancen habe wieder zu spielen. Ob nächste Woche oder in zwei Monaten, weiß ich auch nicht.»

Anderthalb Jahre war Lehmann die Nummer eins bei Arsenal – bis zur 1:2-Niederlage gegen Liverpool am 28. November. Zwar war dies erst die zweite Pleite mit Lehmann im Tor, doch der deutsche Auswahl-Torhüter hatte zwölf Spiele in Serie nicht mehr zu null gespielt. Was ihm die Medien in England noch immer ankreiden, ist sein Patzer gegen Chelsea in der Champions League im vergangenen Jahr, der den «Gunners» das Halbfinale kostete. Auch andere Fehler des stets von einem Hauch Arroganz umwehte Deutschen ließ die englische Boulevard-Presse noch einmal in Wort und Bild Revue passieren, als sich Lehmann öffentlich gegen die Verbannung auf die Bank zur Wehr setzte.

Das nagt an dem gebürtigen Essener, der sich über die in der «Sun» verbreitete Fürsprache durch seinen französischen Mitspieler Robert Pires nicht freuen und aufkommende Selbstzweifel nur schwer verbergen kann. «Gut, gut», sehe seine Zukunft in London aus. Doch in puncto Nationalmannschaft sieht er seine Position gefährdet. «Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass ich überhaupt bei der WM dabei bin, aber ich glaube fest daran», sagte Lehmann.

Im Hinterkopf hat er die Aussage von Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der spätestens für die zweite Jahreshälfte einen Stammplatz im Verein fordert. Ändert sich nichts an Lehmanns Situation, muss er spätestens im Sommer eine Entscheidung über einen Wechsel treffen, um die Frage nach der Nummer eins im Tor der deutschen Nationalmannschaft offen zu halten. Bis dahin will er weiter kämpfen, selbst wenn er im Duell mit seinem Rivalen Oliver Kahn eine bittere Pille schlucken müsste. Über die Aussicht, im Champions-League-Achtelfinale gegen Bayern München am 22. Februar auf der Ersatzbank zu schmoren, meinte Lehmann: «Man muss auch Demütigungen verkraften können.»