Keine Party zu Wildmosers 65. Geburtstag

Keine Party zu Wildmosers 65. Geburtstag
Keine Party zu Wildmosers 65. Geburtstag
Karl-Heinz Wildmoser blickt im Mai vergangenen Jahres in die Kamera.

München (dpa) – Er war der «König der Löwen» und der wohl mächtigste Vereins-Präsident in der Fußball-Bundesliga. Der Ur-Bayer feiert am 5. Mai seinen 65. Geburtstag, wird aber auf eine große Party verzichten.

Karl-Heinz Wildmoser suchte stets das Rampenlicht, doch seit dem durch den Stadion-Skandal erzwungenen Rücktritt beim TSV 1860 München scheut er die Öffentlichkeit. «Ich will raus aus den Schlagzeilen. Das ist ein ganz normaler Arbeitstag. Ich habe auch gar keine Zeit zum Feiern», sagte Wildmoser.

Die Vorwürfe in der Bestechungsaffäre um den Stadion-Neubau haben Wildmoser offenbar zugesetzt. Der Haftbefehl gegen ihn wurde zwar mittlerweile aufgehoben, doch die Ermittlungen laufen weiter. Zudem sitzt sein Sohn Karl-Heinz junior weiter in Untersuchungshaft. Kurz vor dem Rentenalter fühlt sich der Großgastronom um seinen Lebenstraum gebracht, bei der Weltmeisterschaft 2006 an der Seite von Franz Beckenbauer als Hausherr in die Münchner Arena einzuziehen.

Intensiv kümmert er sich nun um seine Geschäfte abseits der großen Fußball-Bühne. «Ich habe Sitzungen in Dresden, bin praktisch ständig unterwegs», sagte er. Neben Immobiliengeschäften in Sachsen führt Wildmoser in München mehrere Lokale und gehört als Wirt einer Hähnchenbraterei beim Oktoberfest zur örtlichen Schicki-Micki-Szene. Seine Lizenz als Wiesn-Wirt ist offenbar trotz der ungeklärten Vorwürfe um den vermeintlichen 2,8 Millionen Euro-Deal nicht in Gefahr.

Begleitet von Schmährufen seiner Gegner und dem Blitzlichtgewitter der Fotografen hatte Wildmoser am 15. März das 1860-Vereinsgelände verlassen und nach zwölf Jahren einen äußerst unwürdigen Abtritt als «Löwen»-Präsident. Innerhalb von zwei Jahren hatte er nach seiner Amtsübernahme 1992 den Traditionsclub aus der Bayernliga zurück ins Fußball-Oberhaus geführt. Dass der von ihm in Gutsherren-Art geleitete Verein nach seinem Rücktritt wochenlang im Chaos versank, kommentierte Wildmoser nicht.

Ganz sind die alten Verbindungen aber wohl noch nicht gekappt. Ausgerechnet die im Vereinsrat von 1860 vertretenen Abteilungsleiter will Wildmoser als Geburtstagsgäste in seinem Gasthof «Hinterbrühl» zum Kaffeeklatsch begrüßen. Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass sich der von der «Süddeutschen Zeitung» als «letzter Patriarch der Bundesliga» bezeichnete Machtmensch nur zu gerne an der «Löwen»-Spitze zurückmelden würde, sollten sich die Vorwürfe letztlich als haltlos erweisen.

Wildmoser wurde am 5. Mai 1939 im Münchner Stadtteil Pasing geboren. Der Sohn eines Schuhmachers absolvierte eine Metzgerlehre und avancierte vom Schankkellner zum Multimillionär. Schon vor dem Bestechungsskandal, der ihn drei Tage in Untersuchungshaft brachte, hatte er abseits des Fußball-Geschäfts immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Steuerhinterziehung und ein Prozess mit seinem unehelichen Sohn brachten ihn vor Gericht. Zudem war es um die Gesundheit zuletzt nicht gut bestellt. Im Vorjahr waren Operationen an Herz und Magen notwendig gewesen.

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