Kritik an Blatter-Idee – «Unentschieden gehört dazu»

Kritik an Blatter-Idee – «Unentschieden gehört dazu»
Kritik an Blatter-Idee - «Unentschieden gehört dazu»
Sepp Blatter spricht bei einer Pressekonferenz am 6. April in Zürich.

Düsseldorf (dpa) – Mit seiner jüngsten Idee, im Fußball das Unentschieden abzuschaffen, ist FIFA-Präsident Joseph Blatter auf breite Ablehnung gestoßen.

«Ich halte nichts von diesem Vorschlag. Es gibt Grundregeln des Fußballs, die für mich unverrückbar sind und dazu gehört das Unentschieden», sagte Werner Hackmann, Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL). Blatter begründete seinen Vorschlag damit, dass auch in anderen Sportarten wie Basketball oder Eishockey das Remis erfolgreich abgeschafft worden sei und jedes Spiel einen Gewinner haben sollte. Offen ließ der Chef des Weltfußball-Verbandes (FIFA), ob die Entscheidungen dabei durch Elfmeterschießen oder Verlängerung fallen sollten.

Auch DFB-Teamchef Rudi Völler kritisierte diesen Vorstoß. «Man hat doch mit der Einführung der Drei-Punkte-Regel schon etwas Grundsätzliches gegen das Unentschieden unternommen, was ganz gut funktioniert. Ich denke nicht, dass man da noch mehr tun muss», sagte Völler. DFB-Trainerkollege Ulli Stielike hält von solchen Plänen ebenso nichts. «Es gibt wenig Veränderungen, die dem Fußball zu Gute gekommen sind. Irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Man muss nicht immer Neues an den Haaren herbeiziehen».

In den Bundesligaclubs hat der FIFA-Präsident ebenfalls wenig Begeisterung ausgelöst. «Ich bin zwar nicht grundsätzlich gegen Veränderungen, aber nur für überzeugende. Weitgehend sollte der Fußball so bleiben wie er ist», sagte Kurt Jara, Trainer des 1. FC Kaiserslautern. «Herr Blatter soll mal den Fußball nicht so verändern. Es ist viel nötiger strukturelle Veränderungen vorzunehmen», meinte Dieter Meinhold, Vorstandsmitglied des VfL Bochum. Werder Bremens Sportdirektor Klaus Allofs sagte dem Kölner «Express»: «Keine gute Idee. Ich denke, der Fußball ist so attraktiv, dass wir diese künstliche Spannungsmache gar nicht brauchen.»

Schon in der Vergangenheit hatte der FIFA-Chef mit seinen Vorschlägen zu Regeländerungen für Kritik gesorgt. Das umstrittene Golden Goal wurde nach acht Jahren wieder abgeschafft, geplante Auszeiten oder die Vergrößerung von Fußballtoren erst gar nicht eingeführt. Die «Süddeutsche Zeitung» kommentierte die neuerliche Idee des Schweizers kurz und knapp: «Blatters Erscheinungen».

Unterstützung erhielt der FIFA-Präsident lediglich vom deutschen Rekordmeister FC Bayern München. «Es gibt ja auch Unentschieden, die nicht sehr attraktiv sind. Ich finde die Idee nicht schlecht», meinte Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. Und Vorstandschef Heribert Bruchhagen von Eintracht Frankfurt sagte: «Blatter hat schon weitaus schlechtere Vorschläge gemacht. Über diesen kann man nachdenken».

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