Krug verteidigt deutsche Schiedsrichter

Krug verteidigt deutsche Schiedsrichter
Krug verteidigt deutsche Schiedsrichter
Schiedsrichter Markus Merk pfeift ein Speil im November 2003.

Frankfurt/Main (dpa) – Die heftige Kritik von Franz Beckenbauer an den deutschen Schiedsrichtern und deren Rekordmann Markus Merk ist beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf Unverständnis gestoßen.

«Zum Ende einer jeden Saison spitzen sich die Ereignisse zu und die Emotionen schäumen über. Franz Beckenbauer hat in den Gesprächen mit uns immer betont, dass die deutschen Referees zu den besten der Welt gehören. Jetzt wird ein Spiel zum Anlass genommen, um alles in Frage zu stellen und Schelte zu betreiben», sagte Hellmut Krug, Abteilungsleiter Schiedsrichterwesen im DFB.

In seiner Kolumne in der «Bild»-Zeitung hatte Beckenbauer der deutschen Schiedsrichter-Gilde die internationale Klasse abgesprochen. «Ganz allgemein habe ich den Eindruck, dass sich unsere Schiedsrichter leider dem Niveau der Bundesliga anpassen. Und da gehören wir ja schon länger nicht mehr zu den Top 3 in Europa», grantelte der «Kaiser», dem Merks Auftritt beim 0:2 der Bayern in Dortmund sauer aufgestoßen war. «Er hat uns die Punkte gekostet», meinte Beckenbauer.

Für Krug entbehrt die heftige Kritik des Bayern-Präsidenten jeglicher Grundlage. «Markus Merk ist einer der höchst bewerteten und angesehenen Schiedsrichter in der Welt», stellte er sich vor den Unparteiischen aus Kaiserslautern. Der wurde vom Europäischen Fußball-Verband UEFA prompt für das Halbfinal-Hinspiel in der Champions League zwischen dem FC Porto und Deportivo La Coruna nominiert.

Zuletzt hatte Merk schon das Viertelfinale zwischen den Londoner Stadtrivalen Arsenal und Chelsea souverän geleitet. Im Juni wird der 42-Jährige, der seit 1988 in der Bundesliga und seit 1992 auf internationalem Parkett pfeift, Deutschlands Referees bei der Europameisterschaft in Portugal vertreten. Krug schreibt die Beckenbauer-Schelte daher auch eher dem Umstand zu, dass sich die Bayern durch die verpatzte Saison ohne Titel «vielleicht etwas unter Druck fühlen».

Die wöchentlich an Schärfe zunehmenden Diskussionen um die Schiedsrichter-Entscheidungen in der Bundesliga sind Krug aber generell ein Dorn im Auge. «Je länger die Saison dauert, desto verbissener wird um jeden Punkt gekämpft. Und das leider nicht nur auf dem Platz. Dieses Nachkarten ist höchst überflüssig, oft unsachlich und bringt keinen weiter», sagte Krug und appellierte an Spieler, Trainer und Funktionäre: «Sie sollen sich in erster Linie mit der Qualität ihrer Mannschaft und ihren eigenen Spielern beschäftigen.» Um die Kluft nicht zu groß werden zu lassen, möchte Krug mit den Vereinen wieder mehr ins Gespräch kommen. «Wir müssen den Dialog weiter pflegen, aber nicht über die Medien», forderte er.

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