KSC-Groteske geht weiter: Fanz wehrt sich

KSC-Groteske geht weiter: Fanz wehrt sich
KSC-Groteske geht weiter: Fanz wehrt sich
Reinhold Fanz starrt 1999 auf das Spielfeld.

Karlsruhe (dpa) – Nach der einmaligen Groteske um den inzwischen entlassenen Sieben-Tage-Trainer Reinhold Fanz hat beim Karlsruher SC die fieberhafte Suche nach einem Nachfolger begonnen.

Sportdirektor Rolf Dohmen, der mit der überraschenden Verpflichtung seines früheren Teamkollegen das ganze Chaos mit ausgelöst hatte, soll in einem zweiten Anlauf einen für Verein, Fans und Hauptsponsor Energie Baden-Württemberg (EnBW) akzeptablen Kandidaten finden, der mit dem stark abstiegsbedrohten Fußball-Zweitligisten den Klassenverbleib schafft. «Ich habe von den Vereinsgremien den Auftrag bekommen, mich allein verantwortlich um die Trainersuche zu kümmern und dem Präsidium und dem Verwaltungsrat entsprechende Vorschläge zu unterbreiten», sagte Dohmen, der bereits erste Gespräche führte, der dpa.

Beste Chancen auf den Cheftrainerposten beim badischen Traditions-Club hat nach dpa-Informationen Krassimir Balakow. Der frühere Weltklassespieler und derzeitige Co-Trainer des VfB Stuttgart gehörte schon vor der Einigung mit Fanz zum Kandidatenkreis. «Ich habe mit Balakow ein positives Gespräch geführt», bestätigte Dohmen Kontakte. Eine Verpflichtung des Bulgaren könnte allerdings für eine neue Zerreißprobe beim Tabellenvorletzten sorgen: Balakow gilt zwar als Wunschkandidat der EnBW, ist aber für die Anhänger wegen seiner VfB- Vergangenheit und der teilweise feindseligen Rivalität zwischen Badenern und Schwaben ein rotes Tuch.

So droht der nächste Machtkampf, nachdem der jüngste gerade mit einem Sieg des Hauptsponsors zu Ende gegangen ist. Der KSC hatte Fanz zuvor nach massiven Angriffen und Ausstiegsdrohungen der EnBW nach nur sieben Tagen wieder beurlaubt. Der Geschasste geht nun juristisch dagegen vor. «Durch die Einmischung Dritter wird in nicht hinnehmbarer Weise in vereinsinterne Strukturen eingegriffen. Das Vorgehen schadet nicht nur der Reputation des betroffenen Reinhold Fanz, sondern dem gesamten deutschen Fußball», teilte Rechtsanwalt Adam Ahmed mit. Er und sein ebenfalls auf Sportrecht spezialisierter Kollege Jürgen Langer befassen sich mit dem Fall.

Während Fanz gehen muss, hat das KSC-Präsidium freiwillig und geschlossen seinen Rücktritt erklärt. Vereinspräsident Hubert Raase wird allerdings noch bis September im Amt bleiben. Dohmen genießt weiterhin das Vertrauen der Führungscrew und scheint zumindest vorerst nicht mit einer Beurlaubung rechnen zu müssen.

Entgegen anders lautender Meldungen soll Winfried Schäfer, unter dem der KSC seine größten sportlichen Erfolge mit dem zweimaligen Einzug in den UEFA-Cup-Wettbewerb in den 90er Jahren gefeiert hat, kein Thema sein. Raase dementierte entschieden Spekulationen, wonach der ehemalige Nationalcoach Kameruns beim KSC als Sportdirektor installiert werden soll: «Das ist weit vorbei an der Realität, weil das nicht passieren wird. Winnie weiß dies und zwar persönlich von mir. Von unserer Seite ist er kein Thema», sagte er. Ausgeschlossen scheint auch eine Rückkehr von Spielmacher Thomas Häßler. Das Training beim KSC, der ein Trainingslager in Belek (Türkei) bezog, übernimmt zunächst Co-Trainer Ede Becker.

«Die Berufung von Trainer Reinhold Fanz durch den KSC erfolgte auf der Grundlage unvollständiger Informationen», hieß es in der Club-Presseerklärung. Hintergrund der Trainerposse ist ein sieben Jahre alter Streit zwischen dem EnBW-Vorstandsvorsitzenden Utz Claassen und Fanz. Der 50 Jahre alte Coach, der den entlassenen Lorenz-Günther Köstner ersetzen sollte, hatte dem Oxford-Absolventen während dessen zweimonatiger Präsidentschaft bei Hannover 96 den Fußball-Verstand abgesprochen. Claassen hatte dies Fanz gerichtlich untersagen lassen.

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